Während sich das Team von Tabellenführer 1899 Hoffenheim am Dienstag zum ersten Training in dieser Woche zusammenfand, glühten beim Gegner an der Säbener Straße die Drähte heiß.

Das Telefon in der Ticketzentrale des FC Bayern München stand einfach nicht mehr still. Alleine im Verlauf des Vormittags gingen 650 Anfragen für Eintrittskarten zum Top-Spiel ein.

150.000 Ticketanfragen

Doch alle Anrufer wurden enttäuscht. Das Spiel in der 69.000 Zuschauer fassenden Allianz Arena ist bereits seit Wochen ausverkauft. "Wir hätten ohne Mühe gut 150.000 Tickets für das Spiel verkaufen können", sagte Oliver Meßthaler, Abteilungsleiter Ticketing bei den Bayern.

Eine ähnliche Entwicklung haben die Anfragen für Akkreditierungen zu dem Spiel genommen, berichtete FCB-Mediendirektor Markus Hörwick. Fast 300 Journalisten und Fotographen werden bei dem Spiel dabei sein. Die Fernsehanstalten sind in dieser Zahl noch gar nicht inbegriffen. "Ganz Deutschland schaut auf dieses Duell - und halb Europa ist auch dabei", sagte Hörwick.

Entspannte Personalsituation beim FCB

Auf dem Trainingsplatz der Münchener begrüßte Trainer Jürgen Klinsmann unterdessen zwei Wiedergenesene. Kapitän Mark van Bommel und Martin Demichelis, die beide am vergangenen Samstag in Leverkusen gefehlt hatten, kehrten auf den Platz zurück. Ein Pause legte unterdessen Mittelfeldspieler Tim Borowski ein, um seine gegen Bayer erlittene Prellung auszukurieren. Er soll aber bereits am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Somit wird Trainer Jürgen Klinsmann gegen Hoffenheim - von den Verletzten Willy Sagnol (Probleme an der Achillessehne) und Lukas Podolski (Rückenprobleme) abgesehen - aus dem Vollen schöpfen können.

Von Nationalspieler Phlipp Lahm gab es nach der Übungseinheit noch eine Kampfansage in Richtung Hoffenheim: "Wir wollen zeigen, wer ganz oben stehen muss - und das ist der FC Bayern. Wir müssen jetzt ein Zeichen setzen."

Bayern wie Bielefeld

Beim Tabellenführer reagierte man gelassen auf die Äußerungen aus München. "Die Bayern können gerne Herbstmeister werden, wenn wir Meister werden", konterte Francisco Copado.

Und auch 1899-Trainer Ralf Rangnick sieht keinen Grund, wegen der Begegnung am Freitag etwas an den bisherigen Abläufen zu ändern. "Wir bereiten uns auf Bayern vor wie auf Bielefeld", sagte der 50-jährige Fußball-Lehrer.

Blaue Schale, rotes Herz

Eine Änderung gegenüber den restlichen Partien wird es am Freitag allerdings doch geben. Peter Hofmann, Präsident von 1899 Hoffenheim, wird nicht, wie sonst üblich, seinen roten Glückspullover anziehen. Rot ist nämlich nicht nur seine Lieblingsfarbe, sondern auch die der Bayern.

Dass Hofmann ein Faible für Rot hat, hängt allerdings auch mit dem kommenden Gegner zusammen: Der Präsident ist bekennender FCB-Anhänger.

"In meiner Kindheit gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder man wurde Gladbach- oder Bayern-Fan. Ich habe mich für die Bayern entschieden", sagte er. Doch Hofmann steht mit seiner Vorliebe im Club nicht alleine da. Neben Dietmar Hopp, ebenfalls Bayern-Sympathisant, bekennt sich auch der zweite Vorsitzende Kristian Baumgärtner zum FCB. Und laut Kapitän Selim Teber war "als kleiner Junge doch jeder mal Bayern-Fan".

Gregor Nentwig