Frankfurt/Main - 57 Tage nach der Kampfansage von Philipp Lahm an Michael Ballack hat Joachim Löw die Diskussion um das Kapitänsamt in der Nationalmannschaft beendet und vor dem Start in die EM-Qualifikation zunächst für Klarheit gesorgt.

"Michael Ballack bleibt weiter Kapitän unserer Mannschaft, Philipp Lahm der Stellvertreter", sagte der Bundestrainer am Mittwoch in Frankfurt/Main und fügte hinzu: "Ich sehe Michael im Moment aber noch nicht in der Verfassung, dass er uns weiterhelfen kann, deshalb trägt Philipp bei den nächsten beiden Spielen die Binde."

Neuer bei EM-Quali im Tor

Gleichzeitig verkündete Löw, dass auf dem Weg zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine Torwart Manuel Neuer die Nummer eins ist. Der Leverkusener Rene Adler und der Bremer Tim Wiese sind gleichberechtigte Stellvertreter des Schalkers, der in Abwesenheit des verletzten Adler bei der WM in Südafrika seine Chance genutzt hat.

Die T-Frage wurde allerdings von der K-Frage völlig in den Hintergrund gedrängt.

"Ich musste nach der WM erst einmal zur Ruhe kommen, um mir dann meine Gedanken zu machen. Mir war immer klar, dass Anfang September einige Dinge entschieden werden müssen, damit wir uns wieder auf das Sportliche konzentrieren können. Zuvor wollte ich aber mit den Beteiligten persönlich sprechen, erklärte Löw. Zudem betonte der 50-Jährige, dass es nicht um "Machtdemonstration" oder sogar um eine "Demontage" von Ballack ginge.

"Er muss erst wieder seine Form finden"

Mit Ballack hat er zu Wochenbeginn knapp zwei Stunden zusammengesessen und ihm persönlich mitgeteilt, was er in den kommenden Wochen von seinem Kapitän außer Dienst erwartet. "Ich habe mit ihm offen und vertrauensvoll gesprochen. Michael hat große Verdienste um die Nationalmannschaft, aber er war drei Monate verletzt und muss erst wieder seine Form finden. Er hat eingesehen, dass er noch nicht wieder die Leistung bringt, die wir von ihm gewohnt sind. Ich habe ihm in aller Offenheit gesagt, was ich von ihm erwarte und was ich von ihm sehen will.

Im Oktober werde ich dann neu entscheiden, ob er uns weiterhelfen kann", berichtete der Bundestrainer vor der Unterredung mit dem 98-maligen Nationalspieler.

Löw setzt im Mittelfeld nun weiterhin die Konstellation im Mittelfeld, die sich in Südafrika bewährt hat: "Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira haben bei der WM meine Erwartungen voll erfüllt und sind zunächst mal auf dieser Sechser-Position gesetzt", sagte Löw: "Ein Michael Ballack in Topform ist für unsere Mannschaft eine Verstärkung. Zudem brauchen wir bei dem Qualifikations-Marathon mehr Spieler als bei einem Turnier."

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:
Neuer - Lahm, Mertesacker, Westermann, Jansen - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Klose