London - Da lächelte David Luiz, Chelseas Torschütze zum 1:0. Danach gefragt, was er denn über die Leistung des Leverkusener Torhüters denke, hob der Portugiese nach dem Schlusspfiff nur den Daumen, nickte mit dem Kopf und antwortete sichtlich begeistert: "Fantastic!"

Damit hatte der Innenverteidiger des FC Chelsea aber noch arg untertrieben. Denn Bernd Leno war es zu verdanken, dass Bayer Leverkusen zum Auftakt der Champions League nicht schon zur Pause in Rückstand geriet. Und auch nach dem 0:1 hielt er die Hoffnung der Werkself noch lange am Leben.

Chelsea statt Regensburg

"Ich realisiere das alles noch gar nicht so richtig. Ich versuche im Training einfach Gas zu geben, um dann meine Leistung im Spiel zu bringen", meinte der 19-Jährige, den Bayer nach der Verletzung der etatmäßigen Nummer eins, Rene Adler, vom VfB Stuttgart II ausgeliehen hatte.

Noch Anfang August lief Leno für die Schwaben in der 3. Liga vor 3 500 Zuschauern im Jahn Stadion in Regensburg auf. Gut vier Wochen später hieß der Gegner FC Chelsea und gleich 33 000 Fans verfolgten die Partie an der altehrwürdigen Stamford Bridge.

"Das ist ein geiles Gefühl gewesen. Gegen so einen Gegner zu spielen. Dazu die Champions-League-Hymne vor dem Anpfiff. Davon habe ich immer geträumt", erklärte Leno seine Gefühlswelt.

Wertvolle Tipps

Dass er dann während der 90 Minuten die Offensive der Hausherren zur Verzweiflung brachte, daran war Routinier Michael Ballack maßgeblich beteiligt. "Ich habe ihn gefragt, wie die Stürmer ticken. Da konnte er mir schon ein paar nützliche Dinge sagen", so Leno. Ballack spielte von 2006 bis 2010 beim FC Chelsea.

Für Ballack selbst glich die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte eher einem Wechselbad der Gefühle. Zwar rechtfertigte er seine Aufstellung im zentralen Mittelfeld, er avancierte aber zum traurigen Helden des Spiels.

Hatte er in der 58. Minute noch die große Chance zur Führung auf dem Fuß, als er aus elf Metern alleinstehend vor Petr Cech scheiterte, musste er nur acht Minuten später und Sekunden nach seiner Auswechslung mit ansehen, wie die Gastgeber in Führung gingen. Da hatte er seinen Trainingsanzug gerade einmal zur Hälfte an.

Stehende Ovationen für Ballack

Dass ihn die Chelsea-Fans für sein vierjähriges Gastspiel mit stehenden Ovationen verabschiedeten, konnte Ballack nur bedingt freuen. "Das war schon alles sehr emotional. Das 0:1 hing aber nicht mit meiner Auswechslung zusammen. Aber das war schon bitter, dass wir dieses Tor postwendend bekommen", analysierte Ballack diese Situation. In der Folge ging bei Bayer nicht mehr viel zusammen. Die erfahrenen Londoner nutzten die sich bietenden Räume konsequent aus und ließen Ball sowie Gegner laufen. Das 2:0 durch Neuzugang Mata in der Schlussminute war die logische Konsequenz.

Konsequenzen für das Derby gegen den 1. FC Köln fürchtet Leno dadurch aber nicht. "Wir reisen erhobenen Hauptes zurück nach Leverkusen. Wir haben gegen einen Top-Gegner gut mitgehalten und ein ordentliches Spiel abgeliefert. Das wirft uns nicht aus der Bahn", sagte er.

Wenn Leno am Samstag wieder so eine hervorragende Leistung abliefert, dann heimst er sich sicherlich wieder ein Sonderlob ein. Und dann wissen die Gegner auch ganz genau, mit wem sie es zu tun haben. Denn da musste Chelseas Luiz passen. Die Frage nach dem Namen des Gästekeepers beantwortete er lediglich mit einem Schulterzucken und dem Wippen seiner Minipli-ähnlichen Frisur, bevor er aus dem Stadion verschwand.

Aus London berichtet Michael Reis.