Gelsenkirchen - Als Leon Goretzka nach acht Monaten Pause gegen die TSG 1899 Hoffenheim endlich wieder Bundesligaluft schnuppern durfte, begrüßte ihn auf Schalke von den Rängen ein wahrer Jubelorkan. Das sagt nicht nur vieles über seine Sympathiewerte aus, sondern auch einiges über seinen Stellenwert. Mit Goretzka ist vor dem Spiel bei Real Madrid einer jener Fußballer ins Schalker Team zurückgekehrt, der auch im lange brachliegenden Offensivspiel ein Plus an Qualität ausmachen kann.

Leon Goretzka selbst war es fast unheimlich, mit welcher Begeisterung die Fans ihn bei seiner Einwechselung begrüßt hatten. "Das war etwas ganz, ganz Besonderes", war er auch nach der Partie kaum aus dem Staunen heraus gekommen. Acht lange Monate hatte er zuschauen müssen, in dieser Saison aufgrund eines doppelten Muskelbündelrisses und immer neuer Komplikationen noch nicht ein Spiel bestreiten können.

"Es war keine einfache Zeit"

Entsprechend groß war die Erleichterung nach dem Abpfiff. "Es war keine einfache Zeit, weil ich zwischenzeitlich in meinem Kopf nah am Comeback war, aber immer wieder zurückgeworfen wurde", blickte der 20-Jährige zurück. "Jetzt kann ich damit abschließen. Das fühlt sich sehr, sehr gut an. Ich freue mich riesig."

Diese Freude beruht ganz offenbar auf Gegenseitigkeit. Nicht nur die Anhänger, auch die Mitspieler sind erleichtert, den hoch talentierten Goretzka wieder in der Mannschaft zu wissen. Vor allem Max Meyer machte daraus keinen Hehl: "Ich bin froh, dass Leon wieder dabei ist. Er ist ein sehr guter Freund, mein bester in der Mannschaft. Ich habe auch mit ihm mit gelitten. Acht Monate sind eine verdammt lange Zeit. Ich bin glücklich, dass er wieder dabei ist. Und ich denke, wir harmonieren auf dem Platz auch ganz gut zusammen."

Mit konstant guten Leistungen bis in die Nationalelf

Goretzka und Meyer, der der Schalker Offensive gerade erst wieder ein Gesicht gegeben hat, künftig Seite an Seite - eine Vorstellung, die tatsächlich verlockend klingt. Oft hatte Roberto Di Matteo in den letzten Wochen darauf verwiesen, wie beschränkt seine auch taktischen Möglichkeiten aufgrund vieler Verletzungen und des langfristigen Ausfalls etlicher Spieler sind. Mit Schalkes Nummer acht ist nun ein Mittelfeldakteur zurückgekehrt, der sich mit seinen konstant guten Leistungen in der vergangenen Rückrunde sogar bis in die Nationalmannschaft gespielt und geschossen hatte.

Der gebürtige Bochumer ist dabei im Mittelfeld vielseitig einsetzbar, auch wenn seine Lieblingsposition die acht ist. Goretzka kann zentral oder auf den Außenbahnen spielen. Übersicht, Spielverständnis und Dynamik paart er mit Technik und Torgefahr - allesamt Tugenden, die Schalkes Spiel nur gut tun können. Bei seinem Comeback in Schalkes U23 hatte er vor einigen Tagen gleich einen Treffer aufgelegt - per Hacke.

Highlight-Spiel in Madrid

Man kann sich gut vorstellen, dass Goretzkas Fähigkeiten seinem Club auch am Dienstag im Rückspiel der Champions League bei Real Madrid gut zu Gesicht stehen würden. Ein Einsatz in der Startelf erscheint indes auch dem jungen Hoffnungsträger selbst noch zu früh: "Selbstverständlich möchte ich bald wieder von Anfang an spielen. Die halbe Stunde gegen Hoffenheim hat mir richtig gut getan. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich noch ein paar Prozent aufholen muss. Ich werde mir über Kurzeinsätze die Luft holen, das geht nicht im Training."

Eine Einwechselung dürfte es nach Goretzkas Willen dann aber schon gerne sein im ehrwürdigen Estadio Santiago Bernabeu. Denn die Partie selbst ordnet auch er trotz der 0:2-Niederlage im Hinspiel als Highlight eines Fußballerlebens ein: "Es ist ein besonderes Spiel für uns alle - mit einem besonderen Gegner und einem tollen Stadion. Vor einem Jahr haben wir bis auf die letzte Viertelstunde ein Superspiel gemacht. Das werden wir wieder versuchen."

Dietmar Nolte