Sligo/Irland - Es war ein Kunstschuss der besonderen Art, und zum Glück war eine Kamera dabei: Mit rechts schoss Moritz Leitner im Training der deutschen U21-Junioren den Ball wuchtig auf den Kasten, die Latte zitterte noch nach Sekunden.

"Fußballer des Jahres 2018" war nur einer der Kommentare, die der Profi des VfB Stuttgart auf seiner Facebook-Seite für die Demonstration seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten erhielt.

Vom Ausgeboteten zum Leitwolf

Noch im Sommer hatte der damalige U21-Trainer Rainer Adrion auf genau diese Fähigkeiten verzichtet - angeblich wegen charakterlicher Schwächen des Jungprofis. Adrion dementierte das zwar, nahm Leitner aber überraschend nicht mit zur EM nach Israel. Der Aussortierte reagierte erbost: "Ich dachte, dass es beim Fußball um Leistung und nicht um irgendwelche Sympathie-Punkte geht. Das ist eine Frechheit", sagte Leitner, der das Thema inzwischen abgehakt hat. Zumal der U21-Coach inzwischen Horst Hrubesch heißt.

Und der setzt auf Leitner. "Eine hervorragende Ausbildung" habe der von Borussia Dortmund an den VfB ausgeliehene Leitner genossen, der 20-Jährige verfüge zudem über "eine Menge U21-Erfahrung". In der Tat: Trotz der verpassten EM ist Leitner noch immer der erfahrenste und auch treffsicherste Akteur im aktuellen Aufgebot. Beim 3:0 auf den Färöer zum Auftakt der EM-Qualifikation erzielte der Angreifer in seinem zwölften U21-Spiel sein viertes Tor.

Erst ausgebootet, plötzlich Leitwolf - Moritz Leitner hat mit der rasanten Entwicklung der vergangenen Wochen keine Probleme. "Ich kann Verantwortung übernehmen und werde das auch tun. Ich gehe als Führungsperson vorneweg", sagt der Kunstschütze, der kurzzeitig sogar Anwärter auf das frei gewordene Kapitänsamt war. In der neuen U21 ist Leitner aber auch ohne Binde anerkannt und beliebt, zumal in Leonardo Bittencourt (Hannover 96) und Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart) zwei echte Freunde an seiner Seite spielen.

Beim VfB Stuttgart noch kein Stammspieler

Ein ähnlich hohes Standing hat Leitner auch beim VfB, der das Mittelfeldtalent im Juni für zwei Jahre vom BVB auslieh. "Er ist jung, technisch hoch veranlagt und verfügt über ein sehr gutes Spielverständnis. Und nicht zuletzt ist er auf mehreren Positionen einsetzbar. Damit bringt er alle Fähigkeiten mit, um eine tragende Rolle in unserem Spiel einzunehmen", sagt Sportvorstand Fredi Bobic. Bislang stand der Neu-Schwabe immerhin in drei der vier Bundesliga-Spiele in der Startelf, wurde aber stets ausgewechselt.

2011 war Leitner von 1860 München nach Dortmund gewechselt, 2012 wurde er mit dem BVB Meister und Pokalsieger. Erfolge, die sich nun auch im DFB-Trikot einstellen sollen. Dabei spielte der Sohn einer Österreicherin in der U17 noch für das Austria-Team. Erst im September 2010 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft, einen Tag später stand er prompt im deutschen Aufgebot für die U19.

Im DFB-Trikot fühlt Leitner sich seither wohl, spielte auch für die U20 und hat nun mit Hrubesch und der U21 viel vor. "Wir haben richtig geile Kicker im Team", sagte der gebürtige Münchner: "Wir müssen schauen, dass wir schnell zusammenwachsen und defensiv gut arbeiten." Dann, so Leitner, ist viel drin. Ab und zu sogar ein Kunstschuss der ganz besonderen Art.