Markus Babbel hat als Teamchef des VfB Stuttgart einen Einstand nach Maß gefeiert.

Bisher saß der ehemalige deutsche Nationalspieler bei drei Begegnungen als Verantwortlicher auf der Trainerbank der Schwaben. In der Bundesliga siegte der VfB unter seiner Regie gegen Schalke 04 (2:0) und beim FC Energie Cottbus (3:0). Im UEFA-Pokal holten der VfB bei Sampdoria Genua einen Punkt (1:1).

Drei Meisterschaften mit dem FCB

Am kommenden Samstag gastiert der FC Bayern München zum Hinrundenabschluss in der Mercedes-Benz Arena. Für Babbel ein besonderes Spiel: Der 36-Jährige bestritt für die Münchner unter anderem 182 Bundesliga-Spiele und wurde mit dem FCB drei Mal Deutscher Meister.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Europameister von 1996 über seinen Einstand beim VfB als Teamchef, über die "andere Atmosphäre" bei den Schwaben und über die Partie gegen seinen Ex-Club. Für Babbel natürlich "kein Spiel wie jedes andere". Wie es mit ihm beim VfB weitergeht, "interessiert mich momentan nicht", so Babbel.

bundesliga.de: Herr Babbel, Ihr Einstand als Teamchef beim VfB Stuttgart hätte nicht besser verlaufen können. In der Bundesliga feierten Sie in zwei Spielen zwei Siege. Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg?

Markus Babbel: Die Mannschaft ist in den vergangenen Spielen als kompakte Einheit aufgetreten. Jeder einzelne hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und seinen Teil zu den Siegen beigetragen. Unser Kader ist gut besetzt, die Spieler stehen nicht von ungefähr beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Entscheidend ist, dass wir diese Qualität in jedem Spiel abrufen.

bundesliga.de: Was haben Sie im Vergleich zu Armin Veh geändert?

Babbel: Der Verein, die Spieler und auch ich haben Armin Veh viel zu verdanken. Wir hatten gemeinsam eine erfolgreiche Zeit. Deshalb ist es nicht angebracht, Vergleiche bezüglich der Arbeitsweise anzustellen. Ich versuche gemeinsam mit meinem Trainerteam so zu arbeiten, dass der VfB in der Tabelle schon bald wieder dort steht, wo er hin gehört.

bundesliga.de: Welche Schlüsse können Sie bisher aus der Arbeit mit der Mannschaft ziehen?

Babbel: Die Jungs ziehen bislang hervorragend mit, die Stimmung im Kader ist trotz des großen Konkurrenzkampfes gut. Am Samstag gilt es nun, die jüngsten Ergebnisse zu bestätigen und auch gegen die Bayern etwas zu holen.

bundesliga.de: Jan Simak kommt unter Ihnen immer besser in Fahrt und hat in den vergangenen beiden Spielen jeweils ein Tor erzielt. Was haben Sie mit dem Tschechen gemacht?

Babbel: Jan hat überdurchschnittliche Fähigkeiten. Trotzdem hat er eine gewisse Zeit gebraucht, um sich wieder an die Anforderungen der Bundesliga zu gewöhnen. Er kommt immer besser in Tritt und hat in den vergangenen Tagen und Wochen hervorragend trainiert. Die Tore gegen Schalke und Cottbus waren wichtig für sein Selbstvertrauen und ich bin davon überzeugt, dass wir noch viel Freude an Jan haben werden.

bundesliga.de: Sie haben zuletzt immer wieder die kämpferische Leistung Ihrer Mannschaft gelobt. Wie bekommt man als Trainer den nötigen Biss in eine Mannschaft?

Babbel: Entscheidend ist, dass alle an einem Strang ziehen und sich als Teil des Ganzen begreifen. Über entsprechende Trainingsleistungen kann sich jeder täglich aufs Neue empfehlen und zeigen, dass er unbedingt in die Mannschaft möchte. Und nicht zuletzt versuchen wir der Mannschaft in jeder Einheit zu vermitteln, dass Leidenschaft und bedingungsloser Einsatz die Grundvoraussetzungen für sportlichen Erfolg sind.

bundesliga.de: Roberto Hilbert spricht von einer "anderen Atmosphäre", die beim VfB seit Ihrem Amtsantritt herrscht. Wie haben Sie das erreicht und worin besteht diese "andere Atmosphäre"?

Babbel: Die Mannschaft war nach den negativen Ergebnissen verunsichert. Dementsprechend war natürlich auch die Stimmung innerhalb des Teams. In so einer Situation sind Siege das beste Rezept, so banal das auch klingen mag. Nach den jüngsten Erfolgserlebnissen kommt das Selbstvertrauen und damit auch die notwendige Lockerheit Stück für Stück zurück.

bundesliga.de: Viele Spieler machen sich für ein längerfristiges Engagement von Ihnen stark. Macht Sie das stolz und führen Sie bereits Gespräche mit den Clubverantwortlichen?

Babbel: Dieses Thema interessiert mich momentan nicht. Entscheidend ist, dass wir die beiden ausstehenden Begegnungen bis zur Winterpause positiv gestalten wollen. Alles andere hat Zeit.

bundesliga.de: Am Samstag sind die Bayern zu Gast in der Mercedes-Benz Arena. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die Partie gegen Ihren Ex-Club?

Babbel: Das ist natürlich kein Spiel wie jedes andere für mich. Ich habe schon in der Jugend bei den Bayern gespielt, meine Profikarriere dort begonnen und große Erfolge gefeiert. Aber das wird natürlich keine Rolle spielen. Ich bin Teamchef des VfB und werde alles daran setzen, mit meiner Mannschaft dieses Spiel zu gewinnen.

bundesliga.de: In der Bundesliga haben die Münchner zuletzt zehn Mal in Folge nicht verloren. Mit welcher Taktik wollen Sie diese Serie beenden?

Babbel: Wir wollen so engagiert und konzentriert auftreten wie zuletzt. Die Bayern haben eine hervorragende Mannschaft und kommen nach dem Sieg gegen Hoffenheim mit der sprichwörtlich breiten Brust in die Mercedes-Benz Arena. Dennoch wollen wir nicht reagieren, sondern agieren und mutig nach vorne spielen. Nur so kann man gegen die Bayern bestehen.

bundesliga.de: Wie steht es um Mario Gomez, besteht Hoffnung auf seinen Einsatz gegen die Bayern?

Babbel: Natürlich ist Mario Gomez ein sehr wichtiger Spieler für uns und wir hätten ihn gerne gegen die Bayern im Kader. Aber wir werden mit Sicherheit nichts überstürzen. Er wird nur dann zum Einsatz kommen, wenn er absolut fit und gesund ist. Alles andere macht keinen Sinn.

Die Fragen stellte Sven Becker