München - Am Donnerstagmorgen war es soweit: Der FC Bayern vermeldete die Verpflichtung des Schweizer Nationalspielers Xherdan Shaqiri zur kommenden Saison. Der 20-Jährige unterschrieb einen Vier-Jahres-Vertrag beim Rekordmeister und soll im Mittelfeld zu einer Alternative für Arjen Robben und Franck Ribery heranreifen.

Shaqiri hat sich bereits einige Meriten verdient: Trotz seines jungen Alters wurde der gebürtige Kosovare 2010 zum "Spieler des Jahres" in der Schweiz gekürt. bundesliga.de über die Vorzüge des nur 1,69 Meter großen Flügelflitzers, der im Achtelfinale der Champions League mit dem FC Basel auf sein neues Team treffen wird.

Drei Treffer gegen Lothar Matthäus

Shaqiri debütierte im Juli 2009 im Alter von 17 Jahren in der Schweizer Super League bei den Baslern, war in der Rückrunde bereits Stammspieler und feierte im März 2010 sein Debüt in der Nationalmannschaft. Als Krönung seiner Premierensaison wurde er von Ottmar Hitzfeld sogar in den WM-Kader berufen, kam in Südafrika aber nur zu einem 12-minütigen Kurzeinsatz im letzten Spiel gegen Honduras.

Mittlerweile ist der als "Kraftwürfel" titulierte Shaqiri längst Stammspieler in der "Nati" (17 Einsätze) und hatte sein persönliches Highlight, als er im September 2011 im EM-Qualifikationsspiel gegen Lothar Matthäus  Bulgaren alle drei Tore zum 3:1-Sieg erzielte. Neben Granit Xhaka gilt der bullige Offensivspieler nicht erst seit dieser Darbietung als das Top-Talent im Schweizer Fußball. Kurioserweise stammt Shaqiri aus dem gleichen Ort wie sein jetziger Mannschaftskollege - und nicht nur er. Auch Albert Bunjaku (1. FC Nürnberg) und Faton Toski (VfL Bochum) wurden im damals jugoslawischen Gjilan geboren.

Starker Auftritt gegen den FC Bayern

Von Shaqiris Qualitäten durften sich die Bayern bereits in der vergangenen Champions-League-Saison überzeugen. In beiden Partien der Gruppenphase gegen die Münchner war der Mittelfeldmann Basels bester Spieler und stellte vor allem im Hinspiel die FCB-Defensive vor Probleme. An zehn der insgesamt 20 Torschüsse seines Teams war Shaqiri beteiligt (drei abgegeben, sieben vorbereitet), in beiden Spielen gewann er jeweils über die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Nicht nur deswegen ist Bayern-Trainer Jupp Heynckes fest davon überzeugt, dass der Neuzugang bei den Münchnern einschlagen wird: "Xherdan wird mit seiner Spielintelligenz und seinen Dribblings unsere Mannschaft in den kommenden Saisonen verstärken", sagt der Coach. "Ich habe ihn seit einiger Zeit beobachtet und bin überzeugt, dass er für den FC Bayern ein wichtiger Spieler werden kann." Dass sich Heynckes auch bei Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld über den Wirbelwind erkundigte, ist ein offenes Geheimnis.

Als Schweizer Nationalcoach kennt Hitzfeld den 19-Jährigen natürlich ganz genau: "Der Wechsel macht Sinn. Ich habe Uli Hoeneß schon vor etwa einem Jahr gesagt, dass Xherdan ein außergewöhnlicher Spieler ist, ein anpassungsfähiger Mensch, der jederzeit in einer Top-Mannschaft spielen kann", so Hitzfeld in der "Bild". "Ihm gehört die Zukunft. Er kann auch zu einem Publikumsliebling werden. Er ist ein dribbelstarkes Kraftpaket. Die Zuschauer werden ihn lieben."

Bessere Zweikampfwerte als Messi

Vor allem mit seiner Schnelligkeit besticht Shaqiri: Als rechter Mittelfeldspieler gewann er in der laufenden Champions-League-Saison herausragende 61 Prozent seiner Dribblingzweikämpfe - kein anderer Spieler, der mindestens ebenso oft ins Dribbling ging wie er, kommt auf eine derartige Quote. Zum Vergleich: Lionel Messi gewann 50 Prozent seiner Dribblings, Frank Ribery 43 Prozent, Mario Götze gar nur 25 Prozent. Shaqiri ist zudem nach Ribery der am häufigsten gefoulte Spieler dieser Champions-League-Saison (22 Mal) - und das obwohl er nur vier Spiele bestritt.

Vor dem gegnerischen Kasten ist Shaqiri alles andere als zögerlich: In der "Königsklasse" gab er die meisten Torschüsse aller Basel-Spieler ab (18) - getroffen hat er allerdings noch nie. Seinen bislang einzigen Champions-League-Treffer markierte der Nationalspieler im November 2010 gegen den AS Rom. Auch in der Schweizer Super League gelangen Shaqiri noch in keiner Saison mehr als fünf Tore bzw. fünf Torvorlagen, aktuell steht er bei vier Treffern und zwei Vorlagen (in 19 Einsätzen).

Dass Xherdan Shaqiri zumindest vor dem gegnerischen Tor noch nicht so abgezockt ist, könnte dem FC Bayern in naher Zukunft sogar entgegen kommen. Im Achtelfinale der Champions League treffen die Münchner nämlich erneut auf den FC Basel - und damit auch auf Shaqiri. An der besseren Chancenverwertung seines neuen Stars kann der FC Bayern dann ja ab dem kommenden Sommer arbeiten.

Johannes Fischer