Klaus Toppmöller ist seit 21 Jahren im Trainergeschäft, von der 2. Bundesliga bis zur Champions League hat er alles erlebt. bundesliga.de sprach mit dem 58-Jährigen über aktuelle Heimkomplexe, Stärken und Schwächen der Bundesliga - und über seine eigene Zukunft, wo sich offenbar eine neue Aufgabe andeutet.

bundesliga.de: Herr Toppmöller, am 13. Spieltag gewann nur Schalke zuhause, am 14. Spieltag gab es auch nur zwei Heimsiege - ist das Zufall?

Klaus Toppmöller: Ja, ich denke, das ist weitgehend Zufall.

bundesliga.de: Viele dieser Heimniederlagen konnte man erwarten, so wie etwa Freiburg gegen Bremen. Aber warum zum Beispiel verliert Wolfsburg zuhause gegen Nürnberg?

Toppmöller: Das hat womöglich damit zu tun, dass eben auch Mannschaften im eigenen Stadion verlieren, die gerade international spielen und deshalb auch mal rotieren müssen - um Spieler zu schonen. Gerade in dieser Phase, wo in der Champions League und der Europa League entscheidende Spiele anstehen. Da haben dann andere Mannschaften schon einen Vorteil, weil sie nicht international ran müssen...

bundesliga.de: ...so dass dann in den letzten Spielminuten vielleicht mal die Konzentration fehlt...

Toppmöller: Nicht nur die Konzentration, sondern auch der eine oder andere erfahrene Spieler.

bundesliga.de: Fehlt einigen Mannschaften aber nicht grundsätzlich auch ein großer Spielmacher, der eine Partie drehen kann, wenn man mal zuhause in Rückstand gerät?

Toppmöller: Einigen wenigen fehlt sicherlich der Spielmacher.

bundesliga.de: Wer sind für Sie die besten Spielmacher im Moment?

Toppmöller: Trochowski ist so einer, auch wenn er kein klassischer Zehner ist. Und Özil vor allem. Das ist Wahnsinn, was der spielt. Ich denke übrigens auch, dass sich beim FC Bayern viele Probleme lösen werden, wenn Toni Kroos zurückkommt. Kroos ist einer, der dem FC Bayern helfen kann.

bundesliga.de: Welche Spielmacher stechen noch heraus?

Toppmöller: Da gibt es einige hervorragende in der Bundesliga, die dem Spiel ihren Stempel aufdrücken. Ich denke da an Misimovic, Renato Augusto, Carlos Eduardo oder Hajnal.

bundesliga.de: Die Saison ist auch davon geprägt, dass bislang kein Club absolut souverän vornewegzieht. Hypothetische Frage: Wenn der FC Bayern aus der Champions League rausfällt, wäre das für die Leistung in der Bundesliga vielleicht sogar besser?

Toppmöller: Das kann schon sein. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass der FC Bayern das internationale Aushängeschild ist. Als ich einmal mit Bayer Leverkusen um die Welt gereist bin, in Brasilien, in Saudi-Arabien, egal wo - die Leute haben nur "Bayer" gehört und sagten sofort: Ah, Bayern München. Es ist einfach ungemein wichtig für den Ruf der ganzen Liga, dass der FC Bayern auch in der Champions League weiterkommt.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Chancen des FC Bayern, in der Champions League noch weiter zu kommen?

Toppmöller: Ich glaube schon, dass Bayern eine Chance hat. Ich würde sagen 50:50.

bundesliga.de: Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Wird man Sie auch noch einmal in der Bundesliga sehen?

Toppmöller: In der Bundesliga nicht, aber ich denke, ich kann vor Weihnachten noch etwas vermelden, ein internationales Engagement.

bundesliga.de: Bei einer Nationalmannschaft?

Toppmöller: Ja. Ein recht großes Kaliber. Ich war zuletzt auch in Polen im Gespräch, das hat ganz knapp nicht geklappt - eigentlich nur deshalb, weil ich gerade im Urlaub war und nicht erreichbar. Das gilt auch für Tschechien und Bulgarien, da hat es aber vom Gefühl her nie so ganz gepasst. Bei mir muss es so sein, dass ich denke: Sensation, super, das will ich unbedingt machen.

bundesliga.de: Und das, was jetzt für Sie eventuell ansteht, das wäre in etwa vom Kaliber her wie Polen?

Toppmöller: Besser. Ich hoffe, dass alles klappt. Ich merke auf jeden Fall, dass das Feuer in mir noch brennt.

Das Gespräch führte Christoph Leischwitz