adidas-Chef Herbert Hainer spricht im Interview über die Bundesliga, deren internationalen Stellenwert und die Herausforderung, den offiziellen Ligaball zu entwerfen.

Bundesliga-Magazin: Herr Hainer, ab der Saison 2010/11 wird es in der Bundesliga erstmals einen einheitlichen Spielball geben. Sind Sie froh, dass Sie den Zuschlag erhalten haben?

Herbert Hainer: Ohne überheblich zu sein, zumal wir um den Wettbewerb nach der Ausschreibung für diesen Spielball wussten - intern lautete die Zielsetzung schon: Das muss unser Spielball sein. Deutschland hat für uns nach wie vor einen besonderen Stellenwert, das ist überhaupt keine Frage. Hier ist das Unternehmen gegründet und groß geworden, hier ist unser Stammsitz, wir haben eine exzellente Verbindung zum deutschen Fußball insgesamt, angefangen vom DFB über die einzelnen Landesverbände bis zum Profifußball mit der DFL und den Clubs.

Bundesliga-Magazin: Die für adidas positive Entscheidung besitzt also einen ganz besonderen Stellenwert, auch unter dem emotionalen Gesichtpunkt?

Hainer: Absolut. Es war für uns schon ein besonderer Anreiz, den Zuschlag für diesen Spielball zu bekommen. Deutschland ist als größte europäische Volkswirtschaft für uns natürlich sehr bedeutsam. Mit über fünfzig Prozent Marktanteil im Fußballbereich sind wir hier auch deutlicher Marktführer. Deshalb wollten wir uns diese Butter natürlich nicht vom Brot nehmen lassen.

Bundesliga-Magazin: Welche Vorteile wird der Ball der Bundesliga für den Spielbetrieb selbst bringen?

Hainer: Auch mit unterschiedlichen Bällen wird in der Bundesliga sehr attraktiver Fußball gespielt. Der Wunsch der Liga nach einem einheitlichen Ball ist unter zwei Aspekten aber sehr gut nachzuvollziehen: Zum einen die Schaffung gleicher sportlicher Voraussetzungen und natürlich auch der wirtschaftliche Gesichtspunkt. Ein Vorteil wird sein, dass die Bundesliga bei diesem Spielball auf die neuesten Technologien zurückgreifen kann, die es im Fußballbereich überhaupt gibt – genauso wie der Ball für die WM 2010 oder der Ball für die Champions und Europa League. Es ist unbestritten, dass adidas im Fußballbereich die klare Nummer eins ist.

Bundesliga-Magazin: Die Fans möchten natürlich möglichst jetzt schon wissen, wie der Ligaball aussehen wird.

Hainer: Da müssen sie sich noch einige Zeit gedulden. Im Dezember 2009 werden wir den WM-Ball und damit die neueste Technologie vorstellen. Am Design des Ligaballs wird noch gearbeitet. Abgesehen von den technischen Innovationen soll der Ball für die Bundesliga auch optisch etwas Besonderes werden.

Bundesliga-Magazin: Wie werden die Kriterien dafür festgelegt?

Hainer: In den kommenden Wochen arbeiten wir zusammen mit der DFL an einem integrierten Marketingkonzept - Produkt, Kommunikation, PR usw. Wir hatten natürlich bereits Ideen dazu entwickelt, die nach dem Zuschlag jetzt innerhalb der nächsten Wochen konkreter gefasst werden. Dazu gehören die Fragen: Wie soll der Ball aussehen? Welche Werte müssen eingebracht werden? Welche Kriterien sollen zum Beispiel bei der Farbgebung eine Rolle spielen? Und vieles mehr. Durch den Ball soll auch eine gewisse Botschaft vermittelt werden.

Bundesliga-Magazin: Aufgrund der Vereinsfarben ein möglicherweise sensibles Thema.

Hainer: Ganz bestimmt. Gelb würde automatisch Borussia Dortmund zugeordnet werden, um nur ein Beispiel zu nennen, aber der Ball soll ja nicht für eine Mannschaft gefertigt sein. Insofern muss sich unser Designteam Gedanken machen.

Bundesliga-Magazin: Wie sehen die nächsten Produktionsschritte aus? Werden zum Beispiel auch Spieler bei der Entwicklung einbezogen?

Hainer: Weil Ligaball und WM-Ball von der Technologie her gleich sein werden, befindet sich dieser Ball schon im Test - beim FC Bayern, beim FC Chelsea, beim FC Liverpool, beim AC Mailand und weiteren unserer Vereine. Dabei wird natürlich auch auf die Einbindung der Torhüter großen Wert gelegt. Nach Auswertung des Feedbacks zu den Eigenschaften werden diese Maßnahmen ausgeweitet. Wenn der Ball auf den Markt kommt, wird er ausgiebig getestet sein.

Bundesliga-Magazin: Und diesen offiziellen Ligaball kann dann auch jeder Fan und Freizeitspieler kaufen?

Hainer: Selbstverständlich. Es muss nicht verheimlicht werden, dass wir den Ligaball auch kommerziell erfolgreich machen wollen. Deshalb denken wir in allen Facetten. Zunächst wird der Ligaball ab der Saison 2010/11 für die Bundesliga und die 2. Bundesliga zur Verfügung stehen, gleichzeitig aber auch allen Amateurclubs. Theoretisch kann also vom Profifußball bis zur A-Klasse mit ein und demselben Ball gespielt werden.

Bundesliga-Magazin: Bei der Technologie eines EDV-gestützten Systems zur Torentscheidung ist Ihr Unternehmen am weitesten. Der Ball gehört dabei zum System und ist entsprechend ausgestattet. Wie bewerten Sie die Chancen einer praktischen Umsetzung?

Hainer: Tor oder nicht Tor - das kann heute nicht nur für den Ausgang eines Spiels, sondern auch in finanzieller Hinsicht entscheidend sein. Bei der von adidas zusammen mit dem Fraunhofer-Institut entwickelten Torlinientechnologie sind wir schon auf dem richtigen Weg einer Entscheidung in "Echtzeit", also ohne aufwendige Videoanalyse. Da noch kein perfektes System existiert, verstehe ich die Zurückhaltung der FIFA zur Vermeidung unnötiger Diskussionen durchaus. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass ein solches System eines Tages kommen wird.

Bundesliga-Magazin: Kritikern solcher Maßnahmen ist besonders wichtig, das Ursprüngliche des Fußballs zu belassen. Was macht für Sie das Geheimnis der Popularität aus?

Hainer: Dass Fußball ein Teamsport ist, man sich miteinander freuen und begeistern kann. Das macht den besonderen Reiz aus. Und Fußball ist gerade in Europa und in Lateinamerika tief verwurzelt in der Gesellschaft, wird von Kindesbeinen an gespielt - wie ich es selbst als Steppke gemacht habe: auf der Teerstraße, zwei Eimer links und rechts als Tore.

Bundesliga-Magazin: Zum Ende der Bundesliga-Saison die Frage nach Ihren persönlichen Eindrücken: Wer sind für Sie hier die Überraschungen?

Hainer: Der VfL Wolfsburg, weil wirklich nicht damit zu rechnen war, dass diese Mannschaft so um die Meisterschaft mitspielen würde, obwohl die Weiterentwicklung klar zu erkennen gewesen ist. Sie spielen einen klasse Fußball. Vor allem die beiden im Sturm: Edin Dzeko und Grafite sind schon eine Extranummer.

Bundesliga-Magazin: Stellen Sie bei Ihren vielfältigen internationalen Kontakten auch fest, dass der Respekt vor der Bundesliga wieder größer geworden ist?

Hainer: Es werden vor allem zwei Dinge deutlich: Es gibt immer viele Komplimente dafür, dass die Bundesliga hervorragend gemanagt und organisiert ist. Das höre ich überall, und das spricht auch für die gute Arbeit der DFL. In puncto spielerische Qualität wird die Bundesliga primär mit dem FC Bayern München gleichgesetzt, obwohl auch Werder Bremen, der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg im UEFA-Cup sehr gute Vertreter waren.

Bundesliga-Magazin: Der Saisonverlauf in der Bundesliga war von enormer Spannung gekennzeichnet - auch für Sie das prägende Merkmal der vergangenen Monate?

Hainer: Es war davon auszugehen, dass der FC Bayern um die Meisterschaft spielt, aber genau diese Spannung mit eigentlich drei Unbekannten, neben dem VfL Wolfsburg auch Hertha BSC und der VfB Stuttgart, ist doch das Faszinierende am Fußball. Es ist prickelnd für die Fans, wenn sie bis ganz zum Schluss fiebern können mit ihrem jeweiligen Club. Die fabelhafte Hinrunde der Hoffenheimer hat - trotz ihres späteren Einbruchs - ein Übriges zu einer tollen Saison beigetragen. Die außergewöhnlichen Zuschauerzahlen und die großartige Stimmung in den Stadien und auch das Interesse der Fans an den Fernsehschirmen hinzugenommen, war die Bundesliga nach meinem Dafürhalten nie attraktiver als heute.

Das Gespräch führten Alex Jacob und Michael Novak