Berlin – Viele positive Aspekte gab es nicht an der 1:2-Niederlage des VfB Stuttgart bei Hertha BSC. Einer der wenigen hieß Toni Sunjic.

Der Neuzugang brachte den VfB mit seinem Kopfballtreffer zum 1:1 zurück ins Spiel. Ein Tor, auf das der lange Innenverteidiger aber gerne verzichtet hätte: "Es wäre mir lieber gewesen, wir hätten das Spiel gewonnen, als dass ich ein Tor mache", erklärte der Bosnier in bestem Englisch nach der Partie. Damit zeigte sich der 1-Meter-92-Mann gleich als echter Teamplayer. Denn dass der VfB dringend Punkte braucht, steht nach vier Niederlagen zum Liga-Auftakt fest.

Neuzugang als Soforthelfer

Das Problem des VfB: Er kassiert zu viele Gegentore, nach vier Partien sind es bereits zwölf, im Schnitt also drei pro Spiel – Ligahöchstwert! Kein Wunder, dass die Schwaben kurz vor Transferschluss in der Abwehr noch einmal nachlegten. Klarer Auftrag an Sunjic: Er soll »sofort helfen«, wie Robin Dutt bei dessen Verpflichtung betonte. "Er passt mit seiner Athletik und seiner Spielweise sehr gut zu unserer Spielkonzeption und bringt eine sehr gute Mentalität und internationale Erfahrung mit«", so der Stuttgarter Sportdirektor.

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Der 26-Jährige hatte zuletzt in allen sechs Ligaspielen bis zu seinem Wechsel in der Startformation von Kuban Krasnodar gestanden. Zu dem russischen Erstligisten war er im Juli 2014 vom ukrainischen Verein Zorya Lugansk gewechselt. Der in Mostar geborene Sunjic bestritt bislang 17 Länderspiele für Bosnien-Herzegowina, darunter zwei Partien bei der Weltmeisterschaft in Brasilien im vergangenen Jahr.

Dutt: "Er war unbelastet"

Nach der Partie in Berlin sagte Dutt über seine Neuverpflichtung: "Er war unbelastet, das hat man gesehen." Der VfB-Sportvorstand verwies darauf, "was es ausmachen kann, wenn da einer ist, der vieles wegräumt und vorne trifft". Tatsächlich war Sunjic, neben Herthas Kalou, der Spieler mit den meisten Torschüssen auf dem Platz (drei) und beeindruckte mit den meisten gewonnenen Zweikämpfen aller Spieler (23), von denen er starke 81 Prozent gewann.

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So war auch Sunjics Trainer Alexander Zorniger von dessen Präsenz angetan. "Gut am Mann, gut in den Luftduellen" hatte ihn der VfB-Coach gesehen und urteilte: "Sein Auftritt war ein lichter Moment." Was Stuttgart derzeit fehlt, vermochte aber auch Sunjic nicht zu sagen: "Wir haben hart gearbeitet und uns gut vorbereitet, aber irgend etwas fehlt."

Sunjic setzt auf die Fans

Der Bosnier blickt bereits voraus auf das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 am kommenden Sonntag: "Ich hoffe, im nächsten Spiel wird es besser und wir holen uns die drei Punkte." Das sei schließlich auch besser für die Stimmung, so Sunjic. Der WM-Teilnehmer setzt dafür auch auf das Stuttgarter Publikum: "Unser Heimfans sind toll und unterstützen uns."

Von Andre Anchuelo