Mainz - Der Optimismus der Fans des Hamburger SV war riesig vor dem Anpfiff des Spiels beim 1. FSV Mainz 05: "Auswärtssieg, Auswärtssieg", riefen die Hamburger Anhänger mit voller Innbrunst. Dass sie dies auch nach dem Abpfiff skandieren konnten, verdankten sie einer Energieleistung ihrer Elf. Durch ein spätes Tor von Gojko Kacar (87.) verließen die Hamburger mit 2:1 (1:1) in Mainz nicht nur den Platz als Sieger, sondern auch einen Abstiegsplatz.

Der zweite Sieg in Serie im dritten Spiel mit dem neuen Trainer Bruno Labbadia nährt die Hoffnung, dass dieser HSV doch noch den Klassenerhalt schaffen kann. "Wir haben den zweiten Schritt gemacht – mehr nicht", warnte Labbadia aber vor zu großer Euphorie.

Schon am kommenden Freitag steht für den HSV das nächste Endspiel im Abstiegskampf an. Verteidiger Heiko Westermann, nach bitteren Niederlagen oft ein tapfer, verzagter Gesprächspartner für die Reporter, erklärte sogar, er freue sich nun auf die Partie gegen den SC Freiburg.

"Wir ziehen das jetzt durch"

Der HSV hat plötzlich eine Mannschaft, die an sich glaubt, Torwart Rene Adler erklärte überzeugt: "Wir gewinnen unsere Heimspiele und ziehen das jetzt durch." Der Schulterschluss mit den Fans ist gelungen. Und auch wenn in Mainz wieder sechs Spieler auf dem Platz standen, deren Zukunft beim HSV noch offen ist, oder die den Verein verlassen müssen (Westermann, Jansen, Kacar, Rajkovic, Ilicevic, van der Vaart), war das häufigste Wort aus dem Mund der HSV-Profis "Teamgeist". Labbadia interessiert nicht, was vorher war, er sagt: "Ich glaube an die Eigenmotivation der Spieler."

Labbadia ist der vierte Trainer in dieser erneut völlig vermaledeiten Saison. Ihn zu holen, war vermutlich die beste Entscheidung der Verantwortlichen Beiersdorfer, Peters und Knäbel. Der Fehler, Peter Knäbel, Direktor Profifußball, als Statthalter für Thomas Tuchel im Abstiegskampf als Trainer einzusetzen, kostete den HSV zuvor zwei bittere Niederlagen. Diesen Fehler im allerletzten Moment doch noch korrigiert zu haben, könnte den HSV nun doch noch vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte retten. Abwehrchef Johan Djourou sagt: "Wir haben plötzlich das Gefühl auf dem Platz, nur gewinnen zu können." Die Angst ist weg, die Hoffnung da beim HSV. Siegtorschütze Gojko Kacar meinte sogar: "Es ist Wahnsinn, wie glücklich man sein kann."

Kacar sorgt für die Erlösung

Dieser Kacar ist sehr beliebt im Team, Rene Adler sagt: "Gojko hat ein großes Herz, es freut mich für ihn besonders, er hat lange auf seine Einsätze warten müssen. Dass er so gut spielt, freut alle im Kader." Kacar wirkte fast ein bisschen schüchtern nach all den Lobeshymnen, sein Tor schilderte der Mittelfeldstratege so: "Ich habe vor der Ecke nur gehofft: Komm zu mir Ball, bitte komm zu mir". Danach schlenzte der Kroate die Kugel aus 16 Metern zum Siegtreffer ins Tor. Für Kacar freute sich auch Trainer Labbadia "ganz besonders und persönlich".

Für die Moral der Mannschaft spricht, dass sie nach dem späten Ausgleich von Yunus Malli (76.) weiter kompakt verteidigte und sogar noch den Siegtreffer erzielte. Von Rückschlägen lassen sich die Hamburger offenbar nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen. Im  Team herrscht offenbar plötzlich ein neuer Zusammenhalt, durch den Erfolg gegen Augsburg vergangene Woche wurde zudem die Bande mit den Fans wieder enger – jetzt, wo es um alles geht, halten Fans und Team in Hamburg zusammen. Und trotz des Verlassens eines Abstiegsplatzes bleiben die Spieler bescheiden. "Die Reise ist immer noch schwer", sagte Marcell Jansen. Und Heiko Westermann versprach: "Wir werden weiter gallig bleiben."

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter