Arjen Robben ist derzeit Bayern Münchens Lebensversicherung. Manch einer mochte nach dem Freiburg-Spiel auch behaupten, das einzige Lebenszeichen. Der Niederländer schafft es, selbst in einem Spiel mit dem Attribut "Arbeitssieg" eine kleine Robben-Show einzubauen.

Es ist Samstagabend. Das Spiel gegen den SC Freiburg steht kurz vor dem Anpfiff. Die Bayern-Spieler versammeln sich noch einmal im Kreis, um den Teamgeist zu beschwören. Doch einer fehlt.

Robben "will eine wichtige Rolle spielen"

Arjen Robben lässt es sich nicht nehmen und begrüßt die Haupttribüne noch einmal persönlich mit einem Küsschen und lässt sich schon vor dem Spiel feiern. Er liebt das Rampenlicht. "Ich will gerne Verantwortung übernehmen. Ich will eine wichtige Rolle spielen. Darum bin ich hier!", erklärte der Niederländer nach dem Schlusspfiff.

Doch in der ersten Hälfte spielt er gar keine Rolle. Der Niederländer hat die schlechteste Zweikampfbilanz aller Spieler. Er ist an keinem einzigen Torschuss des Rekordmeisters beteiligt. Er existiert quasi nur auf dem Blatt mit den Aufstellungen. Doch ein Robben wäre kein Robben, wenn er das so auf sich sitzen ließe.

Schwere Knochen bei den Bayern

Das Pfeifkonzert nach dem Halbzeitpfiff könnte ein Grund für den zusätzlichen Ansporn gewesen sein. Der holländische Nationalspieler hat sich den Auftrag gesetzt, die Leute zum Lachen zu bringen. Doch zum Lachen war auch dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge wahrlich nicht zumute: "Wir haben in der ersten Halbzeit schlecht gespielt. Wir haben keine Einstellung zum Spiel gefunden. Da war zu wenig Laufleistung und zu wenig Aggressivität."

Die Gründe für das Autreten waren schnell gefunden. "Natürlich waren die Knochen noch vom Champions-League-Spiel ein wenig schwer, doch einige glauben, gegen den Tabellenvorletzten ein leichtes Spiel zu haben."

"Ich hatte schon im Kopf, was ich machen wollte"

Jene kleinen Seitenhiebe an die gesamte Mannschaft erteilt man natürlich am liebsten, wenn am Ende doch noch alles gut geht. Und so war es ja auch gegen die Breisgauer. Sportdirektor Christian Nerlinger sieht es als "Merkmal der erfolgreichen Bayern-Teams", solche Spiel zu gewinnen.

Doch einer könnte auf dieses Drama gerne verzichten. "Es ist zwar eine Qualität, dass man in der Lage ist zurückzuschlagen, aber es ist wichtig, dass wir solche Spiele in Zukunft vermeiden," erklärte Rummenigge: "Wir müssen es schaffen, auch wieder von Anfang an konzentriert zu sein."

Doch ganz nach dem Motto "Besser spät als nie!" eröffnete Arjen Robben seine Show erst Mitte der zweiten Hälfte. Kein elegantes Dribbling, kein genialer Hackentrick, kein intelligenter Pass - 116 km/h geballte Power! Ein Freistoß direkt ins Freiburger Herz. Der Niederländer erinnert sich mit einem Schmunzeln an seinen Landsmann Mark van Bommel, der ihm angeblich den Tipp mit der Torwartecke vor der Freistoßausführung gegeben haben soll. Zwei Holländer, ein Gedanke! "Ich hatte schon im Kopf, was ich machen wollte. Es ist zu schwer, aus dieser Distanz über die Mauer zu schießen", erklärt Robben seine Gedankengänge vor dem Ausgleich.

"Er ist unersetzlich!"

Das ganze Stadion spürte nun, dass Robben die Bayern zum Leben erweckt hatte. Chancen ergaben sich plötzlich im Minutentakt. Her musste allerdings eine erneute Standardsituation - der entscheidende Elfer! Durch das Stadion hallte es "Butt! Butt! Butt!". Doch der holländische Nationalspieler ließ sich die Show nicht nehmen - Stichwort Verantwortung.

Der Mann mit der roten langen Unterhose gab in der zweiten Hälfte die meisten Torschüsse ab, forderte die Bälle und war Dreh- und Angelpunkt der Münchener. Die Bayern können froh sein, dass sie so ein Juwel in ihren Reihen haben. Das weiß auch Nerlinger: "Wir sind glücklich, dass er bei uns ist. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern auch wegen seiner absoluten Siegermentalität ist er unersetzlich." Robben holt sich diese Bestätigung gerne von den Fans persönlich. Nachdem der Showmaster die Partie im Alleingang gedreht hatte, stand er dort, wo er vor dem Spiel schon Küsschen verteilte - vor der Haupttribüne.

Aus der Allianz Arena berichtet Norman Thalwitzer