Nach der Fabelsaison 2008/09 herrscht zum Beginn der neuen Saison Katerstimmung bei Hertha BSC. Als Tabellenletzter zog der Verein schließlich die Reißleine und beurlaubte Trainer Lucien Favre nach dem 7. Spieltag. Der Mann, der die Berliner nun wieder auf Kurs bringen soll, ist Friedhelm Funkel.

Zwar ging sein Debüt gegen den Hamburger SV verloren, dennoch sah der 55-Jährige viele gute Ansätze seiner Mannschaft. Dies berichtet er im Interview mit bundesliga.de. Weiterhin spricht Funkel über die Gründe für sein Berlin-Engagement und die Nachteile der Länderspielpause.

bundesliga.de: Herr Funkel, willkommen zurück in der Bundesliga. Was hat Sie am Angebot, Hertha BSC trainieren zu können, gereizt?

Friedhelm Funkel: Ich habe drei Mal das Pokalfinale in Berlin auf dem Rasen erlebt: als Spieler mit Bayer Uerdingen und zwei Mal als Trainer. Die Atmosphäre im Olympiastadion ist unglaublich. Das verbunden mit einem solchen Traditionsverein und einer Mannschaft, in der mehr steckt als der Tabellenplatz aussagt, ist schon Grund genug. Dazu kommt natürlich auch die Stadt Berlin, die mehr wert ist als nur eine Reise.

bundesliga.de: Wann und wie entstand der erste Kontakt? Und wie schnell wurde man sich einig?

Funkel: Wir haben uns in einem mehrstündigen Gespräch über alle Aspekte unterhalten und dann geeinigt. Der erste Kontakt war, wie meist, telefonisch.

bundesliga.de: Ihr Bundesliga-Debüt verlief sehr unglücklich. Gab es trotz der Niederlage gegen den HSV positive Ansätze?

Funkel: Aber ja. Es war klar zu sehen, dass die Mannschaft kämpferisch und läuferisch alles versucht hat. Das ist ein sehr wichtiger Faktor, um sich aus der jetzigen Situation herauszuspielen.

bundesliga.de: Wenn ein Team nach einer starken Saison im Folgejahr plötzlich unten reinrutscht, leidet besonders das Selbstvertrauen. Dagegen helfen natürlich Siege. Wie bauen Sie die Mannschaft auf?

Funkel: Die Antwort ist einfach: arbeiten, Gespräche führen und für eine lockere aber konzentrierte Atmosphäre sorgen.

bundesliga.de: War die Länderspielpause ein Segen für Sie? Immerhin konnten Sie so der Mannschaft Ihre Philosophie ungestört näher bringen?

Funkel: Sie war sicher kein Segen, weil wichtige Spieler nicht in Berlin waren. Somit konnte ich natürlich auch nicht mit allen sprechen.

bundesliga.de: Haben Sie sich und der Mannschaft für die nähere Zukunft - zum Beispiel bis zum Ende der Hinrunde - ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Funkel: Möglichst die ein oder andere Mannschaft in der Tabelle zu überholen.

bundesliga.de: Nach der Länderspielpause geht es für die Hertha nach Nürnberg. Beide Mannschaften stehen unten drin in der Tabelle. Erwarten Sie ein sehr kampfbetontes Spiel?

Funkel: Ganz eindeutig: ja.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz