Hannover -Auch unter ihrem neuen Trainer Michael Frontzeck gelang Hannover gegen Hoffenheim nicht der erhoffte Befreiungsschlag im Abstiegskampf (Spielbericht). Weiterhin bleiben die Roten im Jahr 2015 ohne dreifachen Punktgewinn. Insgesamt haben die Hannoveraner 14 Spiele lang nicht mehr gewonnen.

Kapitän Lars Stindl, der das zwischenzeitliche 1:1 per Elfmeter erzielte, glaubt trotzdem noch an die Rettung und spricht im Interview über seine Gefühlslage und über den guten Zusammenhalt in der Mannschaft.

Frage: Herr Stindl wieder steht Hannover 96 mit leeren Händen da. Kann sich die Mannschaft nach der unglücklichen Heimniederlage irgendetwas ankreiden lassen?

Lars Stindl: Es war alles angerichtet dafür, das Spiel heute Nachmittag zu gewinnen. Die Fans und die Mannschaft haben alles dafür getan. Man hat gesehen, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten und dann bekommen wir in unserer Situation ein fragwürdiges Gegentor nach einer Minute. So ist das wenn man unten steht.

"Überhaupt nicht an Einzelnen festzumachen"

Frage: Nach dem schnellen Rückstand sind Sie aber gut zurückgekommen.

Stindl: Ja, das stimmt. Wir kommen dann gut zurück in die Partie und gleichen aus und spielen ein sehr gute erste Halbzeit. Das noch nicht alles geklappt hat, ist klar. Nach Wiederbeginn kommen wir dann mit Elan aus der Kabine und wollten unbedingt das 2:1 machen. Wir haben auch ein paar gute Chancen und dann macht Hoffenheim mit der ersten guten Chance im zweiten Durchgang das 1:2 und dadurch stehen wir am Ende wieder mit leeren Händen da.

Frage: Vor dem entscheidenden 1:2 durch den Hoffenheimer Sven Schipplock steht Teamkollege Marcelo falsch und ermöglicht Adam Szalai seelenruhig zu flanken. Kommen einzelne Spieler mit dem immensen Druck nicht klar?

Lars Stindl: Nein, es ist überhaupt nicht an Einzelnen festzumachen. Dass die Situation für uns unbefriedigend ist, ist ja klar. Ich würde aber auch lügen, wenn ich sage, dass es keine Kopfsache ist, der Druck ist natürlich irgendwie da. Wir versuchen aber gegen diesen Druck und gegen dieses Unterbewusste anzugehen und haben uns bemüht die entscheidenden Situationen für uns zu entscheiden. Es gelang zwar nicht alles, aber wir haben vor allem auch in der Offensive unser Bestes gegeben und uns Chancen erarbeitet. Aber das gewisse Etwas fehlt halt gerade. Wir haben aber noch vier Spiele und unsere Leistung - abgesehen vom Ergebnis - stimmt mich zuversichtlich für die finalen Wochen.

"So etwas wollen wir nicht mehr hören"

Frage: Beim Strafstoß haben Sie als Kapitän Verantwortung übernommen. Haben Sie sich einfach gut gefühlt und geschossen, oder waren Sie als Schütze eingeplant?

Lars Stindl: Es war vorher klar, dass ich den Strafstoß schieße. Ich bin sehr froh, dass er reingegangen ist. Es ärgert mich aber sehr, dass ich mir noch die fünfte Gelbe Karte eingehandelt habe und im Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg zuschauen muss.

Frage: Was hat ihr neuer Trainer Michael Frontzeck in den paar Tagen seit seiner Amtseinführung anders gemacht als Vorgänger Korkut?

Lars Stindl: Natürlich haben wir gemerkt, dass ein Trainerwechsel vollzogen wurde. Ein neuer Coach hat immer seine eigenen Ideen. Er hat einen anderen Rhythmus reingebracht. Jeder Trainer hat seinen eigenen Spielformen, die er trainieren lässt.

Frage: Viele Experten assistieren Hannover 96 eigentlich zu gut für den Abstiegskampf zu sein. Bekommt die Mannschaft trotz der langen Serie ohne Sieg noch rechtzeitig die Kurve?

Stindl: So etwas wollen wir nicht mehr hören. Es ist eine sehr gefährliche Situation, wird sind mittendrin im Abstiegskampf. Wir brauchen unbedingt Punkte, am besten Siege und das ist auch der Tenor in der Mannschaft, darüber sind wir uns auch einig und uns auch absolut bewusst. Gut spielen, schlecht spielen - wir müssen irgendwie die Punkte holen.

Aufgezeichnet von Alexander Barklage aus Hannover