Hannover - Mit ihrer tollen Saison hat die Mannschaft von Hannover 96 in der Region um die niedersächsische Landeshauptstadt einen wahren Fußball-Boom ausgelöst.

Waren in den ersten zwei Dritteln der Saison gerade mal die "Selbstgänger" gegen Bayern München, Schalke 04 und dem Hamburger SV ausverkauft, hätte der Verein zum Ende der Saison selbst gegen Vereine wie Hoffenheim und Abstiegskandidat Borussia Mönchengladbach weit mehr als die vorhandenen 49.000 Tickets verkaufen können. Erfolge schweißen zusammen.

Das galt zum Saisonabschluss auch für eine hannoversche Kultband: Zur Feier der Europa-League-Qualifikation stand ertmals seit der Trennung im Jahre 2008 Fury in the Slaughterhouse wieder in Originalbesetzung auf der Bühne in der AWD-Arena und läuteten mit ihrem Hit "Won't forget these days" den "Feierabend" ein.

"Jetzt wird nur noch gefeiert"

Diese Tage wird man an der Leine so schnell in der Tat nicht vergessen. Und es sollte mehr als ein Abend werden. "Jetzt wird nur noch gefeiert", gab Torwart Ron-Robert Zieler das Motto für eine lange Nacht vor.

Und zum Feiern gab es Gründe genug: Mit dem 3:1 gegen den 1. FC Nürnberg beendete der Deutsche Meister von 1938 und 1954 die erfolgreichste Saison seiner Bundesliga-Geschichte und sicherte sich die erste Europapokal-Teilnahme seit dem sensationellen Gewinn des DFB-Pokals als Zweitligist im Jahre 1992.

Auch im Vorjahr wurde gefeiert

Ein Jahr zuvor hatten die Niedersachsen ebenfalls allen Grund, am Ende der Saison ausgelassen zu feiern. Am letzten Spieltag wurde mit einem 3:0 beim VfL Bochum der Abstieg vermieden.

"Auf die Feier hätte ich gern verzichtet, wenn dafür der Klassenerhalt früher geschafft worden wäre", zieht Urgestein Altin Lala, der seit 1998 seine Schuhe für Hannover 96 schnürt und dessen Vertrag im Alter von 35 Jahren gerade für ein weiteres Jahr verlängert wurde, gegenüber bundesliga.de den Vergleich zu 2010: "Der Grund zum Feiern ist dieses Jahr viel schöner."

Haggui erlöst Innenverteidigung

Besonders gute Laune hatte Karim Haggui: "In der Woche haben uns die Stürmer schon verarscht, das hat mich noch einmal richtig angestachelt", beschrieb der Tunesier seine Gefühle vor seinem Treffer zum 1:1. Es war nicht nur sein erstes Tor der Saison, sondern das einzige durch einen Innenverteidiger in der zu Ende gegangenen Spielzeit.

Mit einer kalten Dusche während der Pressekonferenz bezogen Haggui und Kollegen auch Ex-96-Trainer Dieter Hecking in die Feierlichkeiten mit ein. Der Nürnberg-Coach, der bereits vor der PK, ebenso wie sein Kollege Mirko Slomka, seinen sektdurchtränkten Trainingsanzug wechseln musste, stand ohne trockene Klamotten da.

Hecking ohne Klamotten

"Der Bus ist schon weg", sagte Hecking lachend - und nahm gern das Angebot Slomkas an, ihm trockene Kleidung zu leihen.
Während der Pressekonferenz gratulierte der 46-Jährige seinem Ex-Club artig zur Europapokal-Teilnahme, die "mehr als verdient" sei, und Slomka lobte den Club, der im Vorjahr den Abstieg erst in der Relegation gegen den FC Augsburg verhindern konnte, für "Platz 6" und "eine ähnlich tolle Saison wie wir".

Fragen der anwesenden Medienvertreter gab es dann nicht mehr, denn Slomka wollte zurück in die Arena, wo gemeinsam mit den Fans die lange Nacht eingeleitet wurde. Der sonst so coole Trainer griff sich ein Mikro und sang lauthals die Hymne "Europapokal, Europapokal".

Keine Prognose für 2011/12

Für die kommende Saison wollte Slomka keine Prognosen abgeben. "So ein Jahr zu wiederholen, wird sehr schwierig. Auf Dauer sollte es unser Ziel sein, uns unter den ersten Zehn der Liga zu etablieren", blieb der 43-Jährige realistisch.

"Aber jetzt reden wir nicht über Vergangenheit oder Zukunft, jetzt wird gefeiert", gab Slomka den Startschuss für eine die schwarz-weiß-grüne Nacht und ließ die Spieler von der Leine. Und wenn Europa nicht zum "Schlachthaus" für die 96er wird, gibt es auch in der kommenden Saison wieder reichlich Grund für die dritte Saisonabschluss-Fete in Folge.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs