München - "Dahoam heißt so viel wie zuhause", erklärt Philipp Lahm einem ausländischen Journalisten. Alles in München dreht sich dieser Tage um das "Finale dahoam" zwischen dem FC Bayern und dem FC Chelsea (Sa., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

Klar, dass das Champions-League-Endspiel auch die Gäste aus aller Welt in seinen Bann zieht.

"Es war unser großer Traum"



"Ich bin in München geboren und aufgewachsen. Ich bin mit elf Jahren zum FC Bayern gekommen, das ist quasi mein Heimatverein - ich bin hier wirklich dahoam", führt der Kapitän ziemlich entspannt auf der offiziellen Pressekonferenz aus: "Die Stimmung in der Stadt löst bei uns eine riesen Vorfreude aus. Es war unser großer Traum, ins Finale im eigenen Stadion zu kommen. Und jetzt sitzen wir hier."

Er glaubt nur an den positiven Effekt der gewohnten Umgebung. "Wir sind in unserem Hotel, wir kennen das Stadion und die Kabine - das gibt uns Sicherheit", so Lahm. Auch das verlorene Endspiel im Jahr 2010 (0:2 gegen Inter Maiand, Anm. d. Red.) werde ihn und seine Kollegen beflügeln, ist sich der Kapitän sicher: "Wir haben uns enorm weiterentwickelt in den zwei Jahren. Der Glaube innerhalb der Mannschaft ist jetzt viel größer als vor zwei Jahren. Wir haben den Hunger und den Willen, diesen Pokal zu holen."

"Das Entscheidende sind die 90 Minuten"



Neben Lahm sitzt Bastian Schweinsteiger auf dem Podium - und auch der gibt sich lässig. "Vielleicht spazieren wir noch einmal über die Maximilianstraße oder fahren an den See", schmunzelt er ins Mikrofon auf die Frage nach dem Ablauf am Samstag vor dem Showdown. Natürlich seien er und seine Kollegen aber absolut fokussiert. "Das Entscheidende sind die 90 Minuten", so Schweinsteiger.

Der Schuss Lockerheit inmitten der Anspannung wird auch entscheidend an den Vorstellungen in der "Königsklasse " in dieser Saison liegen. Die sechs Heimspiele wurden allesamt gewonnen. Das gäbe ihnen viel Selbstvertrauen, bestätigt Schweinsteiger: "Wir wollen von der ersten Minute an unser Spiel finden und durchziehen. Wir können sehr viel leisten."

Ein Mia-san-mia-Auftritt soll es also werden gegen die "Blues" - ganz im Gegensatz zur 2:5-Klatsche am vergangenen Samstag im DFB-Pokalfinale gegen Dortmund. "Natürlich hatten wir am Sonntag und am Montag daran zu knabbern. Aber wir haben unsere Fehler analysiert - und seit Dienstag geht der Blick nach vorne", sagt Lahm bestimmt: "Es ist ein anderer Wettbewerb, diese Umstellung haben wir immer sehr gut hinbekommen."

Krönender Abschluss winkt



Blickt man auf die vergangenen Wochen und Monate, so scheinen die Bayern für die ganz großen Highlights wie geschaffen. Während das Team die Meisterschaft an den BVB verlor, glänzte sie im Halbfinale gegen Real Madrid - wie überhaupt in der gesamten Champions-League-Runde.

Jupp Heynckes hat sich als Vorbereitung auf das Finale Ausschnitte zu Gemüte geführt und kommt mächtig ins Schwärmen. "Da sehen sie Spielzüge und Tore vom allerfeinsten", lobte der Trainer, der 1998 mit Real Madrid schon einmal die Hände an den Henkelpott legen durfte: "Der krönende Abschluss wäre ein Sieg in unserem Stadion!"

Damit es so kommt, warnt der 67-Jährige schon vor der geringsten Form von Leichtsinn und fordert vielmehr Demut: "Ich teile die Euphorie draußen nicht, dass der FC Bayern Favorit ist. In einem Champions-League-Endspiel gibt es keinen Favoriten, besonders nicht gegen den FC Chelsea." Das sei eine Mannschaft mit viel Erfahrung und sehr guter Organisation. Ihre Leistungen auf dem Weg ins Endspiel sollten Warnung genug sein und der Heimvorteil sei höchstens "klitzeklein".

Robben fit - Vertrauen in Tymoshchuk



Ruhe und Geduld will er seinen Spielern in den letzten Stunden vor dem Showdown vorleben - und diese Eigenschaften sollen die dann auch auf dem Rasen zeigen. Erst einmal sicher stehen, "das eigene Gehäuse dicht halten" - so lautet die Devise des Trainers.

Experimente wird er auch bei der Aufstellung nicht unternehmen. Arjen Robben hat seine Erkältung überwunden und kann spielen, die gesperrten Verteidiger David Alaba und Holger Badstuber werden wie erwartet von Diego Contento und Anatoliy Tymoshchuk vertreten. Besonders den Ukrainer lobt Heynckes als "hervorragenden Profi, den ich sehr schätze".

Er erwartet ein dramatisches Spiel, denn die Londoner würden wohl "nicht so ultra-defensiv wie gegen Barcelona" auftreten. "Beide Mannschaften werden den Erfolg suchen", so Heynckes. Seine am liebsten nicht wieder erst im Elfmeterschießen: "Ich weiß nicht, ob mein Herz das übersteht."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:



München: 1 Neuer - 21 Lahm, 17 Boateng, 44 Timoschtschuk, 26 Contento - 31 Schweinsteiger, 39 Kroos - 10 Robben, 25 Müller, 7 Ribery - 33 Gomez

Chelsea: 1 Cech - 17 Bosingwa, 4 David Luiz, 24 Cahill, 3 Cole - 12 Mikel, 8 Lampard - 23 Sturridge, 10 Mata, 21 Kalou - 11 Drogba

Schiedsrichter: Pedro Proenca (Portugal)

Vom FC Bayern berichtet Tim Tonner