München - 1,96 Meter groß, 90 Kilo schwer - Mateo Pavlovic muss an und für sich gar nicht viel tun, um aufzufallen. Trotzdem hat Werder Bremen seinen Wintereinkauf, der mit seiner dunklen Lockenmähne sicherlich so manchen Fan an die glorreichen Tage mit Bruno Pezzey erinnern mag, erst nach intensiver Beobachtungsphase unter Vertrag genommen.

Immerhin hat der 22-Jährige, der in der Jugend von Dinamo zum Lokalrivalen NK Zagreb gewechselt war und dort unter der Regie seines Vaters Luka im November 2008 zu seinem Profidebüt kam, bereits 91 Partien in der höchsten kroatischen Liga bestritten (fünf Tore). Als U-21-Nationalspieler verfüge Pavlovic über "sehr viel Potenzial" und habe damit "gut ins Anforderungsprofil" des SVW gepasst, meinte Frank Baumann, Direktor Profifußball und Scouting - und holte den Abwehrhünen daher vom Balkan an den Weserstrand.

Die Aufgabe der neuen "Nummer 4" ist klar: Pavlovic soll die in der Hinrunde nicht immer sattelfeste Defensive der Hanseaten (29 Gegentore) stabilisieren, muss sich dafür jedoch erst einmal eine Position in der Viererkette erarbeiten - denn kampflos werden die etablierten Sokratis, Sebastian Prödl und Assani Lukimya die Plätze kaum räumen.

"Mateo wird uns verstärken"



Trainer Thomas Schaaf ist dennoch überzeugt, dass dem Rechtsfuß mittelfristig der Sprung ins Team gelingen wird. Pavlovic sei nicht nur zweikampf- und kopfballstark, sondern zudem technisch durchaus versiert, schwärmte der 51-Jährige und schob nach: "Mateo wird uns verstärken und hat, glaube ich, eine große Zukunft vor sich. Wir wollen ihm die Zeit geben, sich bei uns zurechtzufinden."

Pavlovic selbst weiß um seine Chance und will diese unbedingt nutzen. "Es war immer mein größter Wunsch, in der Bundesliga zu spielen - für Werder zu spielen", sagte der junge Mann aus Mostar, der gleichzeitig aber auch gestand, "noch sehr aufgeregt" zu sein: "Es ist ein sehr großer Schritt in die Bundesliga und für mich der erste längere Aufenthalt im Ausland, die erste Zeit weg von zuhause."

Fokus auf Fußball



Während sich andere Profis nach einem Wechsel allerdings erst einmal auf Wohnungssuche begeben und die Gegend erkunden, steht für den ehrgeizigen Pavlovic der Fußball bzw. das erste Trainingslager mit den "Grün-Weißen" bis auf weiteres absolut im Vordergrund - alles andere muss warten. "Ich möchte vom ersten Tag an zeigen, dass man auf mich setzen kann und dass ich in dieser starken Liga mithalten kann", erklärte der Kroate, dem sein neuer Kollege Zlatko Junuzovic die Integration erleichtern und anfangs auch dolmetschen soll.

Dabei ist Pavlovic seine neue Mannschaft keineswegs fremd, früher habe er die Partien nämlich häufig im TV verfolgt. Und so ist es eigentlich auch kein besonderer Zufall, dass er sich bei der Wahl der Rückennummer, nachdem seine "11" aus Zagreber Zeiten bereits vergeben war, ausgerechnet für die altehrwürdige "4" entschieden hat. Denn die trug bis zum vergangenen Sommer ein brasilianischer Verteidiger - und das bekanntlich überaus erfolgreich.

Naldo als Vorgänger und Vorbild



"Ich habe mir sehr gerne Per Mertesacker und Naldo angeschaut. Sie sind super Spieler und ich konnte mich aufgrund der Körpergröße sehr gut mit ihnen identifizieren. Wenn ich mich für einen entscheiden musste, dann fand ich Naldo immer noch einen Tick besser. Seine Größe habe ich ja schon, jetzt will ich mir auch so einen großen Namen erarbeiten", so der Youngster.

Die Frisur von Bruno Pezzey kombiniert mit der Spielweise von Naldo - wenn sich die Bremer Fans einen neuen Publikumsliebling schnitzen könnten, dann sähe er wohl in etwa so aus wie Pavlovic.

Stefan Missy