Hamburg - Für die polnische Nationalmannschaft ist das Freundschaftsspiel gegen Deutschland (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) richtungsweisend. Dabei geht es aber vor allem darum, der Fußball-Welt zu zeigen, dass Polen als Co-Gastgeber für die EURO 2012 in allen Belangen gerüstet ist. Denn sportlich gab es für unseren Nachbarn gegen das DFB-Team bislang noch nie etwas zu feiern.

"Das Ergebnis ist zwar wichtig, aber es ist nicht alles. Denn die Fans sind geduldig. Für Polen ist dieses Spiel eine tolle Möglichkeit, sich von der besten Seite zu zeigen. Wir spielen in einem ganz neuen Stadion in Danzig. Die Stimmung sollte Vorfreude auf die EURO 2012 machen. Ich hoffe aber auf ein gutes Fußballspiel mit einem gerechten 1:1", erklärte der ehemalige Bundesliga-Profi Tomasz Waldoch im bundesliga.de-Interview.

Der freundschaftliche Charakter könnte aber schnell in den Hintergrund treten, denn die beiden letzten Niederlagen trafen die polnische Fußballnation hart. Erst das 0:1 bei der WM 2006 in Deutschland und dann das 0:2 bei der EURO 2008, mit dem Doppeltorschützen Lukas Podolski.

"Ein besonderes Gefühl"

Für den gebürtigen Polen ist es kein Spiel wie jedes andere. "Es wird ein besonderes Gefühl sein, die polnische Hymne zu hören. Polen will zeigen, dass sie einen Großen schlagen können", meinte "Poldi" auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Spiel.

Podolskis Einsatz dürfte gegen Polen gewiss sein. Dagegen schont Bundestrainer Joachim Löw einige seiner Stammkräfte und wird nach der erfolgreichen EM-Qualifikation mit dem Spiel in Danzig anfangen, zu experimentieren.

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Statistik:

Die Statistik sieht für Polen ernüchternd aus. Alles andere als ein Sieg des DFB-Teams wäre eine Überraschung. Denn bislang hat Deutschland noch nie gegen seinen Nachbarn verloren.

16 Mal trafen die Kontrahenten aufeinander. Bei vier Remis behielt Deutschland 12 Mal die Oberhand. Das letzte Unentschieden ist auch schon lange her. In der 1. Finalrunde der WM 1978 erkämpfte sich Polen ein 0:0.


Form:

3:2 gegen Brasilien, 6:2 gegen Österreich - Deutschland hat einen Lauf. Die Ergebnisse alleine sprechen schon für sich. Imponierend ist dabei, mit welchem Selbstbewusstsein das DFB-Team seine Gegner dominiert.

Den Angriffswirbel folgten gegen Österreich zwar auch Nachlässigkeiten in der Defensive. Aber angesichts der Offensivkraft und der Überlegenheit war die sinkende Konzentration der Abwehrspieler dann nicht ganz so verwunderlich.

Die Polen sind momentan eine Wundertüte. Bundestrainer Franciszek Smuda hat seine Stammelf noch nicht gefunden. Die Ergebnisse zeigen ein wahres Leistungs-Jojo: 1:1 gegen Mexiko, 1:0 gegen Georgien, 0:1 gegen Frankreich, 2:1 gegen Argentinien.

Personal:

Das EURO-Ticket in der Tasche hat Jogi Löw nun viel Zeit, um die Spieler aus der sogenannten "zweiten Reihe" zu testen. So wird Tim Wiese für Manuel Neuer im Tor stehen. Neuer blieb ebenso in der Heimat, wie Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil.

Für Özil und Schweinsteiger rücken Mario Götze und Simon Rolfes ins Team. Auch Bremens Per Mertesacker wird von Beginn an dabei sein. Überhaupt wird die Viererkette neu aufgestellt. Christian Träsch und Jerome Boateng könnten neben Mertesacker und Philipp Lahm verteidigen.

Noch fraglich ist, ob der angeschlagene Benedikt Höwedes zum Einsatz kommen kann. Der Schalker wurde gegen Österreich zur Pause mit Adduktorenproblemen ausgewechselt und kann seitdem nur eingeschränkt trainieren.

Premiere für Perquis

Bei den Polen feiert wohl Damien Perquis seinen Einstand in der polnischen Nationalmannschaft. Der gebürtige Franzose, der drei Mal für die U21 der Equipe Tricolore aufgelaufen ist, wurde erst vergangene Woche eingebürgert und soll gleich die schwächelnde Defensive stabilisieren.

Der Dortmunder Robert Lewandowski, der gegen Mexiko noch angeschlagen zuschauen musste, wird gegen Deutschland als Sturmspitze auflaufen.


Stimmen:

Joachim Löw: "Wenn sich ein Spieler von den acht Siegen in der Qualifikation oder dem Erfolg gegen Brasilien blenden lässt, ist er bei mir falsch. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mit Siegen alleine nicht zufrieden bin. Ich will, dass wir uns weiter verbessern."

Lukas Podolski: "Ich bin in dem Land geboren, spreche mit meinen Eltern polnisch, habe in Polen eine große Familie und viele Freunde. Die freuen sich alle auf das Spiel. Es wird ein besonderes Gefühl sein, die polnische Hymne zu hören. Polen will zeigen, dass sie einen Großen schlagen können."

Miroslav Klose: "Die Polen haben eine gute Mannschaft zusammen, auch wenn nicht jeder ihrer Spieler den ganz großen Namen hat."

Toni Kroos: "Egal, in welcher Formation wir spielen, wir wollen gewinnen. Wir wollen auch nach diesem Doppelspieltag zufrieden nach Hause fahren."


Voraussichtliche Aufstellungen:

Polen: Szczesny/FC Arsenal (21 Jahre/5 Länderspiele) - Wasilewski/RSC Anderlecht (31/39), Perquis/FC Sochaux (27/0), Glowacki/Trabzonspor (32/26), Wawrzyniak/Legia Warschau (28/18) - Murawski/Lech Posen (29/34), Dudka/AJ Auxerre (27/55) - Blaszczykowski/Borussia Dortmund (25/43), Obraniak/OSC Lille (26/18), Mierzejewski/Trabzonspor (24/14) - Lewandowski/Borussia Dortmund (23/34)

Deutschland: 12 Wiese/Werder Bremen (29 Jahre/4 Länderspiele) - 15 Träsch/VfL Wolfsburg (24/8), 17 Mertesacker/FC Arsenal (26/75), 20 Boateng/Bayern München (22/14), 16 Lahm/Bayern München (27/82) - 6 Rolfes/Bayer Leverkusen (29/23), 18 Kroos/Bayern München (21/20) - 13 Müller/Bayern München (21/20) oder 9 Schürrle/Bayer Leverkusen (20/7), 19 Götze/Borussia Dortmund (19/8), 10 Podolski/1. FC Köln (26/91) - 11 Klose/Lazio Rom (33/111)

Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)