München - Gegen 17:17 Uhr stand die wohl größte Überraschung des 10. Spieltags fest: 1899 Hoffenheim schlägt den FC Schalke 04! Das 3:2 der Kraichgauer über die "Knappen" verblüfft deshalb, weil die Schalker als Serientäter nach Sinsheim gereist waren. Die letzten fünf Pflichtspiele hatte die Truppe von Huub Stevens gewonnen und damit ganz klar die Favoritenrolle in diesem Duell eingenommen.

Doch wer vor Anpfiff einen Blick in die Statistik geworfen hatte, fühlte sich bestätigt. Immerhin hatte S04 noch nie ein Spiel bei der TSG gewonnen, sammelte in bis dato vier Partien nur zwei Punkte. Nicht gerade die besten Vorzeichen für die Schalker.

Abgezockte TSG



Mit diesem Wissen waren die Mannen von Markus Babbel wohl in das Duell mit dem Tabellenzweiten gegangen - und spielte selbstbewusst auf. Die Hoffenheimer (121,6 Kilometer) waren mit Leidenschaft und willen dabei und liefen eindeutig mehr als die "Königsblauen" (115,6 km) - und setzten auch noch die entscheidenden Akzente. So zum Beispiel in der 13. Minute, als Kevin Volland, gemeinsam mit Werders Zlatko Junuzovic und Leverkusens Stefan Reinartz laufstärkster Spieler des Spieltags (12,6 km), zum 1:0 einnetzte.

Dass die Hausherren an diesem Nachmittag nicht nur die engagiertere, sondern auch die cleverere Mannschaft waren, zeigt ein Blick auf die Torschussstatistik. Da hat Schalke mit 22:8 zwar ein klares Übergewicht, doch mit einer Chancenverwertung von 37,5 Prozent ist die TSG gnadenlos effektiv - allen voran: Sven Schipplock. Der Stürmer wurde von Babbel in der 89. Minute eingewechselt, lief lediglich 630 Meter und gab einen Torschuss ab; und zwar den zum 3:2-Endstand für Hoffenheim.

Cleverer "Club"



Ganz im Stile einer Spitzenmannschaft hat der 1. FC Nürnberg agiert. Im Spiel gegen den VfL Wolfsburg lief der "Club" 6,1 Kilometer weniger als die "Wölfe" (113,6 km vs. 119,7 km), stellten aber die Räume zu und hatten den Gast aus Niedersachsen somit fest im Griff. Unter anderem führte die Zweikampfstärke der Franken dazu, dass der VfL nur drei Torschüsse abgab. So wenige wie noch nie, seit Wolfsburg in der Bundesliga spielt.

Fast so viele Torschüsse wie die gesamte Mannschaft von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner hatte Timo Gebhart. Der im Sommer vom VfB Stuttgart gekommene Außenbahnspieler feuerte zwei Mal auf Diego Benaglios Kasten - und versenkte einen davon mit einem sehenswerten Kopfballtreffer. Damit belohnte sich der 23-Jährige (49 Ballkontakte, 11,5 km Laufdistanz) für eine gute Partie und verbuchte nach zuletzt zwei Vorlagen auch sein erstes Tor im "Club"-Dress.

Dominante Bayern



Beim FC Bayern stellte sich die Laufstatistik am 10. Spieltag etwas anders dar als gewohnt. Die Münchner, die sonst immer getreu dem Motto "Gegner und Ball laufen lassen" auftreten, liefen diesmal sogar einen Tick mehr als der Hamburger SV (FCB: 114,6 km - HSV: 114,3 km), waren aber in allen anderen relevanten Kategorien drücken überlegen - 14:7 Torschüsse, 57,1 Prozent gewonnene Zweikämpfe und 52 Prozent Ballbesitz verdeutlichen, dass der Rekordmeister den neunten Saisonsieg an der Elbe zu recht eingefahren hat.

Angeführt wurde das Star-Ensemble von den beiden Arbeitstieren Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller. Während Ersterer wie gewohnt im zentralen Mittelfeld rackerte und antrieb, dabei 11,84 Kilometer abspulte, wuselte Müller (11,56 km) wie immer in der gesamten Offensive des FCB herum und belohnte sich für diesen unermüdlichen Einsatz mit seinem siebten Saisontor und dem geteilten 2. Platz in der Torjäger-Statistik.

Drei Treffer weiter hinten rangiert dort Bastian Schweinsteiger, der bei den "Rothosen" per Flugkopfball sein viertes Saisontor besorgte und der torgefährlichste defensive Mittelfeldspieler der Liga ist. Vier Buden verzeichnet seit der Partie in Hamburg auch Zehner Toni Kroos. Der meist in der gebürtige Greifswalder spulte bis zu seiner Auswechslung in der 75. Minute 9,16 Kilometer ab, bereitete das 1:0 durch Schweinsteiger vor und setzte mit seinem Tor zum 3:0-Endstand das i-Tüpfelchen auf die souveräne Leistung des klaren Tabellenführers.

Gregor Nentwig