München - Nach seiner Torgala wurde Robert Lewandowski zum Autogrammjäger. Als besonderes Andenken an seinen historischen Fünferpack sicherte sich der Stürmer des FC Bayern München nach dem 5:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg den Spielball und ließ seine Mitspieler darauf unterschreiben. Aber auch so bleibt dieser Abend bei den Protagonisten noch lange in Erinnerung.

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Was zwischen der 51. und 60. Spielminute passierte, ist in Worten nur schwer wiederzugeben. Der Hauptverantwortliche wählte ein einziges: "Wahnsinn!" Ergänzend fügte Lewandowski hinzu: "Manchmal bräuchtest du mehr Worte, um das beschreiben zu können."

Rekorde purzeln im Zeitraffer

Im Alleingang führte der zur Halbzeit eingewechselte polnische Nationalspieler seine Mannschaft nach dem Pausenrückstand zum Sieg. Wie im Zeitraffer purzelten dabei die Rekorde: Innerhalb von vier Minuten gelang Lewandowski der schnellste Hattrick in der Geschichte der Bundesliga, es folgte der schnellste Viererpack in sechs Minuten und schließlich der schnellste Fünferpack binnen neun Minuten.

"Das ist Wahnsinn, unglaublich und für uns super", fasste Kapitän Philipp Lahm diese historischen Minuten zusammen. "Trotzdem muss man immer kritisch bleiben und man muss ganz klar sagen, dass er dann einfach nachgelassen hat. Er hatte noch zwei Riesenchancen, und dass er nicht mit sieben nach Hause geht, ist wirklich enttäuschend", schob Lahm mit einem Augenzwinkern hinterher.

Lewandowski dürfte es verkraften, dass es mit dem sechsten Treffer nicht klappte, als Wolfsburgs Ricardo Rodriguez in der 70. Minute seinen Schuss noch von der Linie kratzte. Der technisch perfekte Seitfallzieher zum 5:1 war ohnehin der passende Schlusspunkt dieser historischen Serie. "Da läuft dann alles", sagte Sturmpartner Thomas Müller. "Der war wahnsinnig gut ausgeführt."

Guardiola staunt, Neuer schwärmt

Auch seinen Trainer versetzte Lewandowski damit in ungläubiges Staunen. Als der Ball zum 5:1 im Winkel einschlug, traute Pep Guardiola seinen Augen kaum und schlug lächelnd die Hände vors Gesicht. "Ich habe noch nie so eine Situation erlebt, weder als Trainer noch als Spieler", sagte der Bayern-Coach. "Ich kann das nicht erklären."

Dabei hatte Guardiola den späteren Rekordschützen, der beim 3:0-Sieg in Darmstadt am Samstag angeschlagen gefehlt hatte, zunächst auf der Bank gelassen. Die Einwechslung zur Pause war Gold wert, die damit verbundene, noch offensivere Ausrichtung zahlte sich aus. Die mehrfach gebrochenen Rekorde sind natürlich eine schöne Zugabe, zumal Lewandowski noch eine weitere Bestmarke aufstellte: Erstmals erzielte ein Einwechselspieler in der Bundesliga mehr als drei Tore.

Wiesn-Besuch könnte teuer werden

"Das war ein tolles Erlebnis. Lewandowski hat Fußball-Geschichte geschrieben", sagte Manuel Neuer. Und Abwehrspieler Jerome Boateng ergänzte: "Er ist einer der besten Angreifer der Welt, und ich bin froh, dass er in meiner Mannschaft spielt." Ganz nebenbei versüßte Lewandowski damit nicht nur den Fans des FC Bayern den Besuch auf dem Oktoberfest, sondern baute auch die Münchner Bilanz auf neun Siege in den letzten neun Pflichtspielen während der Wiesn aus.

Gefeiert wird aber erst am kommenden Mittwoch. Beim traditionellen Oktoberfestbesuch des Rekordmeisters dürfte Lewandowski nach seinem Fünferpack bestimmt für die eine oder andere Runde aufkommen müssen. "Da sind ja noch zwei Spiele dazwischen, bevor wir aufs Oktoberfest gehen. Mal schauen, was er in den Spielen noch macht", sagte Lahm. "Er hat die Messlatte sehr hoch gelegt."

Lewandowski selbst ließ sich nicht entlocken, ob er für seine Teamkollegen etwas springen lässt. Stattdessen blickte der 27-Jährige bereits auf die kommenden sportlichen Aufgaben beim 1. FSV Mainz 05 und gegen Dinamo Zagreb: "Wir haben am Samstag das nächste Spiel. Dazu haben wir in der nächsten Woche ein sehr wichtiges Spiel in der Champions League. Wir müssen einfach weiter fokussiert bleiben und weiter Gas geben." Der Hunger auf weitere Rekorde ist offenbar noch lange nicht gestillt.

Aus München berichtet Maximilian Lotz