München - Wunschspieler, "Königstransfer", Magaths Meisterstück - selten kam ein Spieler mit so vielen Vorschusslorbeeren nach Wolfsburg wie Christian Träsch. Und damit nicht genug: VfL-Coach Felix Magath schenkte ihm sein uneingeschränktes Vertrauen. Er stattete ihn mit einem langfristigen Vertrag (bis 2015) aus, bestimmte ihn prompt zum neuen Kapitän und ließ ihn bisher in jeder Bundesligaminute auf dem Platz.

Doch rechtfertigt Träsch dieses Vertrauen? Zahlt er es mit Leistung auf dem Rasen zurück? bundesliga.de hat sich die Daten des Nationalspielers genau zu Gemüte geführt. Und eines sticht dabei sofort heraus: Läuferisch kann keiner aus Magaths Truppe Träsch das Wasser reichen.

Marathonmann Träsch

In den bisherigen vier Partien lief der 23-Jährige mehr als jeder andere Wolfsburger. 40,5 Kilometer spulte das "Arbeitstier" aus dem Mittelfeld herunter. In drei von vier Spielen war er zudem laufstärkster Akteur seines Teams, zuletzt auch in Freiburg mit 13,14 Kilometern. Am 1. und am 4. Spieltag macht er sogar mehr Kilometer als jeder andere Bundesligaspieler. Beide Begegnungen gingen zwar verloren - der geborene Ingolstädter ließ sich aber nicht hängen, sondern spulte weiter unermüdlich sein Pensum ab.

Und auch nach bitteren Pleiten stellte sich der Kapitän den Medien, versteckte sich nicht. "Jeder muss dem anderen helfen, das fehlt einfach. Jeder denkt zu sehr an sich. Wir müssen endlich als Team auftreten", forderte Träsch nach der Niederlage in Freiburg.

Gefordert, gesucht, gefunden

Doch nicht nur läuferisch und verbal übernimmt Träsch Verantwortung. Dass er sich auf dem Platz nie versteckt, sich immer wieder anbietet und den Ball fordert, wird auch anhand der Daten klar: Der beidfüßige Mittelfeldmann spielte bisher die meisten Pässe aller Wolfsburger (126), auch die meisten zum Mann (90).

Trotz seiner hohen Einsatzzeit sind Träschs Ballkontakte pro 90 Minuten immer noch überdurchschnittlich, nur zwei Stammspieler können seine Quote (49,5 pro Spiel) toppen. Er bekommt den Ball, wird von seinen Mitspielern immer wieder ins Spiel eingebunden. Doch noch längst nicht jeder Pass findet sein Ziel. Die Fehlpassquote von 29 Prozent ist noch verbesserungswürdig.

Akzente in der Offensive

Auch in punkto Zweikämpfe hat der Defensiv-Allrounder noch Luft nach oben. 48 Prozent gewonnener Duelle sind für einen defensiven Mittelfeldspieler nicht berauschend. Immerhin kann er dies durch gute Offensivaktionen wett machen: Obwohl eigentlich die Defensive sein Aufgabenbereich ist, taut der Ex-Stuttgarter auch vorne langsam auf, setzt Akzente.

Drei Torschüsse und zehn Torschussvorlagen gehen bislang auf sein Konto, in Gladbach (beim 1:0 durch Makoto Hasebe) verbuchte er seinen ersten Assist.

"Das Kollektiv ist gefragt"

Christian Träsch geht voran und sticht trotz der bisher dürftigen Saisonleistungen seines Teams heraus. Seine Ernennung zum Kapitän rechtfertigt er bereits jetzt, auch wenn noch nicht alles reibungslos klappt.

Träsch selbst sagte den "Stuttgarter Nachrichten" über sein neues Amt: "Es ist eine sehr ehrenvolle Aufgabe. Für mich bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen." Er schickte aber gleich hinterher: "Es bringt nichts, wenn nur der Kapitän Verantwortung übernimmt. Das ganze Kollektiv ist gefragt." Ein Leitsatz, mit dem er die "Wölfe" zu erfolgreicheren Leistungen führen will.

Christoph Gschoßmann