Mönchengladbach - Zum Saisonstart tat sich Lars Stindl noch sehr schwer bei Borussia Mönchengladbach. Wie die ganze Mannschaft. Doch inzwischen läuft es bei ihm und den Fohlen glänzend. Mit seinen beiden Toren beim 4:2-Erfolg gegen den FC Sevilla legte Stindl den Grundstein zum ersten Dreier der Borussia in der Champions League.

Der "Man of the Match" kam spät in die Mixed Zone. Modisch gekleidet und mit einer Cap auf dem Kopf gesellte sich Lars Stindl lässig zur Meute der Medienvertreter, die bis eine halbe Stunde vor Mitternacht ausgeharrt hatten, um ein paar Aussagen des Doppelpackers zu ergattern. Stindl hatte das erste und letzte Tor der Borussia beim 4:2-Spektakel geschossen und eine überragende Leistung abgeliefert.

Sommer: "Lars ist eiskalt"

Großartig feiern lassen wollte sich der 27-Jährige für seinen Gala-Auftritt aber nicht. Stattdessen betonte er, dass "die ganze Mannschaft eine gute Leistung gezeigt hat". Die Lobeshymnen auf Stindl sangen andere. Zum Beispiel Borussia-Keeper Yann Sommer, der von hinten genau verfolgt, wie sich der Teamkollege in den Dienst der Mannschaft stellt. "Wir spielen ein unglaubliches Gegenpressing, das es jedem Gegner sehr schwer macht. Dafür sind die Offensivkräfte sehr wichtig", sagt Sommer. Aber nicht nur das.

"Lars ist eiskalt und ein sehr wichtiger Spieler für uns. Er ist vorne unglaublich gefährlich, auch mit seinen Weitschüssen", lobt der Torhüter. "Er hat immer eine gute Idee. Man sieht einfach, dass es vorne stimmt und die Stürmer wissen, wie und in welche Räume sie laufen müssen. Dahin kommen dann auch die Bälle. Das zeichnet eine eingespielte Mannschaft aus."

Seit dem Amtsantritt von Andre Schubert (Video: Erfolgscoach André Schubert im Portrait) ist Stindls Rolle in der Mannschaft klar definiert. Zusammen mit Raffael, der noch einen Ticken weiter vorne spielt, bildet er ein brandgefährliches Sturmduo. Dort fühlt sich der aus Hannover gekommene Offensivmann am wohlsten, dort kann er seine Qualitäten am besten zur Entfaltung bringen. Gegen Sevilla hatte er beim Führungstreffer zum 1:0 den richtigen Riecher, als er nach einem Schuss von Granit Xhaka durchstartete und abstaubte. Sein zweites Tor war ein sehenswerter Weitschuss.

Unter Schubert blüht Stindl auf

Zwei Tore, ein Assist zum dritten Treffer von Raffael, eine Passquote von 90 Prozent beim Mitspieler angekommenen Zuspielen - die Daten stellen Lars Stindl ein glänzendes Zeugnis aus. In der Champions League ist er mit nun drei Treffern Borussias Torjäger Nummer 1, auch in der Bundesliga und im DFB-Pokal netzte er schon jeweils dreimal ein. "Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Lars für uns ein sehr wichtiger Spieler ist", freute sich Borussia-Sportdirektor Max Eberl.

Das sah am Anfang der Saison noch ganz anders aus. Der damalige Trainer Lucien Favre wusste nicht so recht wohin mit Stindl. Er probierte ihn auf mehreren Positionen im Mittelfeld aus, überzeugen konnte der Ex-Hannoveraner nicht. Der Tiefpunkt war beim Hinspiel in Sevilla (0:3) erreicht, als Stindl so gut wie nichts gelang und er dann drei Tage später beim rheinischen Derby beim 1. FC Köln (0:1) 90 Minuten auf der Bank schmoren musste. Die weitere Entwicklung seitdem ist bekannt. Favre trat zurück, Schubert übernahm, Stindl blühte auf.

"Lars ist seit mehreren Spielen in einer guten Form. Er hält die Bälle gut, er verteilt sie gut. Er hat einen sehr guten Abschluss", sagt Fabian Johnson. Lars Stindl ist längst die gewünschte Verstärkung. Die Mitspieler honorieren das. "Tschüss Lars und danke für die zwei Tore", rief Granit Xhaka lachend durch die ganze Mixed Zone, als er Stindl bei dessen Interviewmarathon entdeckte. So kann das gerne weitergehen.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski

"Fokus auf der Bundesliga" - Lars Stindl im Interview