Köln - Dunkle Wolken waren am Himmel, es regnete, es war kalt, nass und ungemütlich. Die äußeren Bedingungen passten zu den traurigen Nachrichten, die da im Geißbockheim bei einer improvisierten Pressekonferenz verkündet wurden. Drei Tage vor dem mit Spannung erwarteten rheinischen Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen trat der Kölner Coach Frank Schaefer von seinem Posten zurück.

Lächelnd und diesmal ohne vorgefertigte Rede saß Frank Schaefer auf dem Podium. Er wirkte erleichtert und war sogar zu Späßen aufgelegt, als er sich von den Journalisten mit den Worten verabschiedete: "Bleibt so wie Ihr seid beziehungsweise bessert Euch."

Kräftezehrende Wochen

Das war vor einer Woche noch ganz anders. Damals las Schaefer blass vom Papier ab und teilte mit, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag als Kölner Cheftrainer nicht verlängern würde. Damals war er unter Druck, weil die Öffentlichkeit eine Entscheidung in der Trainerpersonalie erwartete.

Schaefer hoffte, dass das Ende der Spekulationen um seine Zukunft, sich positiv auswirken würde. Er wurde enttäuscht. Sang- und klanglos ging der FC im Wolfsburg mit 1:4 unter. "Nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg habe ich mich sehr lange mit der Situation auseinander gesetzt", sagt Schaefer jetzt.

"Aufgrund der Tatsache, dass mich die letzten Wochen unglaublich viel Kraft gekostet haben, musste ich mir eingestehen, dass ich der Mannschaft in dieser Form nicht mehr helfen kann", meint Schaefer weiter. "Die Ergebnisse und insbesondere die Spielverläufe der letzten Wochen haben mich dazu bewogen, dass die Mannschaft für die letzten drei Spiele unbedingt neue Impulse und noch einmal eine Veränderung braucht", hofft Schaefer mit seinem Rücktritt dem FC zu helfen, wieder in die Spur zu finden. "Es ist wichtig, dass neue Kräfte freigesetzt werden, dass die Mannschaft neu angesprochen wird und neu mobilisiert wird."

"Die beste Lösung"

Die FC-Verantwortlichen versuchten zwar noch, Schaefer umzustimmen, doch vergeblich. Bis zum Saisonende übernimmt jetzt der Sportdirektor Volker Finke die Mannschaft als Trainer.

"Ich wollte alles andere machen, aber nicht mehr auf dem Trainingsplatz stehen", sagt Volker Finke. "Wir haben alle Optionen durchgespielt. Schließlich musste ich mich doch mit der Situation auseinander setzen, für die letzten drei Spieltage in die Trainerrolle zu schlüpfen. Alle, die mitdiskutiert haben, waren der Meinung, dass dies von allen Optionen die beste Lösung sei. Ich wollte das nicht, aber letztlich habe ich mit der zeitlichen Begrenzung für die letzten drei Spiele zugestimmt."

Herkules-Aufgabe gegen Bayer

Damit geht der Sportdirektor ein ziemliches Risiko ein. Denn in den Kölner Medien wird Finkes bisheriges Wirken am Geißbockheim kritisch beurteilt. Wenn unter seiner Verantwortung auch noch der Klassenerhalt verspielt werden sollte, wird es richtig im Blätterwald rauschen.

Doch das kümmert Finke nicht. Auf ihn wartet direkt eine Herkules-Aufgabe in Form des Derbys gegen den Bundesliga-2. Bayer Leverkusen. Nicht nur in der Tabelle rangiert die "Werkself" weit vor dem FC. Auch in den letzten zwölf direkten Duellen konnten die Kölner dem ungeliebten Konkurrenten nicht das Wasser reichen. Nur zu zwei Unentschieden reichte es, zehn Mal siegte Bayer.

Fehler sollen abgestellt werden

"Wir sind in der Außenseiterrolle", schätzt Volker Finke die Lage realistisch ein. Der langjährige frühere Coach des SC Freiburg hat auch bereits einen Plan, wo er mit der Arbeit ansetzen will. "Die Dinge, die zuletzt nicht geklappt haben, kann man abstellen", sagt Finke in Anspielung auf die zuletzt erschreckende Defizite in der Abwehr.

Die Mentalität der Truppe wird er nicht ändern können. Mit Attributen wie "Elf Freunde", Harmonie und Geschlossenheit kann Finke nicht viel anfangen. "Es gibt keine Strategie, in der zuletzt als 'gespalten' bezeichneten Mannschaft für drei Wochen eine Kindergeburtstagsharmonie herzustellen", sagt Finke nüchtern. "Ich lege Wert darauf, dass jeder Spieler auf seiner Position und mit seinen Nebenleuten seine Leistung bringen muss."

Selbstbewusste Leverkusener

Auf der anderen Rheinseite in Leverkusen beschäftigt man sich mit den Kölner Turbulenzen wenig. Nur noch ein "Dreier" fehlt der Bayer-Elf zur direkten Qualifikation zur Champions League. Die Werkskicker freuen sich auf das Derby und gehen die Aufgabe selbstbewusst an.

"Das Derby ist immer ein eigenes Spiel", weiß Bayer-Keeper Rene Adler. "Viele von uns wohnen auch in Köln. Das wird ein heißes Spiel. Darauf freuen wir uns. Wir haben in den letzten Jahren gerade in Köln immer sehr gut gespielt."

Bayer-Wirbelwind Sidney Sam pflichtet ihm bei: "Ein Derby ist immer ein großes Spiel. Das wird wie ein Heimspiel für uns." In der Tat dürfte auch eine spannende Frage sein, wie das Kölner Publikum im Spiel eins nach dem Rücktritt des bei den Fans überaus populären Frank Schaefer reagiert. Es könnte wirklich passieren, dass es die eigene Elf vorübergehend mit Liebesentzug abstraft. Und dann hätten die Kölner wirklich ein Problem...

Tobias Gonscherowski