Köln - Lars Ricken hat, seit er 14 Jahre alt ist, nur für Borussia Dortmund gespielt und mit dem BVB drei Meisterschaften, die Champions League und auch zweimal den Supercup gewonnen. Seit 2008 ist der 40-Jährige Nachwuchskoordinator bei Borussia Dortmund. Vor dem diesjährigen Supercup zwischen der Borussia und Meister Bayern München am kommenden Sonntag um 20:30 Uhr spricht Lars Ricken im Interview mit bundesliga.de über den Stellenwert des Wettbewerbs, die Rückkehr von Mario Götze und den neuen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.

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bundesliga.de: Herr Ricken, welchen Stellenwert messen Sie dem Supercup 2016 bei?

Lars Ricken: Den Stellenwert des Supercups werden wir sicher schon an den Aufstellungen der beiden Mannschaften sehen. Sowohl die Bayern als auch wir nehmen den Supercup sehr ernst. In den letzten Jahren hat ja meistens der Meister nicht gewonnen. Vielleicht liegt deshalb ein leichter Vorteil bei uns. Natürlich erwarten wir ein Spiel mit großer Spannung. Zudem laufen Mario Götze als ehemaliger Bayern-Spieler und Mats Hummels als ehemaliger Dortmunder auf. Alleine deswegen ist schon genug Brisanz in der Partie. Insofern werden beide Mannschaften dieses Spiel mit Sicherheit nicht als ein weiteres Vorbereitungsspiel angehen, sondern sehr motiviert zur Sache gehen, weil das Spiel auch kurz vor dem Bundesliga-Start stattfindet.

bundesliga.de: Das Stadion ist ausverkauft, der Rahmen wird passen.

Ricken: Unsere Fans können es kaum erwarten, dass es wieder los geht. Die Sommerpause war lange genug. Deshalb wird es ein dem Supercup entsprechend würdiges Ambiente geben.

bundesliga.de: Worauf sind Sie vor allem gespannt?

Ricken: Wir haben in der Bundesliga in dieser Saison vielleicht den spannendsten Kader. Wir haben diverse Abgänge, aber auch extrem interessante und kluge Neuverpflichtungen getätigt. Insofern wird es spannend sein zu sehen, wie die neue Mannschaft auftritt. In den letzten Jahren hatten wir ein Team, das über eine lange Zeit zusammengewachsen ist. Jetzt haben wir einen Umbruch mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern und Spielern, die schon lange da sind. Dazu ist Mario Götze zurückgekommen. Zurzeit schätze ich unsere Mannschaft wie gesagt als die spannendste ein.

"Götze zeigt in wichtigen Spielen seine absolute Klasse"

© imago / Thomas Bielefeld

bundesliga.de: Mit dem BVB selbst und Wolfsburg im Vorjahr sind die beiden letzten Supercup-Sieger in der folgenden Saison ihren Ansprüchen deutlich hinterher gehinkt. Ist das ein schlechtes Omen?

Ricken: (lacht) Wenn Statistiken für einen positiv sind, kann man sie gerne beachten. Ansonsten sollte man sie unbeachtet in den Papierkorb werfen.

bundesliga.de: Am Sonntag werden auf Dortmunder Seite Mario Götze und Sebastian Rode auf ihren Ex-Verein treffen, auf Münchener Seite Mats Hummels. Wie schnell werden diese Spieler in ihrem neuen Verein integriert sein?

Ricken: Sebastian Rode ist ja schon seit einigen Wochen im Training dabei. Was man so gehört hat, hat er sich bereits sehr gut akklimatisiert. Er ist auch ein Typ, der mit seiner Spielweise in einer Mannschaft gut ankommt. Und für Mario ist es überhaupt kein Problem. Es sind noch genügend Spieler da, mit denen er noch zusammengespielt hat. Er kennt das Umfeld, seine Mitspieler sind alle dankbar, dass ein so toller Spieler wie Mario wieder bei Borussia Dortmund spielt. Da wird es keine Probleme geben.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass er genauso wie Andre Schürrle wieder zu seiner absoluten Topform zurückfinden kann?

Ricken: Ja. Man hat von außen das Gefühl, dass beide mit Spaß und Freude bei der Sache sind. Mario wird auch in den entscheidenden Spielen wieder eingreifen dürfen, was bei den Bayern oftmals nicht der Fall war. Insbesondere in der letzten Saison hat er bei bei den entscheidenden Spielen meistens nicht gespielt. Aber gerade in solchen Partien hat er in Dortmund aber auch bei der Nationalmannschaft gezeigt: Je wichtiger und bedeutender die Spiele sind, umso mehr zeigt er seine absolute Klasse und Topform. Es ist schön, dass er bei Borussia Dortmund dazu wieder die Möglichkeit bekommt.

"Carlo Ancelotti bringt eine neue Note rein"

© gettyimages

bundesliga.de: Während in Dortmund ein größerer Umbruch im Kader stattgefunden hat, sitzt beim FC Bayern ein neuer Trainer bei einer Mannschaft auf der Bank, die sich nicht allzu sehr verändert hat. Wie spannend wird es für Sie zu sehen sein, wie Carlo Ancelotti die Gier der Mannschaft auf weitere Titel am Leben halten kann?

Ricken: Die Bayern werden auch weiterhin die Gier auf Titel haben. Das haben Sie in den letzten Jahren schon gezeigt. Auch nach dem Triple war die Titelgier nicht weg. Auch wenn Matthias Sammer als Sportdirektor nicht mehr da ist, hat der FC Bayern dieses Gen gepaart mit der sportlichen Klasse in sich. Bei dem neuen Trainer wird sich jeder Spieler auch neu beweisen wollen. Carlo Ancelotti bringt eine neue Note rein. Und das, was Pep Guardiola drei Jahre lang erarbeitet hat, ist ja auch nicht weg. Deshalb ist davon auszugehen, dass es wieder eine ziemlich gute Saison der Bayern werden wird.

bundesliga.de: Wie sehen Ihre eigenen Erinnerungen an den Supercup aus? Wie hat er sich verändert?

Ricken: Zu meiner Zeit hatte der Supercup noch nicht so die Bedeutung. Ich habe ihn mal gewonnen, aber ich weiß gar nicht wie oft (1995 und 1996, also zweimal, die Red.). Heute wird dieses Spiel anders angegangen, das sieht man schon am Rahmenprogramm. Früher sind wir teilweise mit einer B-Mannschaft angetreten. Die Reputation des Supercup ist seitdem enorm gestiegen.

bundesliga.de: Wie geht das Spiel am Sonntag aus?

Ricken: Wir gewinnen 1:0.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski