Zusammenfassung

  • Im Dezember 2016 spielte Marius Wolf noch in der Regionalliga für die zweite Mannschaft von Hannover 96.

  • Mittlerweile ist er zum Stammspieler und Leistungsträger von Eintracht Frankfurt geworden.

  • Für Boateng könnte Wolf Nationalspieler werden.

Frankfurt - Noch vor Beginn dieser Saison kannten Marius Wolf nur Experten, mittlerweile ist der 22-Jährige der bekannteste Nobody der Bundesliga und einer der Garanten für die starke Saison von Eintracht Frankfurt

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Im Dezember 2016 spielte Marius Wolf noch in der Regionalliga für die zweite Mannschaft von Hannover 96. Im März 2018 aber spielt der vielseitige Spieler mit der Eintracht um den Einzug in die Champions-League. Marius Wolf ist seit dieser Saison unumstrittener Stammspieler in Frankfurt und verstärkt mit seiner Schnelligkeit und Direktheit die Eintracht auf jeder Position. Egal, ob Trainer Niko Kovac ihn auf der rechten Verteidigerposition, im rechten oder zentralen Mittelfeld aufstellt, oder als Sonderbewacher für den gegnerischen Spielmacher wie gegen Hannover gegen den ehemaligen Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler – Wolf gehört immer zu den Leistungsträgern. Auch vergangenen Sonntag beim 1:1 gegen die TSG Hoffenheim gehörte er wieder zu den Besten, mit der Vorarbeit des Führungstreffers von Luka Jovic (49.) gelang ihm bereits sein achter Assist im 24. Einsatz.

„Er ist noch jung, das heißt, er wird sicher noch weiterwachsen." Niko Kovac

Seine vier Tore machen seine Bilanz außergewöhnlich. Lob ist Wolf mittlerweile gewohnt, nachdem er seine Chance ergriffen hat und er sich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Timothy Chandler zunächst auf der rechten Verteidigerposition in die Stammelf spielte. Stürmt er mit Anlauf aus der Tiefe in die gegnerische Hälfte vor, ist er im Sprintduell kaum zu halten. Trainer Niko Kovac lobt den Senkrechtstarter immer wieder in höchsten Tönen: „Er ist noch jung, das heißt, er wird sicher noch weiterwachsen.“ Wenn Wolf seinen Weg konsequent weitergehe, so Kovac nach der Galavorstellung seines Spielers beim 4:2 gegen den 1. FC Köln Mitte Februar: „Dann ist vieles möglich.“ Und auch Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic schwärmt: „Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot."

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic schwärmt von Wolf: „Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot.
Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic schwärmt von Wolf: „Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot." © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon Hofmann

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Dabei lief es für den in Hannover aussortierten Coburger, der aus der Jugend von 1860 München stammt, auch nach seinem Wechsel nach Frankfurt im Januar 2017 zunächst nicht so gut. Eine schwere Schulterverletzung zwang ihn zur Pause. Doch in dieser Saison startete er dann durch, der Leihvertrag ist mit einer geringen, festgeschriebenen Ablösesumme längst in eine feste Anstellung verwandelt worden. Wolf ist in dieser Form aus der Eintracht-Elf nicht wegzudenken. „Ich freue mich für ihn, er weiß jetzt, was er investieren muss in sich und seinen Körper, um solche Leistungen zu bringen“, sagt Kovac. Körperlich legte Wolf in seiner Frankfurter Zeit enorm zu. Er ist robuster im Zweikampf geworden, weil er sein Kampfgewicht durch Krafttraining von 74 auf 79 Kilogramm steigerte. 

„Wenn der nicht Nationalspieler wird, dann höre ich auf.“ Kevin-Prince Boateng

In Hannover sei es einfach nicht gelaufen, erklärte Wolf einmal: „Frankfurt war meine letzte Chance.“ Und die hat der Athlet beeindruckend ergriffen. Auch weil sich seit Anfang dieser Saison ein Routinier um ihn bemüht, der selbst viele Höhen und Tiefen in seiner langen Karriere durchschritten hat. Kevin Prince Boateng und Marius Wolf verstanden sich vom ersten Trainingstag an, nachdem der ehemalige Nationalspieler Ghanas im Sommer vom spanischen Erstligisten Las Palmas nach Hessen gewechselt war. In einem kicker-Interview lobte Boateng Wolf in höchsten Tönen: „Wenn man in die Bundesliga schaut: Wer ist in seinem Alter und viel besser?“, fragte Boateng und erklärte, wie er auf seinen Mitspieler eingewirkt hat: „Ich habe Marius einfach nur gesagt, dass er Vollgas geben muss. Und das macht er. Da gibt es gar keinen Halt.“ Boateng traut dem schnellen Wolf eine Länderspielkarriere zu, er sagt: „Wenn der nicht Nationalspieler wird, dann höre ich auf.“ 

Wolf und Boateng verstehen sich nicht nur auf dem Platz gut
Wolf und Boateng verstehen sich nicht nur auf dem Platz gut © imago

Längst sind die beiden enge Freunde, in einer Länderspielpause im vergangenen Jahr reisten sie zusammen nach Mailand, wo Boateng einst beim AC Milan kickte. Dort trafen sie auch Superstar Neymar von Paris St. Germain. Der bodenständig wirkende Wolf setzt sich sportlich höchste Ziele, auf das Treffen mit dem brasilianischen Weltstart angesprochen, sagte er: „Mein Ziel ist es, auch mal gegen ihn oder mit ihm zu spielen, man weiß ja nie.“ Halten Wolf und die Eintracht ihre Form, könnte dies schneller der Fall sein, als sich das die Eintracht und Marius Wolf vor der Saison ausgemalt haben. 

Tobias Schächter