Leverkusen - So langsam purzelt bei Bayer 04 Leverkusen ein Vereinsrekord nach dem anderen. Der lockere 4:0-Heimsieg gegen den völlig überforderten Abstiegskandidaten Hannover 96 war der siebte Erfolg der Rheinländer in Serie und bedeutete die Egalisierung des 14 Jahre alten Vereinsrekords.

Letzte Woche konnte sich Bernd Leno feiern lassen. Der Torwart hatte seinen Kasten 527 Minuten sauber gehalten und damit die über 30 Jahre alte vereinsinterne Bestmarke von Rüdiger Vollborn übertroffen. An diesem Wochenende nun blieb Leno zum 14. Mal in dieser Saison ohne Gegentor, ebenfalls Rekord. Sieben Siege am Stück sind Bestwert und auch die zuvor 158 vergeblichen Anläufe, einen Treffer nach einem Eckball zu erzielen, sind zumindest rekordverdächtig. Auch diese Misere konnte nun dank Ömer Toprak zu den Akten gelegt werden.

Rolfes: "Mehr Spielfluss in den eigenen Reihen"

Der Leverkusener Innenverteidiger nickte nach 20 Minuten eine Hereingabe von Hakan Calhanoglu zum Führungstreffer ins Netz, danach hatte die Werkself leichtes Spiel. Wie schon gegen die gleichfalls gefährdeten Teams aus Stuttgart und Hamburg zuvor schenkte Leverkusen auch den Niedersachsen drei weitere Tore zum nächsten glatten 4:0-Heimerfolg ein. Angesichts der schwachen Gegner könnte mancher Haarindersuppesucher die wahre Stärke von Bayer 04 in Zweifel ziehen. Aber gerade gegen diese Kontrahenten hatte Leverkusen in der Hinrunde viele Punkte völlig unnötig liegen lassen. Das ist nun in der Rückrunde anders.

"Es war am Ende einfach, weil wir es gut gemacht haben", lobte Kapitän Simon Rolfes die neue Mentalität der Mannschaft. "Wir waren in jeder Situation hellwach und haben als Mannschaft so eine große Stärke, dass es eine klare Sache wurde. Wir waren vom Kopf und der Mentalität in jeder Sekunde da. Das ist der Unterschied zur Hinserie, als wir Spiele, in denen wir überlegen waren, nicht überlegen im Ergebnis gestaltet haben."

Am Ende beließen es die Rheinländer auch gegen Hannover bei einem gnädigen 4:0, was die Überlegenheit in der einseitigen Partie noch nicht einmal adäquat widerspiegelt. "Wir spielen die Situationen besser aus und sind vor dem Tor ruhiger. Das drückt sich in einer besseren Torquote aus", analysiert Rolfes. "Wir spielen ein bisschen kontrollierter, aber nicht weniger gefährlich. Wir haben mehr Spielfluss in den eigenen Reihen und eine geringere Fehlpassquote. Dadurch sind wir dominanter."

M'Gladbach vorerst überholt

Die letzten sieben Gegner, darunter allerdings auch sechs Abstiegskandidaten, waren mit der neuen kontrollierten Offensive der Elf von Roger Schmidt hoffnungslos überfordert. Dank der beeindruckenden Siegesserie schob sich Bayer Leverkusen für den Moment dank der besseren Tordifferenz vor Borussia Mönchengladbach auf Platz 3, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt.

Fünf Spieltage vor Saisonende liefern sich die beiden rheinischen Rivalen ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Teams sind derzeit in Topform, lange ungeschlagen und weit weg von der Konkurrenz dahinter. Und beide Clubs haben auch noch ein anspruchsvolles Restprogamm vor der Brust.

Derby gegen Köln steht an

Derzeit sieht es danach aus, dass die Entscheidung um Platz 3 im direkten Duell am 32. Spieltag fallen könnte. Dann gastiert Leverkusen im Borussia-Park, in dem der Werksclub allerdings seit zwei Jahrzehnten nicht mehr verloren hat. Vor dem Topspiel steht aber erst einmal ein anderes rheinisches Derby im Fokus, die Partie beim 1. FC Köln am kommenden Samstag.

Die Fans des Aufsteigers stecken allerdings in dem Dilemma, dass sie mit einem Sieg gegen Leverkusen, dem einen rheinischen Rivalen, dem anderen (Borussia Mönchengladbach), noch ein Ticken unbeliebteren in die Karten spielen würden.

Bayer Leverkusen kann das egal sein. "Ein Derby ist immer ein schönes Spiel", freut sich der gegen Hannover wieder einmal überragende Youngster Julian Brandt auf sein erstes Nachbarschaftsduell in der Domstadt. "Unsere Fans sehen uns in keinem Spiel lieber siegen als gegen Köln. Es wäre doppelt gut, gerade dort einen neuen Rekord aufzustellen." Der wäre bei Sieg Nummer acht fällig. Mehr Motivation kann es für Leverkusen kaum geben.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski