Zusammenfassung

  • Goretzka erkämpft sich mit Schalke trotz langer Zeit in Unterzahl ein Remis gegen Gladbach.

  • Der Nationalspieler will sich von S04 mit dem Einzug in die Champions League verabschieden.

  • "Wir wollen jetzt den letzten Schritt gehen."

Gelsenkirchen - Für den FC Schalke 04 bedeutete das 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach einen Punkt der Moral, nachdem Königsblau wegen eines Platzverweises fast 80 Minuten mit zehn Mann spielte. Trotzdem war mehr drin, meint Leon Goretzka. Im Interview spricht der Mittelfeldmann über Torchancen und Taktik, Gänsehaut-Atmosphäre und Träume sowie seinen bevorstehenden Abschied.

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Frage: Herr Goretzka, Schalke musste schon ab der 12. Minute mit zehn Spielern auskommen. Was bedeutete der Platzverweis für das S04-Spiel?

Leon Goretzka: Wir brauchten etwas Zeit, um das zu verdauen und haben versucht, uns irgendwie in die Halbzeit zu schleppen. Da haben wir unseren Plan neu besprochen. Wir haben den Vorteil, einen Trainer zu haben, der dir dann auch taktisch einen guten Plan an die Hand geben kann. Das hat man dann auch gesehen. Am Ende kann man von einem glücklichen Punkt für Gladbach sprechen – so absurd das klingen mag.

Frage: Warum hätte der Sieger Schalke heißen sollen?

Goretzka: Wir hatten die besseren Torchancen und auch die größere Anzahl an Chancen. Natürlich musst du irgendwo auch zufrieden sein, wenn du so lange in Unterzahl spielst und einen Punkt mitnimmst. Aber hätten wir in der Defensive ein bisschen weniger laufen müssen, hätten wir vorne vielleicht einen kühleren Kopf gehabt.

Frage: Man hatte den Eindruck, dass in Unterzahl jeder Spieler nochmal ein paar Prozent mehr gegeben hat.

Goretzka: Das Phänomen kennt man ja, dass oft nach einer Roten Karte nochmal Kräfte freigesetzt werden. Alle haben alles rausgeholt, was drin war.

Wenn ich im Bett liege, werde ich meine Torchance noch ein paarmal vor Augen haben.

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Frage: Welche Rolle spielte die Unterstützung von den Rängen?

Goretzka: Die Stimmung im Stadion war wieder grandios. Das ist Gold wert, gerade dann, wenn du einer weniger bist und so viel laufen musst. Es setzt nochmal Kräfte frei, auch wenn du denkst, dein Tank ist leer. Dann bekommst du wieder eine Gänsehaut und kannst nochmal einen Sprint anziehen. Das war sicher wichtig für uns und hat ein Stück weit auch die Unterzahl ausgeglichen.

Frage: Sie selbst hatten sogar noch eine sehr gute Chance zum Siegtor.

Goretzka: Wenn ich im Bett liege, werde ich die Szene noch ein paarmal vor Augen haben. Das war ärgerlich, ich hätte unheimlich gerne ein Tor gemacht. Ein Stück weit war die Zeit gekommen für mich, aber die Ballannahme war nicht optimal.

Frage: War die Partie gegen Gladbach seit Ihrem feststehenden Wechsel zu den Bayern vielleicht Ihr bestes Spiel?

Goretzka: Das habe ich nicht zu beurteilen. Ich habe meine Leistung immer besser gesehen als sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Vielleicht ist der eine oder andere auch nicht mehr in der Lage, das objektiv zu betrachten. Aber das ist für mich auch kein Problem.

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"Ich möchte mich vernünftig verabschieden"

Frage: Es war Ihr vorletztes Heimspiel. War da schon eine Spur von Wehmut mit im Spiel?

Goretzka: Ich muss zugeben, dass ich unter der Woche ein paarmal darüber nachgedacht habe. Ich habe mit meinem Vater darüber gesprochen, der mir nahe gelegt hat, es einfach zu genießen, Spaß zu haben und alles reinzuhauen. Das habe ich versucht. Ich konnte es auch genießen, aber es ist umso ärgerlicher, dass ich das Tor nicht gemacht habe.

Frage: Wird es vor dem letzten Saisonspiel eine große Verabschiedung geben?

Goretzka: Ich möchte mich auf jeden Fall vernünftig verabschieden. Ich weiß, dass es Fans im Stadion gibt, die es jetzt nicht mehr erwarten können, dass ich gehe. Aber ich habe auch zu 100 Prozent das Gefühl, dass sehr viele dabei sind, die sich von mir auch vernünftig verabschieden wollen. Ich möchte betonen, dass mich das auch ein Stück weit stolz macht und sehr freut. Ich habe unheimlich viel positives Feedback bekommen, auch im Training. Die Menschen wünschen mir Glück. Das zeigt, dass ich hier eine wunderschöne Zeit hatte. Und es zeigt auch die Größe der Schalke-Fans.

Frage: Durch Leverkusens Niederlage hat Schalke jetzt sechs Zähler Vorsprung auf Rang fünf. Ein Punkt reicht also für die Champions League.

Goretzka: Wir haben so viel gearbeitet dieses Jahr. Diesen Traum, den wir hatten, den werden wir uns nicht mehr nehmen lassen. Ich sage bewusst Traum und nicht Ziel. Zum Ziel hat sich das erst im Laufe der Saison entwickelt. Wir wollen jetzt den letzten Schritt auch noch gehen. Das hat man gegen Gladbach gesehen. Wir haben in Unterzahl fast auf Sieg gespielt. Wenn wir diese Leistung weiter abrufen, mit derselben Leidenschaft und demselben Einsatz, dann schaffen wir das auch.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte