Bruno Labbadia wirkte gelassen. Ruhig und entspannt beantwortete der Trainer des Hamburger SV die Fragen auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen Bayern Leverkusen (Sa., ab 18 Uhr im Live-Ticker), als wäre es ein Spiel wie jedes andere.

Dabei war der 43-Jährige in der vergangenen Saison noch Trainer bei Bayer, wechselte dann aber vor Ablauf seines Vertrages als Nachfolger von Martin Jol zum HSV.

"Es ist klar, dass darüber geredet wird, doch für mich ist das kein Thema. Es spielt ja der HSV gegen Leverkusen. Am Samstag treffen zwei sehr spielstarke Mannschaften aufeinander. Wir sprechen hier zu Recht von einem Spitzenspiel", sagte Labbadia.

"Interessantes Spiel mit hohen Tempo"

Sechs Siege, zwei Unentschieden - so lautet die Bilanz der beiden Kontrahenten bislang. Nur dank der besseren Tordifferenz steht Bayer ganz oben in der Tabelle.

"Es treffen zwei kreative Mannschaften aufeinander, die beide eine offensive Spielphilosophie haben. Ich erwarte ein interessantes Spiel mit sehr hohem Tempo und mit fußballerischer Qualität. Wir müssen eine Topleistung bringen, um zu gewinnen", sagte Labbadias Gegenüber Jupp Heynckes.

Verletzungssorgen kein Thema

Doch beim HSV ist vor dem Anpfiff die Frage nach der Offensive das größte Problem. Denn mit Mladen Petric und Paolo Guerrero fallen die beiden Top-Stürmer langfristig aus. Mit Marcus Berg steht nur noch ein echter Angreifer zur Verfügung, der Schwede hat aber noch nicht ganz die Form erreicht, mit der er im Sommer bei der U-21-Europameisterschaft geglänzt hat.

Das möchte Labbadia aber nicht als Ausrede gelten lassen: "Wir diskutieren nicht darüber. Denn wir können die Situation nicht ändern. Wir müssen jetzt noch ein bisschen mehr zusammenrücken und werden die Sache dann auch meistern."

Die Frage nach der Taktik

Die große Frage ist nun, ob die Hausherren das taktische System ändern, und mit Berg als einziger Spitze agieren, oder ob Labbadia das bislang praktizierte 4-4-2 System beibehält. Dann wäre Eljero Elia wohl als zweiter Stürmer angesagt. Der Niederländer ist auf alle Fälle bereit.

"Ich mache das, was der Trainer mir sagt. Ich werde alles dafür tun, damit ich der Mannschaft helfen kann", erklärte Elia, dem aber noch ein 50-Stunden-Trip mit der niederländischen Nationalmannschaft zu einem Testspiel in Australien in den Knochen steckt.

Bayer-Coach Heynckes glaubt derweil nicht, dass sich die Verletzungsmisere negativ auf die Leistung der "Rothosen" auswirken wird: "Ich bin mir sicher, dass es kein Problem für den HSV werden wird, das haben die zurückliegenden Wochen bereits gezeigt."

Besondere Anspannung bei Labbadia?

Für die Hamburger könnte sich zudem als Vorteil auswirken, dass Labbadia die gegnerischen Spieler noch alle sehr genau kennt. Doch auch das wollte Labbadia nicht überbewerten: "Ich kann meinen Spielern sicherlich die Stärken und Schwächen sagen. Aber es kommt auf die Tagesform an. Da entscheiden Kleinigkeiten. Ich werde mein Team wie gewohnt vorbereiten. Wir konzentrieren uns auf unser Spiel und unsere Stärken und bereiten uns dementsprechend vor."

Bei aller Gelassenheit und Routine - dass es für Labbadia am Samstag kein Spiel wie jedes andere sein wird, ließ er sich am Ende dann doch noch entlocken. "Vielleicht wird am Samstag bei mir eine besondere Anspannung aufkommen. Das kann schon sein."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis