Freiburg - Es klang so, als hätten sie lieber 0:5 verloren, nach drei Eigentoren, zwei Torwartfehlern und einer Leistung, die noch den gutmütigsten Zuschauer auf die Palme gebracht hätte. Aber in Wirklichkeit waren die Begleitumstände des Nachmittags in Freiburg noch grausamer: Der FCK war das bessere Team, er zeigte streckenweise richtig guten Fußball, war bestens organisiert und hatte nur zwei Mal ein klein wenig geschlafen.

Beim ersten Treffer durch Papiss Demba Cissé (35.) war die Flanke von Felix Bastians doch ein wenig zu lange in der Luft, als dass daraus ein Tor hätte fallen dürfen. Und beim zweiten konnte besagter Bastians schlicht ein wenig zu geruhsam seine Flanke vorbereiten.Das reichte für die beiden entscheidenden Freiburger Treffer.

Kritik und Lob von Kurz

"Ich habe den Anspruch an meine Abwehr, dass sie solche Treffer verhindert", ärgerte sich FCK-Coach Marco Kurz nach der Partie. Der Coach ging auch streng mit seiner Offensive um: "Wenn ich lese, dass wir 17 Flanken geschlagen haben, kann ich nur sagen: Dann müssen wenigstens ein paar davon zu echten Torchancen führen."

Wenige Zeit später war aber auch der gestrenge Coach bereit, das Positive herauszustreichen: "Wir haben uns nicht nur kampfstark präsentiert, wir haben auch hervorragend Fußball gespielt." Es war die gelungene Zusammenfassung aller Lobeshymnen, die auch die SC-Spieler für ihre Pfälzer Kollegen fanden. Und weil das wenig mit Lobhudelei und viel mit einer sachlichen Analyse zu tun hatte, fand auch Kurz' Freiburger Kollege Robin Dutt die Gelegenheit, dem gebeutelten Aufsteiger Trost zuzusprechen: "Kaiserslautern hätte einen Punkt verdient gehabt. Die nachhaltige Arbeit von Marco Kurz wird sich aber bezahlt machen."

Amedick: "Aus Fehlern lernen"

Das glaubt auch Kapitän Martin Amedick, der sein Team grundsätzlich auf einem guten Weg wähnt: "Wir müssen jetzt das Positive mitnehmen und weiter an unseren Stärken feilen." Aus dem Spiel heraus habe man schließlich kaum gegnerische Torchancen zugelassen: "Umso bitterer, dass dann zwei Gelegenheiten genügen, um uns auf die Verliererstraße zu bringen." Überhaupt dürfe man sich durch die vielen lobenden Worte nicht einlullen lassen: "Es wird höchste Zeit, dass wir aus unseren Fehlern lernen, mit jedem Spiel, in dem wir nicht punkten, wird unsere Lage schließlich prekärer."

Der Abwehrchef hat Mitte vergangener Woche seinen Freitag bis 2014 verlängert und will das trotz der fünften Niederlage in Folge nach wie vor als Signal verstanden wissen: In diesem Kader steckt mehr Potenzial, als die Tabelle derzeit aussagt.

Selbstbewusstsein durch Erfolg im Pokal?

Um das unter Beweis zu stellen, müssen die Pfälzer keine lange Phase des Selbstzweifels überbrücken. Am Dienstag kommt Arminia Bielefeld im DFB-Pokal auf den Betzenberg, am darauf folgenden Samstag ist die Borussia aus Mönchengladbach zu Gast. Zwei Teams, die derzeit noch gebeutelter sind als der FCK.

"Wir müssen darauf hinarbeiten, dass wir durch ein Erfolgserlebnis im Pokal Selbstbewusstsein für die nächste Aufgabe bekommen", gibt Abwehrmann Oliver Kirch die Marschrichtung vor. Wer in den beiden wichtigen Spielen aufläuft, ist noch offen. Clubboss Stefan Kuntz hat die Ersatzspieler dazu aufgefordert, den Druck auf die Stammkräfte zu erhöhen.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf