Köln - Dass der FC Bayern München eine bislang überragende Saison spielt, ist nicht überraschend. Der Tabellenführer der Bundesliga übertrifft sich allerdings zurzeit auch selbst - insbesondere, was die Treffsicherheit angeht. Während Trainer Pep Guardiola seine Abschieds-Tournee feiert, sind Robert Lewandowski und Thomas Müller ganz nebenbei auf historischer Rekord-Tour.

Schon nach 18 Spieltagen hat das Münchner Sturm-Duo 31 Tore auf dem Konto - genauso viel wie weiland das legendäre Zweigespann Gerd Müller und Uli Hoeneß, das in der Spielzeit 1972/73 nach 18 Spieltagen ebenfalls 31 Mal einnetzte und damit einen mehr als vierzig Jahre gültigen Rekord aufstellte.

Ausgeglichenheit ist ihre Stärke

Und genau dieser ist nun eingestellt. Lewandowski und Müller treffen in dieser Saison nach Belieben. 17 Mal schon ließ es der polnische Nationalstürmer klingeln, 14 Mal versenkte Weltmeister Müller die Kugel im Netz. Damit erzielten beide 65 Prozent der gesamten Bayern-Tore. Auffällig dabei ist vor allem die Ausgeglichenheit der beiden Ausnahme-Angreifer. Während Hoeneß (10 Tore) damals dem "Bomber der Nation" (21 Treffer) augenscheinlich den Vortritt ließ, teilen sich Lewandowski und Müller den Kuchen in gleiche Stücke auf. Es wäre kein Wunder, sollten sie am Ende der Saison die Gesamt-Ausbeute (53 Tore) von Bayern-Legende Müller (36) und Hoeneß (17) am 34. Spieltag übertreffen.

BVB weniger "abhängig" von Aubameyang & Reus

Auf den Spuren von Müller/Hoeneß sind auch die Offensiv-Säulen von Borussia Dortmund, Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus. Afrikas frisch gebackener Fußballer des Jahres (18) und sein kongenialer Partner Reus (9) liegen mit zusammen 27 Treffern aktuell zwar auf Platz 2 der Top-Duos der Bundesliga, verbuchen allerdings "nur" 54 Prozent aller schwarz-gelben Tore für sich.

Noch überlebenswichtiger für ihren Club - wenn man das auf diesem Niveau überhaupt sagen kann - als die BVB-Stars sind die Mainzer Tor-Garanten Yunus Malli und Yoshinori Muto, die mit insgesamt 15 Treffern (8/7) wie Lewandowski/Müller einen 65 prozentigen Anteil an den Toren ihres Teams haben.

Chicharito fehlt (noch) der starke Partner

In ähnlichen Sphären könnte sich auch Bayer Leverkusen mit Tor-Maschine Javier "Chicharito" Hernandez (11 Tore) bewegen, doch dem herausragenden Mexikaner fehlt (noch) der schlagkräftige Partner im Sturm. Zum Vergleich: Kollege Stefan Kießling kriegte das Runde bislang nur dreimal ins Eckige. Gemeinsam kommen sie so auf 14 Tore, was immerhin 54 Prozent aller Treffer der Werkself bedeutet.

Übrigens: Das letzte Mal, dass ein Sturm-Duo die Bundesliga in ähnlicher Weise dominierte, liegt schon mehr als dreißig Jahre zurück. In der Saison 1984/85 kam das Kölner Duo Klaus Allofs und Pierre Littbarski nach 18 Spieltagen auf 27 Tore. Am Ende wurde der 1. FC Köln Dritter - Allofs mit 26 Treffern Torschützenkönig. Meister wurden die Bayern. Deren bester Torschütze damals mit lediglich 16 Toren: Lothar Matthäus.

Manuel Lippert