Santo Andre - Am Tag, als Manuel Neuer grünes Licht für den WM-Auftakt erhielt, ließ Bundestrainer Joachim Löw schon mal den Ernstfall testen.

Ab 7:00 Uhr Wecken, bis 10:30 Uhr Frühstück, danach Besprechung - und um 13:00 Uhr Training unter Wettkampfbedingungen bei leichter Bewölkung, 26 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 82 Prozent: Fünf Tage vor dem Gruppen-Auftakt gegen Portugal am 16. Juni in Salvador (Mo., ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) wurde der kommende Montag soweit wie möglich simuliert.

"Der Kopf spielt eine große Rolle"

"Wir wollen uns so gewissenhaft wie möglich vorbereiten", sagte der Bundestrainer zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke ergänzte: "Es geht ums Schlafverhalten und auch um Nahrungsaufnahme. Die Spieler sollen herausfinden, was für sie gut und richtig ist." Am Freitag, betonte der Europameister von 1996, "machen wir das noch mal so und dann am Montag, dann wird es aber ernst." Bis zum Aufeinandertreffen mit Cristiano Ronaldo und Co. hat Löw die Tage minutiös durchgeplant.

Unterstützt wird der Bundestrainer bei seinen Bemühungen um die bestmögliche Verfassung am kommenden Montagmittag von Internist Tim Meyer und Psychologe Hans-Dieter Hermann. "Der Kopf spielt eine große Rolle", erklärte Hermann. Die Spieler seien andere Zeiten gewohnt, an denen ihre Leistungsabgabe erfolge, "sie müssen sich nun darauf einstellen, dass um 13:00 Uhr die Zeit ist, wann sie ihre Leistung abrufen müssen." Die Spieler müssen also umdenken.

Die Einstellung müsse darüber hinaus auch bei der Bewältigung der klimatischen Bedingungen stimmen, machte unterdessen Meyer deutlich: "Wenn man die Bedingungen annimmt, wie sie sind, wirkt es gleich ein bisschen weniger heiß", sagte der Medizinier. Zugleich verwies er darauf, dass, dass die Spieler "trinken, trinken, trinken" müssten, um ihren Wasserhaushalt ständig auszugleichen.

Neuer wieder "voll belastbar"

Die Spieler haben die Ratschläge bereits verinnerlicht und nehmen die äußeren Umstände gelassen hin. "Ich sehe da keine allzu großen Probleme. Man wird nicht über 90 Minuten nur Pressing spielen können. Wir haben aber die Qualität, uns auf alles vorzubereiten", sagte Kapitän Philipp Lahm. Und Andre Schürrle versicherte: "Ich sehen keinen großen Nachteil für uns, denn die meisten südamerikanischen Stars spielen in Europa und sind deshalb ebenfalls andere Bedigungen gewohnt."

Am Montag gegen Portugal wird auch wieder Manuel Neuer im Tor stehen, wie Köpke bekanntgab. "Er ist auf einem richtig guten Weg und ist voll belastbar", betonte der 52-Jährige. Man sei zuletzt "absichtlich kein überhöhtes Risiko eingegangen. So wie es sich herauskristallisiert, haben wir alles richtig gemacht." Neuer habe "Vertrauen in die Schulter, wir sind guter Dinge für das erste WM-Spiel".

Am Mittwoch stieg der 28 Jahre alte Torhüter von Bayern München nach überstandener Schulterverletzung wieder ins Mannschaftstraining ein. In den vergangenen Tagen hatte er bereits torwartspezifische Übungen absolviert.

Portugal im Fokus, Brasilien im TV

Zur gewissenhaften Vorbereitung auf Portugal gehörte schon am Dienstagabend auch die Beobachtung des Gegners: Spieler und Trainerstab verfolgten am Fernseher die erfolgreiche WM-Generalprobe von Portugal, das beim 5:1 gegen Irland die Muskeln spielen ließ. Der zuletzt angeschlagene Superstar Ronaldo spielte in East Rutherford bei New York erstmals wieder mit und bereitete zwei Tore vor.

Allerdings: "Diese Spiele sollte man nicht überbewerten, da legt keiner sein Karten auf den Tisch. Wir werden Portugal in den kommenden Tagen weiter analysieren und auf alles vorbereitet sein", sagte Köpke. Lahm prognostizierte: "Ich gehe davon aus, dass Cristiano Ronaldo gegen uns spielen wird. Für ihn ist es auch etwas Besonderes, gegen Deutschland zu spielen und mal zu gewinnen." Die letzten drei Turnierspiele gegen Deutschland verloren Ronaldo und Kollegen.

Bevor der Kraftakt gegen Portugal auf dem Programm steht, wird die DFB-Auswahl zunächst aber erst einmal am Donnerstag verfolgen, wie Gastgeber und Topfavorit Brasilien gegen Kroatien (Spielplan) aus den Startlöchern kommt. "Wir bieten den Spielern an, das Spiel gemeinsam auf einer großen Leinwand zu schauen", sagte Bierhoff. Einen Gruppenzwang gebe es im Campo Bahia aber nicht, "es kann aber jeder in Ruhe auf seinem Zimmer gucken." Hauptsache sei ohnehin, sagten Köpke und Bierhoff unisono, "dass es jetzt endlich mal losgeht". 

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