Zusammenfassung

  • Kevin Kampl gehört in Leipzig mit seinen 28 Jahren fast schon zu den Routiniers
  • Im Interview beschreibt Kampl das Spiel von RB und nennt die Stärken
  • Die defensive Stabilität seiner Mannschaft hänge nicht nur mit der Abwehr zusammen, so Kampl

Leipzig - Auch im dritten Bundesliga-Jahr gehört RB Leipzig wieder zu den Top-Teams der Bundesliga. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Mittelfeldspieler Kevin Kampl über die Gründe für die auf hohem Niveau stabilen Leistungen der Leipziger, über seine eigene Rolle als einer der wenigen älteren Spieler im Kader und über die Arbeitsweise seines ehemaligen Sportdirektors und jetzigen Trainers Ralf Rangnick.

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bundesliga.de: Herr Kampl, wenn man einer großen Tageszeitung Glauben schenken darf, haben Sie viel vor in nächster Zeit, Umzug und Hochzeit sollen anstehen. Spielt gerade auch dieser private Aspekt eine Rolle für Ihre bisher guten Leistungen?

Kampl: Ich bin ein Spieler, der sich wohlfühlen und spüren muss, dass man ihm Vertrauen schenkt. Wenn das gegeben ist, kann ich meine bestmögliche Leistung abrufen. Im Moment passt alles. Ich verstehe mich sehr gut mit dem Trainerteam, und privat gibt es mir sehr viel Rückenwind, dass ich zum ersten Mal Vater geworden bin. Es macht mich extrem glücklich, wenn ich sehe, wie gut sich unser Kind entwickelt und wie gut es deshalb der ganzen Familie geht. Und was die Hochzeit betrifft: Ich bin seit zehn Jahren mit meiner Freundin zusammen, dass da irgendwann auch Hochzeit ein Thema wird, ist klar. (lacht) Schauen wir mal, wie es zeitlich aussieht, vielleicht schaffen wir es ja schon im kommenden Sommer.

bundesliga.de: Sie sind aktuell sogar einer der notenbesten Leipziger. Wo sehen Sie die sportlichen Gründe dafür?

Kevin Kampl: Ich denke, dass das nicht zuletzt daran liegt, dass das Kollektiv sehr gut funktioniert. Auch der Einzelne steht dann besser da. Wir kommen weniger über die Einzelspieler. Unsere Stärke macht vielmehr aus, dass wir gelernt haben als Kollektiv sehr gut zu funktionieren.

"Meine Hauptaufgabe ist es eher, Tore einzuleiten statt selbst welche zu schießen." Kevin Kampl (RB Leipzig)

bundesliga.de: Ein wenig verblüfft allerdings, dass ein Spieler Ihrer Klasse so selten trifft – auch wenn das Tore schießen fraglos nicht Ihre eigentliche Aufgabe ist...

Kampl: Ich spiele auf der Sechser-Position und war in der vergangenen Saison sogar eher der defensivere der beiden Sechser, während Naby Keita den eher offensiven Part gegeben hat. Allerdings sieht es in dieser Spielzeit ein wenig anders aus, und ich habe jetzt schon mehr Torschüsse zu verzeichnen als in der kompletten Vorsaison. Ich glaube deshalb, dass es diese Saison mehr Tore werden als zuletzt – was natürlich nicht allzu schwer ist (2017/18 erzielte Kampl in der Bundesliga einen Treffer; Anm. d. Red.). Grundsätzlich ist aber richtig, dass es eher meine Hauptaufgabe ist, Tore einzuleiten statt selbst welche zu schießen.

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bundesliga.de: Mit 28 sind Sie einer der Ältesten im Kader. Ist man automatisch Ansprechpartner für die vielen jungen Spieler, oder sind die heute so selbstbewusst, dass sie überhaupt keinen Rat mehr suchen?

Kampl: Beides trifft ein Stück weit zu. Die jungen Spieler sind heute tatsächlich selbstbewusster, weil sie viel früher Profi werden, als es früher der Fall war. Während man damals vielleicht mit Anfang 20 Profi wurde, gibt es heute Spieler, die schon mit 18 Jahren 50 Bundesliga-Spiele und mehr auf dem Buckel haben. Dennoch versucht man als älterer Spieler immer ein offenes Ohr zu haben für die Mitspieler. Und ich denke, dass die Jungs wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können, wenn sie Fragen haben oder etwas besprechen möchten.

Video: Willkommen im Fußball - RB Leipzig

bundesliga.de: Sie haben unter anderem unter Jupp Heynckes, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Roger Schmidt trainiert, trainieren jetzt unter Ralf Rangnick und ab der kommenden Saison unter Julian Nagelsmann. Das ist die Crème de la Crème der Trainergilde der vergangenen zehn, fünfzehn Jahre...

Kampl: Es ist wirklich ein Privileg, dass ich im Laufe meiner Karriere mit den besten deutschen Trainern der jüngeren Vergangenheit arbeiten durfte.

bundesliga.de: Was hebt Ralf Rangnick hier noch einmal heraus?

