Zusammenfassung

  • Im Pokal bei RB Leipzig feierte Kwasi Okyere Wriedt sein Bayern-Pflichtspieldebüt

  • Der Deutsch-Ghanaer wechselte im Sommer vom VfL Osnabrück zu Bayern München

  • Wriedt: "Manchmal denke ich, ich bin in irgendeinem Film"

Leipzig - Vom Nobody zum Pokalhelden: Um ein Haar wäre dies Kwasi Okyere Wriedt für den FC Bayern München gelungen. Beim umkämpften Sieg in Leipzig hatte der Nachwuchsstürmer den Siegtreffer in der Verlängerung auf dem Kopf, scheiterte allerdings an der Latte.

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"Es ist natürlich schade, dass der Ball nicht reingegangen ist. Das wäre eine perfekte Geschichte gewesen", sagte der 23-jährige Angreifer, den der Rekordmeister nach Saisonstart eigentlich für die Regionalliga-Reserve verpflichtet hatte, nach seinem Debüt für den FCB. Auch weil er damit die Wette mit seinem Trainer Jupp Heynckes nicht erfolgreich abschließen konnte: "Herr Heynckes hat gewettet, dass ich treffe. Ich hatte eigentlich auch ein gutes Gefühl im Spiel", strahlte Wriedt nach dem Weiterkommen im Elfmeterschießen.

Das erlösende 2:1 nur knapp verpasst: Wriedt scheitert per Kopf an der Latte
Das erlösende 2:1 nur knapp verpasst: Wriedt scheitert per Kopf an der Latte © imago / Foto2press

Aus der Regionalliga-Reserve in den Profikader

In der 100. Minute war seine Zeit gekommen – für Thiago, der die Münchener mit seinem Treffer zum 1:1 überhaupt erst in die Verlängerung geschossen hatte, kam der in Hamburg geborene Deutsch-Ghanaer zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz in der Profimannschaft der Bayern. "Da habe ich dann schon eine Minute gebraucht, um zu fassen, mit was für Leuten ich da eigentlich auf dem Platz stehe. Nach den ersten Ballkontakten ging es dann eigentlich und ich habe versucht, meine Aufgabe so gut wie möglich zu erledigen", betont Wriedt, der in der Offensive auf der linken Außenbahn für Torgefahr sorgen sollte – und seinen Auftrag beinahe bestens einlöste.

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Für den in Hamburg geborenen Deutsch-Ghanaen erfüllte sich dank der Einwechslung, die erst durch die Verlängerung ermöglicht wurde, ein Herzenswunsch: "Man träumt immer davon, irgendwann mal eingewechselt zu werden. Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass ich irgendwann für den FC Bayern München spielen werde, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt", erklärte "Otschi", so Wriedts Spitzname, nach der Partie und konnte sein Glück kaum fassen: "Ich weiß gar nicht, was hier gerade passiert. Ich bin einfach richtig glücklich und stolz, dass der Trainer mir die Minuten gegeben und die Mannschaft mich direkt auf dem Platz unterstützt hat."

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Unterstützung ist ein wichtiger Punkt für den noch völlig unbekannten Akteur im bayerischen Starensemble. Seit der Länderspielpause ist Wriedt unter dem neuen FCB-Coach Heynckes fester Bestandteil des Profikaders ("Ich habe ihn wohl überzeugt") und trainiert nun zusammen mit Weltklassespielern wie Arjen Robben, Robert Lewandowski oder Mats Hummels. "Manchmal denke ich, ich bin in irgendeinem Film und muss mich fast kneifen, weil ich es nicht glauben kann", betont Wriedt, der im Sommer vom Drittligisten VfL Osnabrück an die Säbener Straße wechselte: "Jedes Training ist ein Traum. Das ist brutale Qualität, allerhöchstes Niveau. Ich kann sehr viel lernen.“

Um ein Tor gewettet: FCB-Trainer Jupp Heynckes hat großes Vertrauen in Kwasi Okyere Wriedt
Um ein Tor gewettet: FCB-Trainer Jupp Heynckes hat großes Vertrauen in Kwasi Okyere Wriedt

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Zwar hatte der Rekordmeister den Angreifer, der in vergangenen Saison in Osnabrück zwölf Saisontore in der 3. Liga erzielte, eigentlich für die zweite Mannschaft eingeplant, doch ihm auch eine Perspektive Richtung Profikader aufgezeigt.  "Sonst hätte ich das vielleicht nicht gemacht", sagt Wriedt, der bei der Bayern- Reserve in zwölf Spielen bereits neunmal erfolgreich war: "Die Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen", so der 1,88 Meter große Angreifer, der hart für seinen Traum arbeitet: "Ich versuche, mich in jedem Training anzubieten. Für mich ist jedes Training etwas Besonderes. Ich weiß jede Einheit zu schätzen, und versuche einfach, Gas zu geben und zu lernen. Wenn ich am Ende mit Einsätzen belohnt werde, dann freue ich mich und versuche, der Mannschaft zu helfen."

Wriedt: "Ich genieße den Moment"

Das hätte er um ein Haar beinahe geschafft, doch die Latte verhinderte Wriedts Traumeinstand. Die Freude war dennoch riesig beim 23-Jährigen, dessen Trikot nach diesem ganz besonderen Einsatz einen ganz besonderen Zweck erfüllt: „Ich schenke es meiner Mutter, weil sie mich von Tag eins immer unterstützt hat. Sie ist eine wichtige Person in meinem Leben, wenn nicht sogar die wichtigste. Ich hatte ihr schon versprochen, dass ich ihr das Trikot zukommen lassen, falls ich mal meinen ersten Einsatz haben sollte“, betont der in der Jugend des FC St. Pauli ausgebildete Wriedt, der schon nach seiner ersten Kaderberufung vor zwei Wochen auf Wolke sieben schwebte. Auf die Frage, wo das alles noch enden soll, blieb der Stürmer cool: „Keine Ahnung“, so Wriedt mit einem Lachen: „Ich genieße den Moment.“

Thomas Reinscheid