Zusammenfassung

  • Ohne Werner, ohne Forsberg: Leipzig beweist Breite in der Spitze

  • RB beendet Dortmunds Heimserie und schließt zum Spitzenduo auf

  • Torschütze Poulsen über Power-Fußball, den Matchplan gegen Dortmund und die "komische" zweite Halbzeit

Dortmund - Mit seinem Treffer hatte Yussuf Poulsen maßgeblichen Anteil am 3:2-Auswärtssieg von RB Leipzig bei Borussia Dortmund. Entsprechend entspannt und bestens gelaunt konnte der Stürmer im Interview nach der Partie über den Überraschungscoup plaudern und das Erfolgsgeheimnis seiner Mannschaft verraten - vom gelungenen Matchplan über das intensive Pressing bis zum qualitativ breit aufgestellten Kader der Leipziger.

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Frage: Yussuf Poulsen, RB Leipzig konnte in Dortmund einen großen Auswärtssieg feiern. Ist der Matchplan genauso aufgegangen, wie es der Trainer vorher geplant hatte?

Poulsen: In der ersten Halbzeit auf jeden Fall! Wir wollten die Dortmunder vorne stressen und die Räume in der Tiefe gut nutzen. Was wir da in der ersten Halbzeit gezeigt haben, das war wirklich richtig gut. Wir haben die Dortmunder vorne so stark gepresst, dass sie erhebliche Probleme mit ihrem Aufbauspiel gehabt haben. Wir haben so nur ganz wenig zugelassen. Das erste, frühe Gegentor war natürlich ein Fehler von uns. Das darf eigentlich nicht passieren, aber so etwas kommt auch mal vor. Sonst haben wir gut in die Tiefe gespielt, viele Konterchancen genutzt und große Möglichkeiten herausgespielt.

Frage: Wie bewerten Sie die zweite Halbzeit, als Dortmund zunehmend mehr Druck gemacht hat?

Poulsen: Die zweite Halbzeit war insgesamt ein bisschen komisch – zwei Elfmeter, zwei Rote Karten, viele Spielunterbrechungen. Wir haben uns im Elf gegen Elf ein bisschen wohler gefühlt, da konnten wir hoch pressen. Aber es zeichnet uns eben auch aus, dass wir auch mal tiefer verteidigen können und einfach alles geben, um unser Tor zu verteidigen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit gut gezeigt. Wir haben nur durch eine Standardsituation noch ein zweites Gegentor kassiert.

Nach fantastischem Bruma-Solo auf der linken Seite schiebt Poulsen zur Leipziger Führung ein © gettyimages / Patrik Stollarz/AFP

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Frage: In der ersten Halbzeit war auffällig, dass Leipzig vor allem Toprak immer wieder angelaufen ist und unter Druck gesetzt hat. War er eine Art Zielspieler im Pressing-Konzept?

Poulsen: Toprak spielt als Rechtsfuß auf der linken Innenverteidiger-Position. Dann ist es schwer, mit dem schwachen Fuß nach vorne zu gehen. Das war daher unser Matchplan und er hat ganz gut funktioniert. Toprak hat seine Aktionen oft abgebrochen und zurückgespielt – genau das wollten wir.

Frage: Nicht wenige Beobachter haben sich speziell bei Ihnen schon nach 20 Minuten gefragt, wie Sie dieses permanente Anlaufen beim Pressing durchhalten wollen?

Poulsen: (lacht) Wenn ich dieses Tempo aus der ersten Halbzeit tatsächlich das gesamte Spiel über durchgehalten hätte, dann sollte ich vielleicht besser Leichtathlet werden.

Frage: Ihr Trainer Ralph Hasenhüttl hat gesagt, dass er aus der ersten Saisonphase mit Bundesliga und Champions League gelernt hat, gerade auch in Sachen Trainingssteuerung. Daher mal ganz im Ernst die Frage: Ist alles nur eine Sache der Belastung oder wie kann man dieses Pressing immer wieder so abrufen?

Poulsen: Man muss es natürlich entsprechend steuern, manchmal auch etwas weniger machen. Wir Spieler müssen auch lernen, noch besser zu regenerieren. Aber man muss auch sagen, dass wir gerade in diesem Spiel gegen Dortmund auch gezeigt haben, was für einen großen und guten Kader wir haben. Wir hatten bei Spielbeginn Willi Orban, Timo Werner und Emil Forsberg auf der Bank. Und zwei von ihnen haben am Ende auch keine einzige Minute gespielt. Wenn wir einen Kader haben, in dem wir so guten Spielern auch mal eine Pause geben können, dann zeigt das, wie breit und gut wir aufgestellt sind.

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Frage: In Deutschland gibt es das schöne Sprichwort „Aller guten Dinge sind drei“. Sie haben gegen Köln getroffen, Sie haben jetzt gegen den BVB getroffen. Kann man darauf wetten, dass Sie nun auch am Dienstag in der Champions League gegen Porto treffen?

Poulsen: (lacht) Das kann man schon machen, klar! Warum nicht? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, diese Serie fortzusetzen.

Frage: In der Bundesligatabelle hat sich RB Leipzig mit dem Sieg in Dortmund auf Rang drei vorgeschoben, nur einen Punkt hinter den Bayern. Wie bewerten Sie die Situation?

Poulsen: Noch bedeutet der Blick auf die Tabelle nicht allzu viel. Wir müssen weiter an uns arbeiten, wir müssen weiter Punkte holen. Aber auf jeden Fall war der Sieg in Dortmund ein Big Point für uns, das kann man schon so sagen. Immerhin hat es über zwei Jahre keine deutsche Mannschaft geschafft, in Dortmund zu gewinnen. Das war schon eine große Leistung von uns, eine richtig gute Partie! Es war unser bester Auftritt und unsere beste Leistung bisher in dieser Saison.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte