Bayer Leverkusen bleibt in der Bundesliga das Maß aller Dinge. Nach anfänglichen Schwierigkeiten überrollte die "Werkself" den VfB Stuttgart problemlos mit 4:0. Damit führt die Elf von Trainer Jupp Heynckes die Tabelle seit dem 7. Spieltag ununterbrochen und mit jetzt wieder drei Punkten Vorsprung auf Werder Bremen an.

Die Rheinländer beeindrucken mit einer unglaublichen Konstanz und setzen weiter Bestmarken: Bayer ist als einziges Team auch nach 14 Spieltagen ungeschlagen, hat die meisten Siege eingefahren, übrigens auch die meisten Unentschieden, weist die beste Tordifferenz auf, ist jetzt auch erstmals beste Heimmannschaft, hat mit Stefan Kießling (zwölf Treffer) den besten Torjäger in ihren Reihen und verfügt über die beste Abwehr (erst neun Gegentore) der Liga.

Heynckes auf Happels Spuren

Souverän dirigiert Jupp Heynckes seine Truppe durch die Saison, die abgesehen vom Pokal-K.o. in der 2. Runde in Kaiserslautern makellos verlaufen ist. Bayer Leverkusen könnte erst die dritte Mannschaft der 46-jährigen Bundesliga-Geschichte sein, die eine komplette Hinrunde unbesiegt übersteht.

Zuvor war dies in der Saison 1982/83 dem HSV (unter Ernst Happel) und 1988/89 Bayern München gelungen. Der Münchener Trainer damals hieß übrigens Jupp Heynckes. Beide Vereine wurden später Meister, Heynckes blieb damals als Coach saisonübergreifend sogar 27 Spiele ungeschlagen.

Die Bayer-Tormaschine läuft

Soweit ist Bayer Leverkusen noch lange nicht. Aber die Art und Weise wie die Mannschaft in den letzten Wochen auftritt, verdiente schon so manches Mal das Prädikat "meisterlich". Wenn die Bayer-Maschine ans Laufen kommt, kann sie momentan nichts und niemand aufhalten. Drei der letzten vier Heimspiele gewann Leverkusen mit 4:0. Und damit waren sowohl Nürnberg, als auch Frankfurt und jetzt der VfB Stuttgart noch gut bedient.

Dennoch wird weiter fleißig tief gestapelt. Man wolle von Spiel zu Spiel denken (also nacheinander an Hannover 96, Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach), die Herbstmeisterschaft oder gar der Titel seien kein Thema. "Wir denken nicht an die Meisterschaft. Wir haben erst den 14. Spieltag, noch zwanzig Spiele zu spielen und nur drei Punkte Vorsprung. Das ist kein Polster", sagte der gegen Stuttgart einmal mehr überragende Toni Kroos.

Keine Rede von der Meisterschaft

"Unser Ziel muss es sein, die kommenden Spiele zu gewinnen und so viele Punkte wie möglich zu holen", meinte der 19-jährige Spielgestalter weiter: "Klar ist, wenn wir oben stehen, wollen wir auch versuchen die Spitze zu verteidigen. Wir sind aber realistisch genug, um nicht von der Meisterschaft zu reden."

Kroos trumpft seit Wochen groß auf, glänzte gegen die Schwaben als Vorbereiter von zweieinhalb Toren und hatte mit zwei Pfostenschüssen auch noch Pech. "Er hat sein bestes Spiel für uns gemacht", bescheinigte Heynckes seinen Youngster.

Helmes gibt wieder "Vollgas"

Auch der Dreifach-Torschütze Stefan Kießling bekam ein Sonderlob vom Trainer: "Über Stefan braucht man nicht mehr viel zu sagen. Er spielt seit Wochen überragend und ist zurzeit der beste deutsche Stürmer." Da passt es gut in die derzeit rundum heile Bayer-Welt, dass auch noch der Langzeit-Verletzte Patrick Helmes wieder einsatzbereit ist und zu einem Kurzeinsatz kam.

"Ich bin noch nicht bei 100 Prozent", sagte Helmes, der gegen Stuttgart zwei Minuten auf dem Rasen stand: "Aber ich werde jetzt in jedem Training Vollgas geben. Mir fehlt die Spielpraxis, und das ist das A und O." Der 25-Jährige dürfte behutsam aufgebaut werden, um in der Rückrunde den Konkurrenzkampf im Sturm richtig zu schüren.

Knifflige Personalentscheidungen

Vielleicht könnte der Kampf um die Plätze im neuen Jahr sogar zu einem Problem werden. Denn über weite Strecken der Vorrunde stellte sich die Bayer-Mannschaft wegen der vielen Verletzten (u.a. Renato Augusto, Simon Rolfes, Patrick Helmes, Michal Kadlec) beinahe von selbst auf. Spieler wie Daniel Schwaab, Stefan Reinartz, Toni Kroos oder Eren Derdiyok verrichteten einen Superjob.

Wenn die etablierten Stars alle wieder fit sind, muss Jupp Heynckes einige knifflige Personalentscheidungen treffen. Da wird es Härtefälle und unzufriedene Gesichter geben. Aber der Coach ist erfahren genug, um sein Ensemble bei Laune zu halten. Wie damals, 1989, als Heynckes seine erste Meisterschaft mit den Bayern feierte und auch den von Christoph Daum initiierten Psychokrieg unbeschadet überstand. Dem Altmeister macht keiner mehr etwas vor.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski