München - "Es geht nicht darum, viel zu laufen, sondern intelligent zu spielen", antwortete der Mainzer Trainer Thomas Tuchel sinngemäß auf die Frage, warum sein Team früher traditionell zu den Mannschaften gehörte, die nicht die meisten Kilometer abspult. Mit dieser Einschätzung hat Tuchel auch Recht. Denn die Formel, nach der viele gelaufene Kilometer und mehr Ballbesitz als der Gegner auch mehr Punkte garantieren, funktioniert in der Praxis nicht.

Immerhin: In den letzten Jahren ist das Feld enger zusammengerückt. Vor zwei Jahren noch liefen die Spieler des SC Freiburg, der lauffreudigsten Truppe, 120,6 km und damit immerhin über zehn Kilometer mehr als die Kicker des FC Augsburg (109,8 km), die am wenigsten Strecke zurücklegten. In diesem Jahr beträgt der Unterschied zwischen Primus Freiburg (119,9 km) und Schlusslicht Hannover (113 km) nur noch knapp sieben Kilometer

Freiburg ist also nach wie vor die lauffreudigste Truppe der Bundesliga, gefolgt von Dortmund (118,5 km) und Mönchengladbach (118,1 km). Allerdings sind die Differenzen insgesamt eher marginal und nicht so gravierend. Den Vierten Braunschweig trennen vom Zehnten Nürnberg 870 Meter. Im Schnitt läuft ein Eintracht-Kicker pro Spiel über 90 Minuten also 80 Meter mehr. Trotzdem: Freiburger und Braunschweiger Spieler laufen viel und punkten wenig.

Ballbesitz wichtiger als gelaufene Kilometer



Tabellenführer Bayern München belegt in dieser Statistik mit 116, 8 km nur einen Mittelfeldplatz. Geholfen hat das der Konkurrenz nichts. Seit 36 Spielen sind die Bayern unbesiegt. Die Münchener lassen wie man so schön sagt Ball und Gegner laufen. Sie sind eine Klasse für sich.

Das lässt sich gut an der Statistik "Ballbesitz" ablesen. Die Bayern hatten in dieser Saison in jedem Spiel mehr Ballbesitz als der Gegner, im Schnitt fast 66 Prozent sowie 846 Ballkontakte. Diese Überlegenheit konnten die Bayern in Punkte ummünzen.

Mainz und Stuttgart punkten mehr bei weniger Ballbesitz



Bei einigen Vereinen lässt sich sportlicher Erfolg auch an mehr Ballbesitz festmachen. Frankfurt holte in den Spielen, in denen es mehr Ballbesitz hatte, durchschnittlich 1,29 Punkte, bei weniger Ballbesitz dagegen nur 0,25 Punkte. Ähnliches gilt für Hannover (2,33 Punkte statt 0,75 Punkte), Bremen (2,33 statt 1,0) und Augsburg (2,0 zu 1,0).

Kurioserweise umgekehrt dagegen verhält sich bei Mainz (0,33 statt 1,5) und Stuttgart (0,83 statt 1,6). Diese beiden Vereine konnten bis jetzt wenig mit mehr Ballbesitz anfangen.

Leverkusen spielt sehr effizient



Interessant sind die Werte von Bayer Leverkusen. In den meisten Kategorien sind die Werte eher unterdurchschnittlich. Die Mannschaft von Sami Hyypiä hatte nur in vier der elf Punktspiele mehr Ballbesitz als der Gegner, insgesamt betrug die Quote nur 47,7 Prozent. Macht Platz 11 in dieser Kategorie. Noch schlechter sind die 116,2 km Laufleistung (Platz 13).

Aber in der wichtigsten Kategorie belegt die "Werkself" Platz 3. Am Ende zählen im Fußball eben nur die erzielten Tore und Punkte und nicht Ballbesitz oder Laufleistung. Wenn das Ergebnis stimmt, ist es ganz egal, wie es zustande kam. Wie sagte Leverkusens Ex-Trainer Klaus Augenthaler einst so treffend: "Wenn ich die ganze Woche Purzelbäume trainieren lasse und wir am Samstag trotzdem gewinnen, bin ich ein guter und erfolgreicher Trainer."

Tobias Gonscherowski