Bei seinem zuvor letzten Auftritt in Berlin an der Seitenlinie war er 2006 noch der Assistent des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann im WM-Viertelfinale gegen Argentinien, heute im Fußball-Klassiker der deutschen Nationalmannschaft gegen England (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) der mit allen Vollmachten ausgestattete Chef.

Aber nicht nur der Briefkopf von Joachim Löw hat sich seitdem verändert, auch der Bundestrainer hat sich in den 28 Monaten seiner zunächst mal bis 2010 befristeten Tätigkeit gewandelt und ist in der Außendarstellung von einem biederen Fußballlehrer zu einem knallharten Chefcoach geworden.

Energisches Auftreten

Der im Schwarzwald geborene Bundestrainer, der nach dem gewonnenen Machtkampf mit seinen aufmüpfigen Führungsspielern Michael Ballack und Torsten Frings im vergangenen Monat zwar selbst keine gravierenden Änderungen an sich und speziell seinem Führungsstil festgestellt haben will, klingt in seinen Aussagen aber energischer als je zuvor.

"Die Entscheidungen treffe ich als Trainer am Ende des Tages", sagte er mit kraftvoller Stimme vor dem letzten Länderspiel des Jahres und machte damit deutlich, dass er sich in Fragen des Personals, der Taktik oder des Umgangs von niemanden reinreden lasse. Zwar berate er sich mit seinen Co-Trainern Hansi Flick und Andreas Köpke und auch dem weiteren Mitarbeiterstab regelmäßig, doch "am Ende muss ich den Kopf hinhalten".

"Er hat sich in seiner Art nicht geändert"

Dass er durch die Vorfälle im Oktober 2008, die mit dem Aus von Kevin Kuranyi begannen und dem öffentlich ausgetragenen Disput mit Ballack und Frings ihren negativen Höhepunkt erreichten, vom lieben zum bösen Jogi mutiert sei, ist nach Ansicht von Teammanager Oliver Bierhoff aber völliger Unsinn.

"Ich kann das Gerede vom lieben Jogi und bösen Jogi nicht mehr hören. Er hat sich in seiner Art nicht geändert. Er hat bereits als Assistent eine klare Linie gehabt, und die verfolgt er auch jetzt", meinte der frühere Nationalmannschaftskapitän, der lediglich einräumte, dass der Bundestrainer nach den Erfahrungen bei der EURO den Konkurrenzkampf im Team bewusst noch einmal verschärft habe.

"Glücksfall für den deutschen Fußball"

Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger, der seinem leitenden Angestellten im Zwist mit seinem Führungspersonal immer wieder den Rücken gestärkt hatte und auch den Kurs der Verjüngung mitträgt, spricht nach wie vor von einem "Glücksfall für den deutschen Fußball" und ergänzte: "So wie Löw den Konflikt gelöst hat, konnte er sich nochmal einen Schritt weiterentwickeln."

Löw, der sich seit einigen Tagen in einem Werbespot eines Touristikunternehmens in Badehose und an Bord einer Yacht in einer Hängematte zeigt, machte auch als Krisenmanager eine gute Figur und erhielt in der Bevölkerung bei allen Umfragen breite Zustimmung für seinen Kurs.

Top-Bilanz

Sportlich kann man dem 48-Jährigen ohnehin nichts vorwerfen. Denn bereits vor dem Jahresausklang sprach die Bilanz von elf Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen, durch die sich der Vize-Europameister in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 2 hinter EURO-Champion Spanien verbessert hat, für den Bundestrainer.

"In diesem Fall sagt die Weltrangliste schon einiges aus", meinte Löw nicht ohne Stolz und verwies zudem noch mal auf die bislang erfolgreiche WM-Qualifikation mit drei Siegen und einem Remis, wodurch das DFB-Team die Europa-Gruppe 4 souverän anführt.

Kritische Töne

"Trotz dieser guten Bilanz hat mir aber längst nicht alles gefallen. Wir haben bei der EURO nicht genug Konstanz an den Tag gelegt", bilanzierte der Bundestrainer.

Nach Abschluss der Bundesliga-Saison plant Löw eine zehntägige Asienreise mit seinen WM-Kandidaten, die nicht nur sportlich, sondern auch in punkto Zusammenhalt das Team auf dem Weg zum angestrebten WM-Titel weiterbringen soll.