Stuttgart - Nach der Niederlage gegen Bayern München im DFB-Pokal war die Stimmung beim VfB Stuttgart im Keller, nach dem Kantersieg gegen die Hertha jubeln die Schwaben wieder. Zu Recht. Die Labbadia-Truppe zeigte eine starkes Spiel, bei dem vor allem die Maßnahmen des Trainers fruchteten.

Irgendwie ist in Stuttgart seit der vergangenen Saison auch nach Siegen nicht immer alles wunderbar. Das lag diesmal nach dem beindruckenden 5:0-Erfolg gegen desolate Berliner vor allem an dem letzten Spiel. Chancenlos war da der VfB im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München, so chancenlos, dass man rund um die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena schon wieder das Abstiegsgespenst umhergeistern sah.

Mit Mut aus dem Tabellenkeller

Auch deshalb sah sich Christian Gentner am Samstagabend genötigt, gegenüber den Journalisten Klartext zu sprechen. "Der Druck vor dem Spiel gegen die Hertha war in keiner Weise mit dem Druck der letzten Spielzeit zu vergleichen", stellte er unmissverständlich fest. Und überhaupt sei man bei den Schwaben mittlerweile sowieso resistent gegen alle Arten von psychischer Herausforderung. Soweit Christian Gentner.

Bei einer Niederlage gegen Hertha hätte der VfB aber durchaus verstärkt in Richtung Tabellenkeller blicken müssen. Dass es nicht so weit gekommen ist, lag zum einen natürlich an der starken Leistung der VfB-Akteure, zum anderen aber auch, und das scheint bedeutend wichtiger, an Trainer Bruno Labbadia. Dem ist es nämlich gelungen, seinen gegen die Bayern so ängstlichen Akteuren gehörig Mut einzuflößen.

Keine Luft zum Atmen

Zahlreiche Einzelgespräche hatte es vor der Partie gegen Hertha gegeben. Von Auge zu Auge hatte Labbadia zusammen mit Manager Fredi Bobic versucht, seine Mannschaft an ihren Stärken zu erinnern. "Die Worte vom Trainer und Sportdirektor waren wichtig und gut. Trotz der schwierigen Situation haben sie Ruhe bewahrt, was sicher nicht einfach war", bestätigte Martin Harnik nach dem Spiel die erfolgreichen Aufbaumaßnahmen der Verantwortlichen. Wintereinkauf Vedad Ibisevic sprach davon, dass es "nach dem schlechten Spiel gegen Bayern" wichtig gewesen sei, eben diese Partie abzuhaken und sich voll auf die Bundesliga zu konzentrieren.

"Wir sind sehr geschlossen aufgetreten. Unser Grundstock war das Spiel gegen den Ball, davon leben wir", analysierte Labbadia bei der Pressekonferenz nach dem Sieg und brachte damit die Erfolgsformel auf den Punkt. Von der ersten Minute an attackierten die Schwaben ihren Gegner aus der Hauptstadt und ließen ihm beim Spielaufbau kaum Luft zum Atmen. Vor allem die beiden laufstarken Außenläufer Harnik, später noch umjubelter dreifacher Torschütze, und Shinji Okazaki, der ebenfalls traf, waren bei den Störaktionen maßgeblich beteiligt.

Anlehnung an das Borussen-Modell

Labbadia hatte nach dem Bayern-Spiel zu einem weiteren erfolgreichen Schachzug gegriffen und das Stuttgarter Spielsystem verändert. Er brachte mit Ibisevic nur einen richtigen Angreifer, der von den Flanken und Zuspielen von außen sichtlich profitierte. Zwar meinte Ibisevic, er könne grundsätzlich "alle Systeme" spielen, doch gegen die Hertha lieferte er zweifellos seine bislang beste Leistung im VfB-Dress ab. Und das lag nicht nur an seinem ersten Tor für die Schwaben, sondern auch an vielen blitzgescheiten Zuspielen und einem enormen läuferischen Aufwand, den er über die 90 Minuten betrieb.

Nun blicken die Schwaben nach vorne. "Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen", legte Ibisevic die Marschroute fest. Damit fahren beispielsweise die Dortmunder und die Mönchengladbacher Borussia sehr gut. Warum sollte diese Denkweise nicht auch beim VfB funktionieren?

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer