Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat seine Chance, international zu überwintern gewahrt. Und wie. Die Fohlen besiegten in einem begeisternden Spiel in der Champions League den letztjährigen Europa-League-Sieger FC Sevilla nach einem Offensivfeuerwerk verdient mit 4:2. Damit zogen die Borussen an den Spaniern, auf die sie nun zwei Punkte Vorsprung haben, vorbei auf Platz 3 in der Gruppe. Überragender Mann auf dem Platz war Lars Stindl, der zwei Tore zum Sieg beisteuerte. Nach dem Spiel stand er Rede und Antwort.

Frage: Herzlichen Glückwunsch, Lars Stindl, zum ersten Sieg in der Champions League und Ihrem Doppelpack. Sie hätten heute auch mit verbundenen Augen spielen können oder?

Lars Stindl: Nein. Ich glaube, dass wir insgesamt ein gutes Champions-League-Spiel gemacht haben. Wir haben uns den Sieg erarbeitet. Ich bin sehr froh, dass wir jetzt endlich den ersten Sieg geholt haben und an Sevilla vorbei gezogen sind. Das war unser primäres Ziel. In den letzten Spielen haben wir uns für die guten Leistungen nicht richtig belohnt. Deshalb wollten wir heute unbedingt gewinnen, um auch zu zeigen, dass wir in der Champions League gewinnen können. Das ist uns sehr gut gelungen.

Frage: Als Matchwinner würden Sie sich nicht bezeichnen?

Stindl: Nein. Ich weiß natürlich, dass ich doppelt getroffen habe und freue mich auch sehr darüber. Schließlich haben wir alle früher einmal von den Spielen in der Champions League geträumt und darauf hingefiebert. Es ist etwas ganz Besonderes auch für mich. Aber trotzdem glaube ich, dass die ganze Mannschaft eine gute Leistung gezeigt hat. Auch das Tor von Fabi (Fabian Johnson, die Red.) oder wie wir hinten verteidigt haben, war super. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht und deshalb auch verdient gewonnen.

"Haben gezeigt, dass wir in der Gruppe mithalten können"

Frage: Jetzt hat die Borussia ihr Endspiel in Manchester um die Teilnahme an der Europa League.

Stindl: Das war unser Ziel. Tenor in der Truppe war auch vor allem, dass wir Sevilla endlich einmal schlagen wollen. Im Hinspiel haben wir nicht gut gespielt. Das war eins unserer schwächeren Spiele. Danach haben wir gezeigt, dass wir in der Gruppe mithalten können. Wir können uns jetzt noch ein bisschen über die verlorenen Punkte in den ersten beiden Spielen ärgern. Aber jetzt haben wir die Chance auf die Europa League. Wir werden in Manchester alles dafür tun, um den 3. Platz zu verteidigen.

Frage: Haben Sie im Laufe der Gruppenphase auch gelernt, abgezockter zu spielen?

Stindl: Ich denke, dass die Jungs in den letzten Jahren schon gewisse Erfahrungen in großen Spielen gemacht haben. Die Mannschaft war schon in der K.-o.-Phase in der Europa League. Da lernt man dazu. Man bekommt eine gewisse Routine in die Abläufe. Das tut uns gut. Nichtsdestotrotz gibt es auch immer wieder Phasen, in denen wir es besser hätten spielen können oder müssen. Ansonsten war es ein gelungener Abend.

"Wir hätten den ganz großen Coup landen können"

Frage: Beim Stand von 3:0 hatte die Borussia den direkten Vergleich mit Sevilla ausgleichen können, wodurch in Manchester wahrscheinlich bereits ein Remis zum Weiterkommen gereicht hätte. Das könnte jetzt zu wenig sein. Wie ärgerlich sind dann noch die Gegentore in der Schlussphase?

© gettyimages / Dennis Grombkowski/Bongarts

Stindl: Ich habe kurz daran gedacht, dass der direkte Vergleich dadurch ausgeglichen war. Die Spieler von Sevilla wirkten auch etwas demotiviert. Wir hätten den ganz großen Coup landen können. Aber wir sind trotzdem sehr glücklich darüber, dass wir das Spiel gewonnen haben. Wir haben die Chance, uns im letzten Spiel für die Europa League zu qualifizieren.

Frage: Waren die beiden Spiele gegen Sevilla auch ein bisschen spiegelbildlich für die Entwicklung von Lars Stindl bei der Borussia, der am Anfang der Saison noch Probleme hatte, seine Rolle zu finden und nun ein ganz wichtiger Spieler ist?

Stindl: Ich weiß, dass es zu Beginn für mich nicht ganz einfach war. Das Spiel in Sevilla war mit mein schwächstes Spiel. Das war aber nicht der Position, sondern meiner Leistung geschuldet, die an dem Tag und in der Phase einfach nicht gestimmt hat. Jetzt bin ich froh, dass es insgesamt so gut läuft. Wir spielen wieder eine sehr gute Rolle in der Bundesliga und haben jetzt auch in der Champions League den ersten Dreier geholt. Jetzt wollen wir Anfang Dezember in Manchester die Europa League perfekt machen. Das ist unser Ziel. Wir haben bis Weihnachten noch ein paar schwere und entscheidende Spiele. Auf die freuen wir uns.

"Werden in Manchester alles in die Waagschale werfen"

Frage: Mit welchen Gefühlen werden Sie nach Manchester fahren?

Stindl: Die Ausgangslage ist klar. Wir spielen in Manchester, Sevilla empfängt Juventus. Das sind zwei schwierige Spiele, in denen wir und Sevilla Außenseiter sind. Nichtsdestotrotz werden wir nach Manchester reisen und alles, was wir haben, in die Waagschale werfen. Wir haben gegen City zuhause ein gutes Spiel gemacht und sind erst sehr spät bestraft worden. Ich habe, dass wir aus dem Spiel gelernt haben. Wir wollen in Manchester die Gruppenphase positiv beenden. Wir haben es in den letzten Wochen national und international gut gemacht und hoffen, dass wir auch im nächsten Jahr noch international dabei sind.

Frage: Wie erklären Sie sich diesen unglaublichen Lauf von neun Siegen in 13 Pflichtspielen seit dem Fehlstart von null Punkten aus den ersten sechs Partie in der Bundesliga und der Champions League?

Stindl: Den Start hatten wir uns sicher alle ganz anders gewünscht. Wir sind jetzt seit ein paar Wochen auf einem richtig guten Weg. Wir spielen sehr gut und gewinnen auch Spiele, in denen wir nicht so überzeugend sind. Das ist auch eine Qualität.

"Hoffenheim wird eine schwere Nuss"

Frage: Nächster Gegner in der Bundesliga ist die TSG Hoffenheim, eine Mannschaft, die wie die Borussia schlecht in die Bundesliga gestartet ist und den Turnaround noch immer nicht geschafft hat. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Stindl: Die Hoffenheimer haben eigentlich einen relativ guten Kader und haben selbst nicht damit gerechnet, dass sie solche Probleme haben. Sie haben den Trainer gewechselt. Man kann jetzt schon die Handschrift von Huub Stevens erkennen. Das Spiel wird eine schwere Nuss. Jetzt freuen wir uns aber erst einmal über den Sieg, werden uns am Donnerstag regenerieren und ab Freitag den Fokus auf das Spiel in Hoffenheim richten.

Frage: Wie schwer ist es, nach so einem Highlight in der Champions League wieder den Schalter auf Bundesliga und Hoffenheim umzulegen?

Stindl: Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir das können. Wir haben in der Champions League Feste gefeiert, aber danach auch gewusst, worauf es ankommt: Das ist die Bundesliga. Auf ihr liegt unser Fokus. Das haben wir vor der Saison schon gesagt, und das ist immer noch so.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski