Mönchengladbach - Der Mann des Tages ließ lieber Taten sprechen. Pierre-Michel Lasogga genoss seine beiden Tore beim 3:0-Sieg des Hamburger SV in Mönchengladbach lieber im stillen Kämmerlein zusammen mit seinen Teamkollegen, als die wartende Medienschar an seinem Gefühlsleben teilnehmen zu lassen. Das Loblied auf den Stürmer sangen andere.

Nach einer Seuchensaison scheint Pierre-Michel Lasogga wieder fast an seine Bestform aus der Spielzeit 2013/14 anknüpfen zu können. Damals gelangen dem 23-Jährigen bei seinen 20 Einsätzen bemerkenswerte 13 Treffer. Im Vorjahr dagegen lief nicht viel bei ihm zusammen, am Ende standen eher kümmerliche vier Tore zu Buche.

Zweitbester Goalgetter

Nach seinem Doppelpack im Borussia-Park schraubte der 1,89-Meter-Mann sein Torkonto auf bereits drei Buden in dieser Saison hoch. Damit liegt er in der aktuellen Torjägerliste hinter Bayerns Thomas Müller auf Platz 2. In Mönchengladbach gefiel Lasogga durch seine Präsenz. Beim ersten Tor lauerte er auf den Fehlpass, der prompt folgte, beim zweiten wuchtete er eine Ecke mit dem Kopf unwiderstehlich ins Netz.

Viermal und damit häufiger als jeder andere Spieler auf dem Platz visierte er den gegnerischen Kasten an, zweimal traf er. "Er ist ein Stürmer, der nicht viele Chancen braucht. Wenn er Selbstvertrauen hat und ins Spiel kommt, ist er brandgefährlich", weiß Ivo Ilicevic, der Lasogga das zweite Tor auflegte.

"Er hat wieder Selbstvertrauen"

"Die Tore waren wichtig für ihn", freute sich Teamkollege Johan Djourou für seinen Mittelstürmer. "Er hatte eine schwere Zeit, hat aber auch schon gegen Stuttgart getroffen. Jetzt hat er das Selbstvertrauen wieder. Er ist sehr wichtig für uns. Jeder Stürmer braucht Vertrauen und hat mal eine schwierige Periode." Diese schwere Phase hat Pierre-Michel Lasogga nun erst einmal überwunden.

Vor zwei Jahren noch war er der gefeierte Leihspieler aus Berlin. Dann verpflichtete ihn der HSV fest. Doch Lasogga büßte seine Unbeschwertheit ein, kämpfte mit Verletzungsproblemen und verlor seine Form. Erst Bruno Labbadia brachte ihn wieder in die Spur, beim wichtigen 3:2-Sieg auf der Zielgeraden der vergangenen Saison glänzte der Stürmer mit zwei Toren.

"Konkurrenzkampf ist bereichernd für ihn"

In dieser Saison muss der gebürtige Gladbecker mit Neuzugang Sven Schipplock um den Platz im Sturmzentrum kämpfen. Das scheint ihm gut zu tun. "Der Konkurrenzkampf mit Sven Schipplock ist bereichernd für ihn", glaubt HSV-Sportdirektor Peter Knäbel. "Für uns ist wichtig, dass Lasogga gut arbeitet. Er kam von der Bank gegen Stuttgart und war da. Gegen Gladbach hat er seine Aufstellung mehr als gerechtfertigt."

So steht der Hamburger SV nun nach einem sehr anspruchsvollen Auftaktprogramm mit drei Auswärtspartien an den ersten vier Spieltagen, darunter die Spiele bei den Champions-League-Teilnehmern Bayern München und Borussia Mönchengladbach, mit sechs Punkten gut da. "Die Ausbeute ist schwer okay", findet Peter Knäbel.

Am kommenden Spieltag wartet das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt auf den wiedererstarkten HSV. Nach seiner Galavorstellung am Niederrhein dürfte Pierre-Michel Lasogga gute Karten besitzen, wieder in der Startelf aufzulaufen. In seiner aktuellen Form ist er auf jeden Fall ein sehr wichtiger Faktor für die Rothosen.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski