Leverkusen - Nach drei Niederlagen in Folge und 411 torlosen Minuten hat sich Bayer 04 Leverkusen mit einem verdienten 1:0-Heimsieg gegen den 1. FSV Mainz 05 zurückgemeldet. Die Werkself kämpfte sich aus der kleinen sportlichen Krise, die am Wochenende beim 0:3 in Dortmund ihren negativen Höhepunkt erreicht hatte.

Die Rheinländer zeigten eine gute Reaktion und wollen nun in Bremen ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Im Interview spricht Bayer-04-Kapitän Lars Bender über die Fortschritte der Mannschaft, die Qualität von "Chicharito" und die Kritik von Rudi Völler.

bundesliga.de: Lars Bender, wie wichtig waren die drei Punkte gegen den 1. FSV Mainz 05 nach den jüngsten drei Niederlagen in Folge in der Bundesliga?

Bender: Sehr wichtig. Man hat gemerkt, dass es ein bisschen unruhig geworden ist, was man auch nachvollziehen konnte. Wir hatten uns den Start anders vorgestellt. Es hätten schon ein paar Punkte mehr sein müssen. Aber wir hatten die Punkte verdientermaßen nicht auf unserem Konto, weil wir in dem einen oder anderen Spiel nicht das wahre Gesicht von Bayer 04 gezeigt haben. Das war diesmal besser.

"Wir waren die dominierende Mannschaft"

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bundesliga.de: Nimmt man in so einer Situation dann auch mal gerne ein "dreckiges" 1:0 mit?

Bender: Als "dreckig" würde ich den Sieg nicht bezeichnen. Wir hatten von Anfang an eine ganz andere Wirkung auf dem Platz und haben recht ordentlich Fußball gespielt. Wir waren die dominierende Mannschaft, in der ersten Halbzeit allerdings nur bis zum Strafraum. Da hat uns nur das Spiel in die Box gefehlt, aber die sollte man auch mit reinnehmen, wenn man ein Tor machen möchte. Im letzten Drittel hat uns die Coolness und Cleverness gefehlt, der finale Pass hat gefehlt. In der zweiten Halbzeit haben wir das besser gemacht und am Ende auch verdient gewonnen. Wir waren spielerisch überlegen. In der einen oder anderen Situation hat ein bisschen die Lockerheit gefehlt. Das war aber in unserer Lage auch normal. Ich hoffe, dass die Lockerheit durch den Sieg wieder zurückkehrt.

bundesliga.de: Wie gut hat es der Mannschaft getan, nach 411 torlosen Minuten die Torflaute beendet zu haben?

Bender: Es war ungemein wichtig, in der jetzigen Phase gerade die Heimspiele zu gewinnen. Wir hatten uns fest vorgenommen, dieses Spiel mit aller Macht zu gewinnen. Dann tut so ein 1:0 auch gut. Über ein zweites Tor hätten wir uns auch noch gefreut. Aber am Ende stehen wir mit drei Punkten da. Das war das Wichtigste.

bundesliga.de: Wie geht es Ihrem Bein, nachdem Sie beim Spiel in Dortmund passen mussten?

Bender: Ich habe nach der Verletzung im Champions-League-Spiel gegen Borisov eine Woche nicht trainiert. Beim Test vor dem Dortmund-Spiel habe ich einen kleinen Rückschlag erlitten und konnte nicht spielen. Auch vor diesem Spiel war es sehr eng. Aber wir haben gesagt, dass wir es versuchen, so lange es geht. Ich hätte gerne die zwei Minuten länger gespielt und das Spiel durchgestanden. Aber das war am Ende des Tages egal.

"Chicharito bringt Qualität und Erfahrung mit"

bundesliga.de: Wie haben Sie "Chicharito", den Schützen des goldenen Tores, gesehen?

Bender: Er hat seine Qualität abgerufen. Man hat heute gemerkt, dass er einen Schritt weiter ist und besser in der Mannschaft zurecht kommt. Für ihn war es schwer, als neuer Spieler in den laufenden Spielbetrieb zu kommen. Er bringt Qualität und Erfahrung mit und hat es sehr gut gemacht. Ich glaube, dass ihm das Tor gut tun und einen weiteren Schub geben wird.

bundesliga.de: Wie sehr haben die Mannschaft die Aussagen von Rudi Völler getroffen, der meinte die Spieler müssten aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen?

Bender: Was er nach dem Dortmund-Spiel damit sagen wollte, war das, was auch jeder gefühlt hat. Wir hatten in Dortmund eine ganz schlechte Wirkung auf dem Platz. Man kann am Ende des Tages ein Spiel in Dortmund verlieren. Es kommt auf die Art und Weise an. Unser Auftreten war nicht gut. Deswegen muss der Ton dann auch mal etwas rauer sein. Das war sicherlich angebracht und angemessen.

"Wir sind immer selbstbewusst"

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bundesliga.de: Wie ordnet sich Bayer 04 nun schon etwas abgeschlagen hinter Bayern München und Borussia Dortmund ein?

Bender: Für uns war wichtig, Mainz zu schlagen. Man hat schon gemerkt, dass es vor dem Spiel unruhig war. Wir haben eine junge Truppe, in der jeder Einzelne erst einmal Rückschläge wegstecken muss. Das schafft man nur übers Team. Wir hoffen, dass nun wieder die Lockerheit zurückkehrt, und wollen in Bremen nachlegen. Dann sind wir auch wieder in der Spur.

bundesliga.de: Kann Bayer 04 jetzt mit etwas mehr Selbstbewusstsein nach Bremen fahren?

Bender: Wir sind immer selbstbewusst. Wenn wir unsere Spielweise und Mentalität auf den Platz kriegen, können wir jeden Gegner bespielen und bezwingen. Heute haben wir wieder das Gesicht gezeigt, dass Bayer 04 gerade im vergangenen Jahr ausgezeichnet hat. Wenn wir das tun, dann können wir die Spiele gewinnen. Das Fundament unseres Spiels ist die Einsatzbereitschaft, die Mentalität und der Wille. Das haben wir gegen Mainz gut gemacht.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski