Zusammenfassung

  • Schalkes Leon Goretzka trifft beim 1:1 gegen Leverkusen per Freistoß

  • Der Spielmacher hadert mit seiner vergebenen Großchance in der 56. Minute

  • Goretzka: "Wir haben wieder einen Schritt nach vorne gemacht"

Gelsenkirchen - Am Ende hat es für den FC Schalke 04 beim 1:1 gegen Bayer 04 Leverkusen zwar nicht für den erhofften Heimsieg gereicht, aber der direkt verwandelte Freistoß von Leon Goretzka war trotzdem aller Ehren wert. Im Interview nach der Partie verriet der Nationalspieler, wem er sein Traumtor zu verdanken hat und warum er mit der Schalker Zwischenbilanz nach sieben Spielen gar nicht so unzufrieden ist.

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Frage: Leon Goretzka, wie muss man das Unentschieden gegen Leverkusen einordnen? Ist es zu wenig für die Schalker Ansprüche?

Leon Goretzka: Es fühlt sich eher an wie zwei verlorene Punkte. Wir sind erneut in Führung gegangen und haben es dann nicht geschafft, das zweite Tor zu schießen. Da muss ich mir natürlich auch an die eigene Nase packen. Den Ball nach 56 Minuten muss ich natürlich machen – auch wenn es von außen vielleicht einfacher aussah, als es war.

Frage: Was war so schwierig in dieser Situation, als Sie den Ball aus kurzer Entfernung über den Querbalken gejagt haben statt ins Tor?

Goretzka: Ich bin vorher in eine Drehung gekommen und habe ein bisschen die Orientierung verloren. Hätte ich vor dem Tor die Ruhe wie ein Guido Burgstaller, dann hätte ich den Ball mit der Innenseite einfach reingeschoben. Aber da bin ich dann ein bisschen in Hektik verfallen, obwohl diese Chance mit Sicherheit einfacher war als der Freistoß. Richtig ärgerlich ist am Ende, dass wir so dem Gegner die Gelegenheit gegeben haben, mit einem glücklichen, abgefälschten Tor einen Punkt mitzunehmen.

"Man muss schon zugeben, dass es bei uns eine kleine Diskussion gab, wer schießen darf. Ich habe aber auch vehement darauf bestanden."

Frage: Bei Ihrem Freistoßtreffer schien Leverkusen überrascht, dass Sie geschossen haben. Es standen einige Spieler zur Ausführung bereit. War das vorher als Finte so abgesprochen?

Goretzka: Man muss schon zugeben, dass es bei uns eine kleine Diskussion gab, wer schießen darf. Wir haben in der Woche eine Trainingseinheit genutzt, um an den Freistößen zu arbeiten.  Und da haben es mehrere Spieler sehr gut gemacht. Wenn wir in dieser Saison noch ein paar Freistöße bekommen, mache ich mir keine Sorgen.  Da waren schon viele Tore dabei, und entsprechend schwierig war gegen Leverkusen auch die Auswahl des Schützen. Ich muss mich bei Naldo bedanken, der sich in der Diskussion sehr präsent gezeigt und gesagt hat, dass ich schießen darf. Ich habe aber auch vehement darauf bestanden, dass ich es machen darf. Ich habe auch ganz klar gesagt, ich hau‘ ihn rein. Schön, dass es dann auch geklappt hat und wir uns dafür belohnt haben.

© gettyimages / Maja Hitij

Frage: Schalke ist in dieser Saison auffällig stärker nach Standardsituationen als noch in der vergangenen Spielzeit – alles eine Frage des Trainings?

Goretzka: Wir haben Spieler, die bei Ecken sehr kopfballstark sind und wir haben Spieler, die die Standards sehr genau treten können. Ich bin eher verwundert, dass wir in der letzten Saison daraus so wenig gemacht haben. Wir trainieren die Standards natürlich, aber das haben wir in der Vorsaison auch gemacht. Insofern weiß ich nicht, ob es am Training liegt. Aber es ist auf jeden Fall ein schöner Effekt, der in der Tat schon auffällig ist.

Frage: Mit welchem Gefühl gehen Sie jetzt in die Länderspielpause?

Goretzka: Zehn Punkte aus sieben Spielen, das klingt erstmal nicht so toll. Aber man kann das ein bisschen relativieren, wenn man sich ansieht, gegen wen wir gespielt haben.  Das ist schon ein anspruchsvolles Auftaktprogramm gewesen. Und wir haben auch immer wieder betont, dass es uns am wichtigsten ist, wie die Entwicklung der Mannschaft verläuft. Gegen Leverkusen haben wir in dieser Hinsicht wieder einen Schritt nach vorne gemacht.

"Das Tedesco-Spiel ist übrigens nicht nur auf Konter ausgelegt, wir wollen vielmehr die Spielkontrolle haben."

Frage: Was meinen Sie damit konkret?

Goretzka: Wir setzen den Plan des Trainers um. Wir haben in der Woche vor dem Spiel wieder Themen angesprochen, die wir besser machen wollen. Das haben wir in der Anfangsphase zwar nicht gut umgesetzt, als es Leverkusen geschafft hat, uns hinten hinein zu drücken. Und das Tedesco-Spiel ist übrigens nicht nur auf Konter ausgelegt, wir wollen vielmehr die Spielkontrolle haben. Das haben wir gegen Hoffenheim gut gemacht und nach der ersten Viertelstunde dann auch jetzt gegen Leverkusen. Wir haben uns Chancen herausgearbeitet, die wir demnächst einfach nutzen müssen. Schießen wir hier zuhause das zweite Tor, ist Leverkusen stark geknickt und wird nicht nochmal zurückkommen.

Video: Goretzka - Antreiber, Techniker, Vollstrecker

Frage: Woran muss Schalke jetzt vor allem noch arbeiten? Woran fehlt es zurzeit noch?

Goretzka: Wir können uns in allen Bereichen noch verbessern, das haben auch die letzten beiden Spiele gezeigt. Da haben wir eine sehr gute Leistung gezeigt, haben uns dafür aber nicht belohnt. Trotzdem tut es gut, dass wir nach dem negativen Ergebnistrend mit zwei Niederlagen gegen die Bayern und in Hoffenheim jetzt wenigstens mit einem Punkt in die Pause gehen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte