Leverkusen - Vier Tage vor dem wichtigen Champions League-Play-off-Hinspiel bei Lazio Rom präsentierte sich Bayer 04 Leverkusen zum Bundesliga-Start in guter Verfassung. Die Rheinländer besiegten die TSG 1899 Hoffenheim hochverdient mit 2:1 und ließen sich dabei auch von einem frühen Gegentor nicht beirren.

Am Anfang stotterte der Motor noch etwas, doch dann drückte die Werkself aufs Gaspedal, nahm Fahrt auf und erspielte sich eine hochkarätige Torchance nach der anderen. "Nach dem frühen Gegentor hatten wir ein paar Probleme und waren geschockt", meinte Rückkehrer Christoph Kramer. "Aber dann haben wir mit Power und Wucht dagegen gehalten und verdient gewonnen."

Die Zahlen belegen das eindrucksvoll, Leverkusen war in allen Belangen überlegen: 25:6-Torschüsse, 13:5-Ecken, 57 Prozent Ballbesitz, 74 Prozent Passgenauigkeit. Der Ball lief zum Auftakt schon sehr ordentlich durch die Reihen der Elf von Roger Schmidt, der mit der Einwechslung von Admir Mehmedi und Julian Brandt zudem ein glückliches Händchen bewies. Nach einer tollen Kombination der beiden schoss der Youngster Brandt zwanzig Minuten vor dem Abpfiff das Siegtor.

Mehmedi kann wichtiger Baustein werden

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Nach dem Abpfiff staunte Mehmedi nicht schlecht, als die Mannschaft noch zu einigen Sprintübungen auf den Rasen der BayArena gebeten wurde. "Das kannte ich noch gar nicht, in Freiburg sind wir nach den Spielen immer Fahrrad gefahren", meinte der Schweizer, der noch zu einem ganz wichtigen Baustein in der Mannschaft von Bayer 04 werden kann.

"Der Start gibt uns Selbstvertrauen auch für Dienstag. Aber bei Lazio Rom erwartet uns eine Herkulesaufgabe", blickte Admir Mehmedi voraus. Leverkusen geht mit dem kleinen Vorteil in die richtungsweisenden Partien gegen den Vorjahres-Dritten der Serie A, bereits zwei Pflichtspiele in Meisterschaft und Pokal erfolgreich absolviert zu haben. Die Italiener starten dagegen erst am kommenden Wochenende in die Saison.

Vorfreude auf Lazio

Mit einigem Stirnrunzeln haben die Werkskicker zudem registriert, dass Leverkusen in den italienischen Medien als "Glückslos" bezeichnet wurde. Schließlich sind die Rheinländer noch nie in den Play-offs gescheitert und zuletzt auch dreimal hintereinander ins Achtelfinale der Königsklasse eingezogen.

Hinzu kommt, dass die Bundesliga der Serie A in Sachen Tempo überlegen sein dürfte. Darauf angesprochen, sah sich Christoph Kramer zu Scherzen aufgelegt. "Dann bin ich einer der Italiener, ich bin auch nicht der Schnellste", lachte der Weltmeister. "Zumindest läuft mir dann keiner weg. Wir werden uns intensiv mit dem Gegner beschäftigen. Lazio Rom gegen Bayer Leverkusen ist sicherlich kein typisches Play-off-Spiel, es fühlt sich eher nach Achtelfinale an. Wir wissen, was auf uns zukommen wird. Ich freue mich auf zwei schöne Spiele."

Kramer fügt sich nahtlos ein

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Kramer fügte sich bei seinem Debüt im Bayer-Dress nahtlos ein ins Leverkusener Spiel und sorgte dafür, dass die Rheinländer im Mittelfeld die entscheidenden Zweikämpfe gegen eine mit zunehmender Spieldauer überforderte Hoffenheimer Elf gewannen. Er war neben Innenverteidiger Jonathan Tah der einzige Neuzugang, der den Sprung in die Startelf geschafft hatte.

Ansonsten hatte sich im Spiel des Vorjahres-Vierten nicht viel geändert. Wie in den letzten drei Jahren auch gelang Stefan Kießling erneut am Premierenspieltag einer neuen Saison ein Treffer. Damit hat er nun einen neuen Rekord aufgestellt. Denn an vier ersten Spieltagen einer Saison in Folge hat zuvor noch niemand geknipst.

Seine Freude darüber hielt sich aber in Grenzen. "Am Ende der Karriere, wenn man alles Revue passieren lässt, freue ich mich sicher mehr darüber als jetzt.", meinte der dienstälteste Bayer-Profi, der den Fokus auch direkt auf Lazio Rom richtete. "Da erwartet uns ein hartes Stück Arbeit", sagte Kießling. "Aber wir wollen unbedingt in die Champions League." Die Chancen stehen nicht schlecht.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski