Zusammenfassung

  • Weydandt schreibt bei Hannover ein ganz besonderes Fußballmärchen.

  • Bei seinem Bundesliga-Debüt erzielte er als Joker gleich ein Tor.

  • Vor vier Jahren spielte der Stürmer noch in der Kreisliga.

Hannover - Ein echtes Fußballmärchen erhält die verdiente Fortsetzung: Hendrik Weydandt, der vor vier Jahren noch in der Kreisliga auf Torejagd ging, erhält einen Profivertrag bei Hannover 96. Die Niedersachsen binden "Henne", wie sie ihren Märchenprinzen nennen, bis 2020 an den Verein. "Ich freue mich riesig über die Chance, die ich bekomme", sagt der 23-jährige Angreifer, der vor der Saison aus der Regionalliga zu 96 wechselte.

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Schon bei seinem Debüt in der Bundesliga hatte Hendrik Weydandt mächtig Eindruck gemacht. Nach der Premiere in Bremen schüttelte er jedoch den Kopf. Reden wollte er nicht. Kein Kommentar zu seinem Treffer im ersten Bundesliga-Spiel- nur 75 Sekunden nach seiner Einwechslung. Kein Wort zu seinem steilen Aufstieg aus der Kreisklasse in die Bundesliga. Das Reden übernahmen hinterher die anderen. "Die Tore sprechen ohnehin für sich", sagte Trainer Andre Breitenreiter nach dem 1:1 (0:0) zum Saisonauftakt. Dass sich Weydandt nicht in den Vordergrund drängte, gefiel Breitenreiter, der "Henne" sei eben "bescheiden und demütig".

Video: Weydandt trifft beim Bundesliga-Debüt

Und Weydandt ist offenbar auch im Besitz eines ziemlich guten Torriechers. Der 23-Jährige machte mit seinen ersten drei Torschüssen im Profifußball drei Tore, in der Vorwoche im DFB-Pokal traf er doppelt. Nun schockierte der Weydandt Werder, als er in bester Torjäger-Manier zur zwischenzeitlichen Führung einschob (77.). Am Ende hieß es zwar Unentschieden, doch das trübte die 96-Freude über das "Henne"-Traumdebüt nur ein bisschen.

Vor vier Jahren noch Kreisliga-Kicker

"Eine Wahnsinnsgeschichte", sagte Breitenreiter über Weydandt. Schließlich kickte der 1,95-m-Hüne noch vor vier Jahren bei der TSG Groß Munzel in der Kreisliga Hannover-Land. Erst vor der Spielzeit war er vom 1. FC Germania Egestorf/Langreder aus der Regionalliga nach Hannover gewechselt, sollte für die zweite Mannschaft auflaufen. Doch Breitenreiter wollte "mal schauen, ob er auch bei uns seine Torjäger-Qualitäten zeigen kann". Und Weydandt konnte. Seinen Lauf habe er sich "hart erarbeitet", der Angreifer sei "sehr fleißig - deshalb ist das vielleicht auch kein Zufall".

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Hendrik Weyndadt: in der Bundesliga angekommen © imago / Team 2

Doch vor dem Spiel sah es zunächst nicht danach aus, dass der Hobby-Pianist wieder eiskalt zuschlägt. Weydandt sei "so nervös" gewesen, dass er "beim Anziehen einiges durcheinander gebracht hat", sagte 96-Manager Horst Heldt. Doch dann richtete Weydandt rechtzeitig Schuhe und Stutzen - und machte noch einmal Werbung in eigener Sache für einen Profivertrag. Die Beförderung kündigte zuletzt bereits Präsident Martin Kind an. "Ein Stürmer wird an Toren gemessen – und die schießt er", äußerte er und schob direkt hinterher: "Wir werden mit ihm einen Profivertrag abschließen."

Diesen Vorsatz setzte 96 alsbald in die Tat um: Weydandt starke Leistungen wurden mit einem Profivertrag bis 2020 belohnt. "Ich freue mich riesig über die Chance, die ich bekomme. Es war für mich ein großes Glück, in so eine homogene Truppe zu kommen, die die Fähigkeit und die Bereitschaft hat, jemanden wie mich so zu integrieren. Ich wurde enorm gut aufgenommen - vom Trainer- und Betreuerstab und von jedem einzelnen Spieler. Das alles weiß ich sehr zu schätzen", betonte der 23-Jährige bei der Verkündung des Vertragsschlusses.

Profivertrag "mit starken Leistungen verdient"

"Natürlich ist die Geschichte von 'Henne' ein Fußballmärchen, wie es im heutigen Profifußball nur noch ganz selten vorkommt. Umso schöner ist es für uns alle bei Hannover 96, Teil dieses Märchens zu sein und mit dem Profivertrag ein weiteres Kapitel schreiben zu können", erklärte 96-Manager Horst Heldt: "'Henne' hat sich diese 'Beförderung' absolut verdient mit starken Leistungen in der Vorbereitung, die er bei seinen ersten beiden Pflichtspieleinsätzen in der Bundesligamannschaft im DFB-Pokalspiel beim Karlsruher SC und beim ersten Saisonspiel bei Werder Bremen eindrucksvoll untermauert hat. Er ist mit seinem Torinstinkt und seiner Stärke im Abschluss ein Spieler, der die Qualität für den Profifußball mitbringt." 

Hendrik Weydandt feiert das 1:0 © imago / Team 2

Wimmer: "Er bringt alles mit"

Die Kollegen hoffen somit erfolgreich, dass Weydandt ihnen erhalten bleibt. Und nicht, wie eigentlich geplant, die väterliche Steuerkanzlei übernimmt. "Er bringt alles mit, was ein guter Stürmer braucht", sagte Mitspieler Kevin Wimmer. Und Kapitän Waldemar Anton meinte: "Wir hoffen, dass er so weiter macht." Auch bei den Fans hat Weydandt längst bleibenden Eindruck hinterlassen, nach dem Spiel feierten sie ihn: "Henne, du bist der beste Mann", hallte es durch das Stadion.

SID