Kaiserslautern - Das Schreckgespenst hat einen Namen - und kennt sich auf dem Betzenberg bestens aus. Wenn Sidney Sam am Freitagabend den Rasen im Fritz-Walter-Stadion betritt, dann schrillen beim 1. FC Kaiserslautern alle Alarmglocken (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). Drei Tore in zwei Duellen mit seinem Ex-Club hat der Offensivspieler von Bayer Leverkusen erzielt.

Kein Wunder also, dass schon in den Tagen vor der zweiten Rückkehr des 23-Jährigen in die Pfalz das "Phantom Sam" allgegenwärtig ist. "Wir wissen ja alle um Sidneys Qualität. Und weil er gegen uns immer so aufgetrumpft hat, habe ich einen umso größeren Ehrgeiz, dass er diesmal nicht trifft", meinte FCK-Abwehrspieler Mathias Abel vor dem Spiel gegen den Tabellenachten aus Leverkusen am Freitag.

"Uns fehlt noch die Konstanz aus dem Vorjahr"

Die Vorzeichen sind allerdings gänzlich andere als beim letzten Vergleich der beiden Clubs im April 2011, als Sam das Siegtor zum 1:0-Auswärtssieg gelang. Sieben Monate später kommt Vizemeister Leverkusen recht angeschlagen daher.

Und der Flügelflitzer mit den nigerianischen Wurzeln steht in diesen Wochen irgendwie stellvertretend für die Bayer-Krise. "Momentan läuft es nicht so gut. Uns fehlt noch die Konstanz aus dem Vorjahr", sagte Sam und will deshalb bei seiner Rückkehr keine Geschenke verteilen: "Wir brauchen die Punkte dringend selbst. Es wird ein heißer Tanz." Zu allem Überfluss droht auch noch Nationalspieler Andre Schürrle (Erkältung) auszufallen.

Auch Sam selbst ist etwas von der Durchschlagskraft der vergangenen Runde abhanden gekommen. Zwei Tore gelangen dem gebürtigen Kieler bis zum zwölften Spieltag - in der zurückliegenden Saison waren es zu diesem Zeitpunkt doppelt so viele. Leverkusens Sportchef Rudi Völler hat dennoch großes Vertrauen in den nur 1,74 Meter großen Sam, auf dessen Turboläufe über die rechte Seite auch schon Bundestrainer Joachim Löw aufmerksam geworden ist. "Sidney ist mit dem Ball schneller als die meisten anderen ohne", lobte Völler Leverkusens sprintstarke Nummer 18, der in Kaiserslautern einst erfolgreich in die Lehre ging.

Vom "Bruder Leichtfuß" zum Musterprofi

Nachdem er den Durchbruch beim Hamburger SV nicht geschafft hatte, liehen die Norddeutschen Sam 2008 zum FCK aus. In der beschaulichen Pfalz reifte der früher auch als "Bruder Leichtfuß" titulierte Spieler zum leistungsstarken und disziplinierten Profi. Mit zehn Treffern war er maßgeblich am Bundesliga-Aufstieg der "Roten Teufel" beteiligt.

Offen ließ derweil Lauterns Trainer Marco Kurz noch das Spielsystem. In den beiden zurückliegenden Partien bei 1899 Hoffenheim (1:1) und beim Hamburger SV (1:1) trat der FCK mit Dorge Kouemaha als einziger Spitze an. Der bislang treffsicherste Lauterer Itay Shechter (3 Tore) rückte in die Joker-Rolle.

Dass die Entscheidung pro Ein-Mann-Sturm nichts mit der Qualität von Shechter zu tun hatte, versuchte Kurz mit einem Beispiel vom Länderspiel am Dienstag gegen die Niederlande (3:0) zu belegen: "Da saß mit Mario Gomez ein Weltklassestürmer auf der Bank."