Kampl: Ich kenne Ralf Rangnick schon sehr lange. Er war vorher aber, schon bei RB Salzburg, immer mein Sportdirektor, nicht mein Trainer. Und natürlich habe ich mich am Anfang gefragt, wie er wohl als Trainer sein wird. Aber er macht es hervorragend, stimmt uns perfekt ein auf die jeweiligen Spiele und hat immer ein offenes Ohr. Überhaupt ist Herr Rangnick ein Typ, der wohl alles für seine Spieler tun würde. Allerdings verlangt er auch extrem viel von ihnen – was aber auch genauso sein muss.

"Wir müssen alles füreinander geben"

bundesliga.de: Auch die Startschwierigkeiten zu Saisonbeginn hat Rangnick sehr schnell in den Griff bekommen. Ist die Leistung der vergangenen Wochen das, was das Team auch über Monate leisten kann?

Kampl: Eins ist zunächst einmal klar: Wenn wir nun nachlassen, weil wir uns sicher fühlen und glauben, ein paar Prozentpunkte weniger tun zu können, dann wird es schnell wieder so aussehen wie zu Saisonbeginn. Wir sind uns aber bewusst, dass wir das bisherige Niveau nur halten können, wenn wir jetzt genauso weiterarbeiten. Wie eingangs gesagt, wir kommen übers Kollektiv, müssen auf dem Platz alles füreinander geben und vor allem darauf achten, dass wir defensiv gut stehen. Genau das aber haben wir zu Saisonbeginn nicht gut gemacht und so zu viele Gegentore kassiert, gerade auch nach Standards. Jetzt aber sieht man, wozu wir in der Lage sind, wenn wir defensiv gut arbeiten: Vorne sind wir immer in der Lage, Tore zu erzielen.

Kevin Kampl ist in Leipzig zum Leistungsträger gewachsen
Kevin Kampl ist in Leipzig zum Leistungsträger gewachsen © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon Hofmann

bundesliga.de: In der Tat hat RB mit nur zehn Gegentreffern die beste Abwehr der Liga. Da kommt einem das ungeschriebene Gesetz in den Sinn, dass die Offensive Spiele, die Defensive aber Meisterschaften gewinnt...

Kampl: (lacht) Wir schießen aber auch viele Tore und gehören ins obere Drittel der Teams mit den meisten erzielten Treffern. Und dass wir jetzt defensiv viel effektiver sind, hängt nicht nur mit der Abwehr zusammen. Alle arbeiten jetzt besser gegen den Ball. Das fängt bei den Stürmern an und geht übers Mittelfeld bis eben in die Abwehr.

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bundesliga.de: RB hat sich innerhalb von etwas mehr als zwei Spielzeiten als Top-Team in der Bundesliga etabliert. Wo sehen Sie die Gründe dafür, dass es so etwas wie einen Einbruch, wie ihn viele Aufsteiger im zweiten oder dritten Bundesliga-Jahr erleben, nicht gegeben hat, schließlich kann man auch die vergangene Saison nicht als Einbruch bezeichnen?

Kampl: Ganz und gar nicht! Auch wenn es Stimmen gab, die moniert haben, dass wir nicht erneut in die Champions League eingezogen sind. Wir finden aber, dass es eine großartige Leistung ist, dass wir überhaupt wieder europäisch vertreten sind. Schließlich spielen wir überhaupt erst unsere dritte Bundesliga-Saison und stehen wiederum sehr gut da. Das zeigt, dass im gesamten Verein und auf allen Ebenen sehr gute Arbeit geleistet wird und alles sehr gut funktioniert, von der Infrastruktur mit der Akademie über die Personalpolitik und die Spielerverpflichtungen bis hin zur Trainingsmethodik und unserer Art Fußball zu spielen.

"Alle arbeiten jetzt besser gegen den Ball. Das fängt bei den Stürmern an und geht übers Mittelfeld bis eben in die Abwehr" Kevin Kampl (RB Leipzig)

bundesliga.de: Wo ist die Grenze in einer Saison, in der der FC Bayern München nicht so souverän wirkt, wie in den Spielzeiten zuvor?

Kampl: Halt! Ich denke, dass sich die Bayern wieder fangen und kontinuierlich ihre Spiele gewinnen werden. Allerdings ist Borussia Dortmund in dieser Saison sehr stark, und man spürt, wie dort durch die vielen Siege das Selbstvertrauen Woche für Woche steigt. Und auch andere Teams machen auf sich aufmerksam, etwa Borussia Mönchengladbach oder Eintracht Frankfurt. Daran sieht man, wie eng die Bundesliga zusammenrücken kann, wenn Teams mit dieser Qualität sehr hart an sich arbeiten. Ich finde es jedenfalls schön, dass wieder echte Spannung gewährleistet ist und hoffe, dass das auch bis zum Ende so bleibt.

bundesliga.de: Der Frage, was für RB möglich ist, sind Sie aber ausgewichen...

Kampl: Wir formulieren keine großen Ziele. Wir wollen einfach nur Woche für Woche unsere Leistung abrufen. Wenn uns das gelingt, dann wissen wir, dass dabei auch sehr viele Punkte herausspringen werden. Wir sind noch in allen drei Wettbewerben vertreten und werden versuchen, uns überall so lange wie möglich festzubeißen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter