München - Nach der ersten "freien" Woche seit langem nahm Mario Gomez am Freitagmittag entspannt Platz vor der versammelten Presse. Der Stürmer könnte sich im 34. Bundesligaspiel zwar im Fernduell gegen Klaas-Jan Huntelaar erneut die Torjägerkanone sichern, diese Trophäe rückte er selbst allerdings klar in den Hintergrund angesichts der anstehenden Highlights mit DFB-Pokalfinale und Endspiel in der Champions League.

Der 26-Jährige versicherte, dass seine Münchner die Partie beim 1. FC Köln aber natürlich "sehr seriös und mit aller Entschlossenheit angehen" werden. Ein weiteres Erfolgserlebnis sei für den Endspurt um die zwei "viel größeren Ziele" absolut wichtig. Der Angreifer zieht ein erstes Fazit der Bundesliga-Runde und blickt natürlich voraus auf das Endspiel in Berlin gegen Borussia Dortmund sowie das "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea.

Mario Gomez über...



...den Kampf um die Torjägerkanone:

"Ich will in Köln treffen und ich will das Spiel gewinnen - dann schauen wir einmal, was am Ende rauskommt. Wenn man die Torjägerkanone gewinnt, ist das wunderschön. Jeder Stürmer in der Bundesliga wäre stolz. Ich kann nicht mehr tun, als selbst zu treffen und abzuwarten. Schalke wird in Bremen auch ein paar Chancen bekommen. Es wird sehr eng. Ich war einen ganz großen Teil der Saison über vorne, seit dem letzten Spieltag bin ich der Verfolger. Das ist schade, aber kein Problem für mich. Ich hatte in den letzten Wochen oft die Möglichkeit, mir die Spiele von der Ersatzbank aus anzugucken. Aber ich habe mich nie darüber aufgeregt, weil wir viel größere Ziele haben als nur diese Kanone."

...mehr Assists seiner Mitspieler:

"Wir haben eine sehr offensivstarke Mannschaft. Letztendlich bin ich derjenige, der die Angriffe vollendet. Das werde ich auch in Köln versuchen. Aber ich werde nicht im Sechzehner stehen bleiben und die anderen Zehn rennen und schieben mir vor der Torlinie den Ball hin. Wir spielen gegen eine Mannschaft, für die es um Leben und Tod geht. Es wird nicht so einfach, dass ich sagen kann, ich schieße zwei, drei oder vier Tore."

...ungewohnte Momente auf der Ersatzbank:

"Ich hatte in der Phase, in der ich geschont wurde, nie die Kanone im Blick, sondern immer nur das Champions-League-Finale. Der Trainer hat danach gehandelt, dass wir Kraft haben für die wichtigen Spiele. Ich habe ihm zu 100 Prozent vertraut und seine Entscheidungen immer akzeptiert. Nach der verlorenen Meisterschaft war klar, dass ich meine volle Kraft auf die beiden Endspiele lege."

...den Verlauf der bisherigen Bundesliga-Runde und mögliche Schützenhilfe für die Hertha:

"Wir wollen diese Saison sauber zu Ende spielen. Wir haben insgesamt eine gute Saison gespielt, leider hat eine Mannschaft noch eine bessere gespielt, vor allem eine fantastische Rückrunde. Daher sind wir nicht zufrieden. Wir haben sieben Niederlagen kassiert, das sind zu viele. Daher sind wir verdient nicht Deutscher Meister geworden. Das Schöne ist, dass wir nächstes Jahr eine neue Chance haben. Aber wir stehen jetzt noch in der Pflicht und gehen dieses Spiel sehr seriös und mit aller Entschlossenheit an. Die Hertha muss ihr Spiel selbst gewinnen, um überhaupt noch eine Chance zu haben. Das müssen sie erst einmal schaffen. Und klar fahren wir nach Köln, um zu gewinnen."

...die erste nicht-englische Woche seit langem:

"An der Kraft mangelt es bei uns allen nicht. Das alles Entscheidende war, dass wir ein paar Tage komplett loslassen und abschalten konnten. Man hat die anstehenden Highlights natürlich vor Augen, daher tat es gut, mit Freunden und der Familie - eben mit dem engsten Kreis - andere Dinge zu unternehmen und den Kopf frei zu bekommen. An die Finals habe ich wirklich nicht gedacht, aber ich habe zum Beispiel die Partie in Madrid Revue passieren lassen. Jeder hat erzählt, wie er es erlebt hat. Die Freude und das Teilhaben vieler Freunde war etwas ganz Besonderes. Da wusste ich auch, dass es ein großes Spiel war. Das müssen wir jetzt mit einem Sieg im Finale vergolden!"

...das Pokalfinale gegen den BVB:

"Man kann nicht weg reden, dass sie die letzten vier Mal gegen uns gewonnen haben. Das wird also eine schwierige Aufgabe, denn sie scheinen sich gut auf uns einzustellen. Vier Niederlagen hören sich hart an, aber die Spiele waren ausgeglichen. Sie hatten die Qualität, diese knappen Spiele zu gewinnen. Das Pokalfinale findet auf neutralem Boden statt und es ist ein K.o.-Spiel. Es geht darum, in 90 Minuten zu gewinnen - das ist eine andere Situation. Wir sind heiß, den ersten Titel der Saison einzufahren. Wir dürfen die Partie nicht als Warm-up für das Champions-League-Finale sehen. Der Pokalsieg ist großartig. Wer einmal in Berlin war, weiß wie schön die Atmosphäre dort beim Endspiel ist. Das ist außergewöhnlich!"

...die Vertragsverlängerung von Arjen Robben und die Perspektive mit der Mannschaft:

"Ich freue mich riesig, dass ' target='_new' class='normalred'>Arjen verlängert hat. All diese Dinge, die vor allem aufkamen als er verletzt war, kannst du als Mannschaft nicht steuern. Über den FC Bayern wird von Hause aus viel spekuliert und geschrieben. Damit sind wir als Mannschaft gut umgegangen. Wir wissen, was für ein Granaten-Spieler er ist. Es hat auch bei meiner Vertragsverlängerung schon eine Rolle gespielt zu wissen, dass wir eine Mannschaft haben, die in den kommenden Jahren die Chance, weit vorne in Europa mitzuspielen. Die Perspektive ist für einen Spieler das Wichtigste.

...den Leistungsstand des FC Bayern:

"Einen Zenit kann man als Mannschaft gar nicht erreichen. Wo soll der sein? Es geht immer besser und immer erfolgreicher. Mann muss auch gar nicht über eine komplette Saison am Zenit spielen, sondern die wichtigen Spiele gewinnen. Das eine gegen Dortmund haben wir leider verloren, aber andere, wie gegen Gladbach (4:2 n.E. im Pokal-Halbfinale, Anm. d. Red.), gegen Real oder das Rückspiel gegen Basel gewonnen. Alles in allem ist die Stimmung wieder sehr positiv. Aber es bringt nur etwas, wenn wir die zwei Finals gewinnen. Wir waren vor zwei Jahren im Finale (0:2 gegen Inter Mailand im Endspiel der "Königsklasse", Anm. d. Red.) und es kotzt dich an, wenn du nicht gewinnst."

..die Chancenverteilung im Champions-League-Finale:

"Wir haben eine große Möglichkeit zu gewinnen. Der größte Vorteil ist, dass wir zuhause spielen. Man kennt jeden Meter des Platzes, wir haben dieselbe Kabine wie in der Bundesliga - das gibt uns ein gutes Gefühl. Aber es ist eben noch nichts gespielt. Egal ob Chelsea eine gute oder schlechte Saison spielt, man muss sich nur die Einzelspieler anschauen."

Vom FC Bayern berichtet Tim Tonner