Oliver Kirch packt in der vergangenen Saison mit dem 1. FC Kaiserslautern den Klassenerhalt nicht
Oliver Kirch packt in der vergangenen Saison mit dem 1. FC Kaiserslautern den Klassenerhalt nicht
Bundesliga

Laufwunder als Backup

München - Als die Meldung am Montag über die Nachrichtenagenturen flatterte, rieben sich die Fans verwundert die Augen: Oliver Kirch wechselt vom Absteiger 1. FC Kaiserslautern zum Double-Sieger Borussia Dortmund. Und das, obwohl der 29-Jährige in der vergangenen Saison ebenfalls in den Negativsog der Pfälzer geriet und nur wenige Akzente setzen konnte. bundesliga.de erklärt, warum der Transfer dennoch Sinn macht.

Auf den Spuren von Großkreutz

"Oliver ist in der Abwehr und im Mittelfeld vielseitig einsetzbar, verfügt über eine Menge Erfahrung und hat einen ungemein positiven Charakter", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach dem überraschenden Transfer. In der Tat ist die Polyvalenz des Neu-Dortmunders dessen größtes Plus: Er kann sowohl als Sechser als auch als Rechtsverteidiger spielen.



Damit konkurriert Kirch mit Patrick Owomoyela, den zuletzt immer öfter Verletzungen plagten, um den Platz als Ersatz für Lukasz Piszczek. "Wir brauchten für diese Bahn jemanden, der über große Schnelligkeit verfügt, und jemanden, der sehr ausdauernd ist. Das Jobprofil passte exakt zu Oliver", erklärt BVB-Coach Jürgen Klopp den überraschenden Transfer.

Doch für den Meistertrainer gab es noch einen ganz anderen Grund, Kirch zu den "Schwarzgelben" zu holen. "Oliver wurde in Soest geboren, von dort bis Dortmund sind es ja nur ein paar Kilometer. Ich untertreibe deutlich, wenn ich sage, dass er ausgesprochen BVB-affin ist. Oliver Kirch bringt diese emotionale Nähe zum BVB mit, die nicht gespielt ist, und über die wir uns extrem freuen."

125 Bundesligaspiele auf dem Buckel



Während Kirch also die "rechte Seite verinnerlichen soll", dürfte im defensiven Mittelfeld durch das Überangebot beim Meister kaum Platz für den früheren Gladbacher sein. Denkbar ist, dass Kirch bei Bedarf als einer der Leader für die zweite Mannschaft fungiert, die in die 3. Liga aufgestiegen ist.

Erfahrung hat Kirch genug: Im jungen FCK-Team hatte er mit seinen 29 Jahren bereits 125 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel - und damit hinter Christian Tiffert die meisten. Seine Werte weisen ihn als durchschnittlichen Bundesligaspieler aus: In der vergangenen Spielzeit gewann Kirch 47 Prozent seiner Zweikämpfe, in der gesamten Karriere waren es 49 Prozent.

Als ein ausgewiesener Torjäger hat sich Kirch nicht erwiesen: Für den FCK war er in 52 Bundesliga-Spielen nur an drei Treffern beteiligt, am drittletzten Spieltag der abgelaufenen Saison erzielte er immerhin das 2:1-Siegtor in Berlin - zu spät für die "Roten Teufel", um sich noch zu retten.

Drei Mal abgestiegen



Insgesamt traf er in seiner Bundesliga-Karriere in 125 Partien vier Mal, unter anderem einmal in Dortmund, als er im Dezember 2007 jedoch mit Arminia Bielefeld 1:6 unterging. Während Kirch also nur wenig Zug zum Tor zeigt, ist er für das Gefüge einer Mannschaft durchaus wertvoll. 11,91 Kilometer pro Spiel spulte der Defensivspieler in der vergangenen Spielzeit für den FCK im Schnitt ab - damit lag er nur knapp hinter dem Nürnberger Timmy Simons, dem laufstärksten Spieler der Saison.

Nachdem der BVB Antonio da Silva abgegeben hat, könnte Kirch dessen Rolle übernehmen: Solide, erfahren - und in die Bresche springen, wenn es personell eng wird. Mit Mönchengladbach, Bielefeld und Kaiserslautern stieg Kirch in seiner Karriere schon drei Mal ab. Das zumindest dürfte ihm beim BVB erspart bleiben.

Johannes Fischer