Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat zum Einstand des neuen Trainers Sascha Lewandowski seine sportliche Talfahrt gestoppt und nach dem mühsamen 2:1-Heimsieg gegen Hertha BSC wieder Platz 4 in der Tabelle übernommen. Damit können die Rheinländer wieder aus eigener Kraft ihr Saisonziel - die Qualifikation zur Champions League - packen.

Selten hat ein Trainerwechsel so schnell eine Verbesserung gebracht. Es dauerte im Spiel gegen Hertha BSC nur rund 40 Sekunden bis Stefan Kießling nicht nur das schnellste Tor dieser Saison gelungen war, sondern er hatte damit auch den Weg zum ersten Heimsieg der Werkself seit zehn Wochen freigemacht.

Lewandwoskis erfolgreiches Comeback

Sascha Lewandowski, der alte und neue Coach von Bayer 04, konnte bei seinem Comeback auf der Trainerbank also praktisch das ganze Spiel über eine Führung seiner Mannschaft miterleben und dabei einige Erkenntnisse sammeln. Zum einen, dass die Mannschaft das Fußballspielen noch nicht verlernt hat und in der ersten halben Stunde wieder fast wie zu ihren besten Zeiten agierte. Zum anderen aber auch, dass die Verunsicherung trotz des flott herausgeschossenen 2:0-Vorsprungs nach dem Berliner Anschlusstor sofort wieder da war.

"Man kann nicht erwarten, dass sehr schnell sehr viele Dinge hundertprozentig stabil greifen", analysierte Lewandowski die Partie. "Wichtig war, dass Ansätze da waren. Vom Willen und der Dynamik her waren gute Sachen dabei. Wir kamen teilweise besser ins Gegenpressing, wir haben klarer aus der Grundordnung gespielt. Es ging in die richtige Richtung. Wir haben aber noch viele Baustellen in unserem Spiel, um noch stabiler zu werden."

Völler: "Daran müssen wir arbeiten"

Immerhin, der Befreiungsschlag aus der Ergebniskrise der letzten zwei Monate gelang am 54. Geburtstag von Rudi Völler. Der Sportchef von Bayer 04 freute sich nicht nur über das passende Geburtstagsgeschenk, sondern auch darüber, "dass wir Platz 4 wieder aus eigener Kraft schaffen können". Doch das Geburtstagskind sieht noch deutlich Luft nach oben. "Wir müssen jetzt noch daran arbeiten, dass wir nicht nur eine halbe Stunde gut spielen", meinte Völler.

Gegen Hertha konnte sich Leverkusen einmal mehr auf seinen Goalgetter Stefan Kießling verlassen. Der hat nach seinem 15. Saisontor sogar noch Chancen, seine Torjägerkanone aus der letzten Saison zu verteidigen. Zudem reift mit dem erst 17-jährigen Julian Brandt ein Toptalent heran. Mit seinem herrlichen Lupfer zum 2:0 setzte er das spielerische Glanzlicht an diesem Tag. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so schnell so gut läuft", freute sich der Teenager. "Nicht viele 17-Jährige spielen von Beginn an."

Torschütze Wagner hadert

Auf der Berliner Seite steht nun die achte Partie in Serie ohne eigenen Dreier zu Buche. In Leverkusen bekam der Hauptstadtverein schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Zeit nach Adrian Ramos. Der 16-Tore-Stürmer, der nach der Saison nach Dortmund wechselt, fiel in Leverkusen verletzt aus und wurde durch Sandro Wagner ersetzt. Der traf bei seinem erst zweiten Einsatz in der Startelf auf Anhieb, konnte sich über seinen Kopfballtreffer aber dennoch nicht richtig freuen.

"Wir haben uns alle dumm angestellt", haderte der 26-Jährige. "Es ist ärgerlich, wenn man in den ersten zwanzig Minuten das Spiel komplett herschenkt und den Gegner stark macht. Leverkusen war verunsichert, die Fans waren gegen die Mannschaft. Da müssen wir einfach cleverer auftreten."

In der Rückrundentabelle sind die Berliner damit auf den letzten Platz abgerutscht. Nur noch neun Punkte holte die Elf von Jos Luhukay im neuen Jahr. "Wir wollen mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen. Aber dafür müssen wir mehr als eine Schippe drauflegen", fordert Hertha-Manager Michael Preetz. Sonst ist die tolle Hinrunde der Hertha schnell wieder vergessen (alle Ergebnisse der Hertha).

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski