Hamburg - Wieder einmal war Nationalspieler Christoph Kramer in seinem Team der laufstärkste Akteur. Insgesamt spulte der Mittelfeldspieler beim 0:0 in Hamburg 11,54 Kilometer ab und hatte auch noch die meisten Ballkontakte (78) bei Bayer Leverkusen. Trotzdem reichte es für die Leverkusener trotz guter Chancen nicht zum einem Sieg. Im Interview sprach Kramer über seine Gemütslage nach dem Spiel und lobte seinen wieder genesenen Kapitän Ömer Toprak.

Bundesliga.de: Herr Kramer, für Bayer ist es das vierte ungeschlagene Spiel in Folge. Allerdings wurde davon zweimal hintereinander nur unentschieden gespielt. Wie bewerten Sie das Remis beim HSV?

Christoph Kramer: Wir müssen einfach mal ein Tor machen, damit so eine zweite Halbzeit nicht zustande kommt. In der ersten Hälfte haben wir das wieder einmal ordentlich gemacht und auch gute Chancen herausgespielt und in der zweiten Halbzeit war es dann sehr zerfahren, viele Aktionen im Mittelfeld und wenig Torraumszenen. So eine zweite Halbzeit kommt halt nicht zustande, wenn wir in der ersten unsere Chancen nutzen. Das haben wir leider verpasst und deshalb geht das 0:0 auch in Ordnung.

"Das Spiel war sehr umkämpft"

Bundesliga.de: Es war eine sehr intensive Partie mit insgesamt acht Gelben Karten, davon zwei für Bayer Leverkusen. Schon im vergangenen Jahr war das Duell zwischen den beiden Teams im Volksparkstadion sehr ruppig. Wie haben Sie die Partie auf dem Platz erlebt?

Kramer: Erste Halbzeit war es noch okay. Wir hatten auch viele Standards in Tornähe und auch gute Torchancen. In der zweiten Halbzeit war es dann tatsächlich etwas fahrig und die Hamburger haben auch ein paar taktische Fouls gemacht, als wir in aussichtsreicher Position waren. Das Spiel hat sich leider zu viel im Mittelfeld abgespielt.

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Bundesliga.de: Mit Dortmund, Schalke und Wolfsburg haben die schärfsten Konkurrenten um die Champions League-Plätze jeweils ihre Spiele gewonnen. Mit 14 Punkten steht Bayer derweil nur auf Platz acht. Droht Leverkusen in der Liga den Anschluss nach oben zu verlieren?

Kramer: So einen Dreier im Vorbeigehen holst du nicht so einfach. Das Spiel war heute sehr umkämpft: Wenn man die Ergebnisse in der Bundesliga sieht, wäre ein Sieg schon wichtig gewesen. So ein Spiel wie in Hannover (1:0 für Bayer, Ann. d. Redaktion), wo wir gewinnen und nicht gut spielen, diese Siege sind Gold wert. Wir hätten heute sehr gerne gewonnen, dann hätte es auch ganz gut in der Tabelle ausgesehen. Wir haben eine Chance vertan. Die Chancenauswertung muss besser werden, damit wir mal wieder in Führung gehen. Dann wird es für uns einfacher.

"Denke, es wird eine intensive Partie"

Bundesliga.de: Ihr Kapitän Ömer Toprak hat nach langer Verletzung in Hamburg etwas überraschend sein Comeback gefeiert und dann auch noch auf ungewohnter Position neben Ihnen als Sechser. Er gewann starke 76 Prozent seiner Zweikämpfe. Wie bewerten Sie seine Leistung?

Kramer: Er hat erst eineinhalb Wochen mit der Mannschaft trainiert und wird dann auf ungewohnter Position ins kalte Wasser geworfen. Vor allem in der ersten Halbzeit hat er seine Aufgabe sehr gut gemacht. In der zweiten Halbzeit hat dann verständlicherweise die Luft etwas gefehlt.

Bundesliga.de: Bereits am Dienstagabend geht es in der Champions League-Gruppenphase im Heimspiel gegen den AS Rom weiter. Viel Zeit bleibt nicht, um sich vorzubereiten?

Kramer: Wir werden uns ab Sonntag intensiv auf das Spiel am Dienstag gegen den AS Rom vorbereiten. Grundsätzlich haben wir in dieser Saison bereits gezeigt, dass wir gegen keine Mannschaft komplett chancenlos waren, auch in Barcelona nicht. Wir werden versuchen den Italienern unser Spiel aufzudrängen. Ich denke, es wird eine sehr intensive Partie. Ich glaube für die Roma wird es nicht angenehm werden gegen uns zu spielen.

Bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Lage in Ihrer Gruppe ein? Die Duelle gegen die Roma könnten entscheidend sein?

Kramer: Ja, das war abzusehen, dass die beiden Duelle gegen den AS Rom die Schlüsselspiele in der Gruppe werden. Wir haben im Moment aber die bessere Ausgangsposition und wollen natürlich die Gruppenphase erfolgreich überstehen.

 

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage