Bremen - "Auf, auf, auf in die Champions League" - zur Melodie von "Blau, blau, blau büht der Enzian feierten die gut 5000 Gladbach-Fans den Einzug ihrer Mannschaft in die Champions League.

Als sich Borussia Mönchengladbach vor 37 Jahren letztmals mit den Top-Teams Europas gemessen hat, waren die Spieler von 2014/15 noch gar nicht geboren, und die sieben Spieler im Kader, die am 21. März 1987 schon auf der Welt waren, werden sich wohl kaum daran erinnern, dass an diesem Samstag die Fohlen zuletzt im Weserstadion gewonnen hatten.

Mit dem 2:0-Sieg gegen Werder Bremen durch ein Doppelpack von Raffael beendeten die Rheinländer nicht nur die Negativserie, sondern qualifizierten sich auch vorzeitig für die Champions League. "Echt geil", brachte Christoph Kramer seine Gefühle auf den Punkt. Und der Weltmeister, der nach der Saison zu Bayer Leverkusen zurückkehrt, kann dieses Gefühl noch einmal erleben, denn Kramer kann sich mit der Werkself noch ein zweites Mal für die Königsklasse qualifizieren.

"Die hatten die Lufthoheit"

Frage: Herr Kramer, nach 28 Jahren hat Borussia Mönchengladbach mal wieder in Bremen gewonnen. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Christoph Kramer: Es war ein sehr intensives Spiel. Es war eine super Leistung gegen einen Gegner, der nicht nur körperlich sehr präsent war. Bremen hat sehr intesive Spielertypen im Kader. Ich bin 1,91 Meter groß, und die waren alle einen Kopf größer als ich. Da weißt du schon, was auf dich zukommt. Die hatten die Lufthoheit. Wir wussten, es wird viele zweite Bälle geben, was nicht unbedingt unser Spiel ist. Das haben wir voll angenommen. Ich kann nur sagen: gut gemacht. Am Ende war es ein verdienter Sieg.

Frage: Gladbach ist damit direkt für die Champions League qualifiziert. Was ist das für ein Gefühl?

Kramer: Extrem geil. Ich bin glücklich, dass ich zu diesem Erfolg beitragen konnte.

Frage: Wir wichtig ist es, dass die Entscheidung schon vorzeitig gefallen ist?

Kramer: Das ist schon sehr angenehm. So laufen wir nicht Gefahr, dass es am letzten Spieltag noch einmal eng wird. So können wir die Atmosphäre im Borussia Park mit den Fans noch einmal richtig genießen und einen Haken hinter eine überragende Saison machen.

"Mir hat es viel Spaß gemacht"

Frage: Und jetzt gibt's Champagner auf der Rückfahrt?

Kramer: Champagner weiß ich nicht, aber uns wird sicher schon was einfallen. Es wird auf jeden Fall eine sehr schöne Rückfahrt.

Frage: Wie lautet Ihr persönliches Saison-Fazit?

Kramer: Ich bin sehr zufrieden. Es war die Nach-WM-Saison und meine erste mit Englischen Wochen. Und zum Glück bin ich - im Gegensatz zu manchen WM-Kollegen -  verletzungsfrei geblieben. Mir hat es viel Spaß gemacht, auf dem Platz zu stehen.

Frage: Haben Sie noch einen Sprung nach vorn gemacht?

Kramer: Das kann ich immer so schlecht selber bewerten. Ich habe sicher im spielerischen Bereich noch mehr ausprobiert und dazugelernt. Aber das ist wohl völlig normal, denn ich bin mit 23 (stutzt), 24 bin ich jetzt, natürlich noch in einer Entwicklungsphase. In dem Alter macht man immer kleine Schritte, aber die passieren tagtäglich. Da fällt es schwer, die Entwicklung einzuschätzen.

"Eigentlich müsste man Konferenz gucken"

Frage: Jetzt gehen Sie zurück zu Bayer Leverkusen, das Gladbach vom direkten Champions-League-Platz verdrängt hat. Dadurch müssen Sie in die Qualifikation und haben einen kürzeren Urlaub...

Kramer (lacht): Das ist kein Problem. Wir fangen halt früher an. Und wir haben eine Woche weniger Vorbereitung. Stattdessen spielen wir, und das ist doch schöner als Training, vor allem, wenn man so ein Ziel vor sich hat. Ich kann mich noch mal für die Champions League qualifizieren. Das hat doch auch was.

Frage: Haben Sie die Ergebnisse des Spieltags mitbekommen?

Kramer: Während des Spiels nicht, aber ich hab' sie mir gerade angesehen. Wahnsinn, wie spannend es gerade im Abstiegskampf ist. Eigentlich müsste man nächste Woche Konferenz gucken - aber ich muss ja selber spielen.

Zusammengestellt von Jürgen Blöhs